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Wimbledon : Von der Überraschung schöner blauer Augen

Das Sternchen aller Sternchen: Anna Kurnikowa Bild: REUTERS

Zwetana Pironkowa, Petra Kvitova und Wera Zwonarewa - die Damenkonkurrenz von Wimbledon hat im Halbfinale neben Serena Williams neue Gesichter zu bieten. Das große Publikum locken aber Martina Hingis und Anna Kurnikowa an.

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          „Es ist toll“, bemühten sich am Morgen danach die BBC-Moderatoren, das Desaster des Vortages zu verkaufen, „dass wir ein paar neue Namen und Gesichter in der Endphase des Turniers sehen werden.“ Rein sportlich könnte man das so sehen – wer das Halbfinale eines Grand-Slam-Turnieres erreicht, hat das nicht nur mit Glück geschafft. Das Problem ist nur, dass der Zuschauer gerne die großen Namen auf dem Platz sieht, was auch erklärt, warum am Dienstag beim Legenden-Doppel einer ehemaligen Protagonistin wie Martina Hingis und dem ehemaligen Sternchen aller Sternchen, Anna Kurnikowa, die Tribünenränge dicht besetzt sind.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Stars von früher haben noch magnetische Kraft, aber wie hoch das Anziehungspotential von Zwetana Pironkowa, Petra Kvitova und Wera Zwonarewa ist, wird die BBC an den Einschaltquoten vom Donnerstag nachlesen können. Es sind drei der vier Halbfinalteilnehmerinnen in diesem Jahr – und niemand zweifelt daran, dass mit der Titelverteidigerin Serena Williams die vierte in diesem exklusiven Quartett das Turnier mal wieder gewinnen wird.

          Kvitova spielte schon mehrere „Spiele ihre Lebens“

          Dass es eine bis ins Semifinale schaffen würde, mit der vorher niemand rechnete, hatte schon vorher festgestanden. Petra Kvitova, die 20 Jahre alte Tschechin, hatte es im Viertelfinale schließlich mit der Qualifikantin Kaia Kanepi aus Estland zu tun und sich in einer Achterbahnfahrt nach Abwehr von drei Matchbällen im zweiten Satz und einem 0:4-Rückstand im dritten Durchgang schließlich durchgesetzt. Die Linkshänderin, auf Platz 62 der Weltrangliste platziert, ist noch ein Fall für Tennis-Insider, und wer in Deutschland genau aufgepasst hat, dem sagt der Name etwas. Beim Fed Cup gewann sie im Februar gegen die viel höher eingeschätzte Andrea Petkovic. Die Darmstädterin revanchierte sich danach gleich zweimal: zunächst auf Sand in Rom, zuletzt aber auch beim Rasenturnier in s’Hertogenbosch.

          Die Stars von früher haben noch magnetische Kraft: Anna Kurnikowa und Martina Hingis (r.)

          Nach den Vorboten eines Siegeszuges in Wimbledon hörte sich also das nicht an – genau so kam es aber. In der dritten Runde besiegte Petra Kvitova die Weltranglistenelfte Victoria Azarenka 7:5 und 6:0, und die Weißrussin bemerkte danach, dies sei wohl das Spiel des Lebens ihrer Gegnerin gewesen. Sie irrte, das kam erst im Achtelfinale, als die 1,83 Meter lange Tschechin die dänische Weltranglistenvierte Carolin Wozniacki in 46 Minuten 6:2 und 6:0 heimschickte. „Ich habe sie hier spielen sehen. Ich bin nicht überrascht, dass sie so weit gekommen ist“, sagt ihre nächste Halbfinalgegnerin Serena Williams, was die Chance auf einen weiteren Überraschungscoup der Tschechin allerdings stark minimiert.

          Wenig hatte auf den Durchbruch von Pironkowa hingewiesen

          Gewarnt war auch Schwester Venus Williams – sollte sie über ein Langzeitgedächtnis verfügen. Schließlich hatte sie schon einmal gegen die 22 Jahre alte Bulgarin Zwetana Pironkowa verloren, vor fünf Jahren in der ersten Runde der Australian Open. Deshalb war zumindest die Dauer der Partie im Bereich dessen, was man erwarten durfte: Nach einer Stunde und 25 Minuten stand es 2:6 und 3:6 – allerdings aus der Sicht der fünfmaligen Wimbledonsiegerin Venus.

          Auch bei der Bulgarin hatte nichts darauf hingedeutet, dass dieses Wimbledon-Turnier zu ihrem Durchbruch werden könnte – in ihrem Fall sogar weniger als nichts: Beim Vorbereitungsturnier in Eastbourne hatte sie in der ersten Runde mit Heather Watson gegen eine Engländerin verloren, was allgemein genauso wenig für eine besondere Affinität zu Rasentennis sprach wie ihre Wimbledon-Bilanz: Sie hatte vorher nur eine Partie gewonnen – 2006 in der ersten Runde gegen die Deutsche Anna-Lena Grönefeld.

          Zwonarewa stand schon auf dem siebten Platz der Weltrangliste

          Aller guten Dinge sind zwar drei, aber so richtig passt Wera Zwonarewa nicht in diese Reihe der großen Überraschungen. Die Russin stand vor zwei Jahren schließlich schon einmal auf dem siebten Platz der Weltrangliste, ehe sie Verletzungen weit zurückwarfen. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 setzte sie damals nebenbei die Familiengeschichte fort. Nachnominiert für die verletzte Maria Scharapowa gewann sie die Bronzemedaille, was ihrer Mutter 1980 in Moskau mit dem Hockeyteam ebenfalls gelungen war.

          2008 warb auch die WTA, die Vereinigung der Turnierveranstalter und Profispielerinnen, unter anderem mit ihrem Gesicht, was neben der guten Weltranglistenplazierung sicher auch an ihren bemerkenswert blauen Augen lag. Mit den Siegen über die ehemaligen und an diesem Tag jeweils indisponierten Weltranglistenersten Jelena Jankovic und Kim Clijsters bewies die mittlerweile wieder auf Rang 21 der Weltrangliste geführte Russin zwar, dass sie auf dem Weg zurück zu alter Stärke ist, aber den ganz großen Namen, der die Massen fasziniert, hat sie sich noch nicht gemacht.

          Selbst Anna Kurnikowa wird nicht jünger

          Das lässt sich von Martina Hingis und Anna Kurnikowa zwar nicht behaupten – aber warum ihnen immer noch so viele Menschen zuschauen, wenn sie mal wieder zu einem Tennisschläger greifen, erklärt es auch nicht. Das Niveau des Legenden-Doppels der beiden 29 Jahre alten Hauptdarstellerinnen von gestern – beide nur ein paar Monate älter als Serena Williams – gegen die Engländerinnen Samantha Smith (38 Jahre) und Anne Hobs (50) übertraf nichts, was es nicht auch im heimatlichen Tennisklub zu sehen gäbe, trotzdem schauten am Abend 4000 Fans auf dem neuen Platz zwei zu.

          Dass die beiden danach ernsthaft gefragt wurden, ob sie es nicht mit einem richtigen Comeback versuchen wollten, hätte eigentlich der Anstand verboten, aber zumindest Anna Kurnikowa antwortet mit einem bemerkenswerten Redefluss darauf, dessen Fazit lautete: „Ich werde nicht jünger.“ Besser vermutlich auch nicht.

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