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Wimbledon : Lisicki und Haas fordern die Besten

Wimbledon ist ihr Revier: Sabine Lisicki zieht eine Runde weiter Bild: REUTERS

Sabine Lisicki und Tommy Haas erreichen das Achtelfinale von Wimbledon. Dort ist ihnen Aufmerksamkeit gewiss, denn sie treffen nun auf Serena Williams und Novak Djokovic.

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          Es gibt vermutlich bessere Auslosungen, wenn man ganz weit in einem Turnier kommen will, aber es gibt kaum eine günstigere Möglichkeit, um an einem Tag mit einem vollgepackten Spielplan trotzdem ganz sicher im Mittelpunkt zu stehen. Am Montag stehen in Wimbledon alle Achtelfinal-Spiele der Damen und Herren auf dem Programm, aber Sabine Lisicki und Tommy Haas ist die Aufmerksamkeit aller Zuschauer gewiss.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die beiden Deutschen spielen nämlich vermutlich jeweils gegen die Weltranglistenersten: Sabine Lisicki trifft auf die Amerikanerin Serena Williams, die gegen die 42 Jahre alte Japanerin Kimiko Date-Krumm 6:2, 6:0 gewann; Tommy Haas muss gegen den Serben Novak Djokovic antreten. Der Weltranglistenerste und Top-Favorit schlug Jérémy Chardy aus Frankreich 6:3, 6:2, 6:2. Klingt ärgerlich, aber im Wimbledon-Jahr der Überraschungen sind beide nicht chancenlos.

          Für die englischen Tageszeitungen ist spätestens seit der dritten Runde am Samstag eines ganz gewiss: Wenn überhaupt eine Spielerin – natürlich neben Laura Robson, die als erste Britin seit 15 Jahren das Achtelfinale erreicht hat – den Hauch einer Chance gegen die scheinbar übermächtige Titelverteidigerin besitzen dürfte, dann ist es Sabine Lisicki.

          Auch gegen Samantha Stosur zeigte die Berlinerin wieder eine überzeugende Leistung, die vielleicht noch höher einzuschätzen ist, weil diesmal anders als in den ersten beiden Runden nicht alles von Beginn nach Plan lief. Der Australierin reichte ein Break, um den ersten Satz 6:4 zu gewinnen, hatte danach aber keine Chance mehr. Die Deutsche steigerte sich, sicherte sich die nächsten beiden Sätzen 6:2 und 6:1 und imponierte nicht nur mit ihrer Aufschlagstärke. „Wimbledon – das war für Sabine wie Liebe auf den ersten Blick“, sagte ihr Vater Richard. Seine Tochter hat in London im Verlauf ihrer Karriere schon das Halbfinale und das Viertelfinale erreicht – und chancenlos sieht sie sich auch nicht in der Auseinandersetzung mit Serena Williams. „Im vergangenen Jahr gegen Maria Scharapowa war ich auch krasse Außenseiterin“, sagte sie – und natürlich hatte sie diese Partie gewonnen.

          Unverwüstlich: Tommy Haas
          Unverwüstlich: Tommy Haas : Bild: AFP

          Auch Tommy Haas hat gute Erinnerungen an Partien gegen Novak Djokovic – wenn sie auf Rasen gespielt wurden. Vor vier Jahren hat der Wahl-Amerikaner sowohl in Halle als auch in Wimbledon jeweils gegen den Serben gewonnen. In seinem Drittrundenspiel am Samstag gegen den Spanier Feliciano Lopez bewies der gebürtige Hamburger, dass er bereit ist für die Auseinandersetzung mit dem derzeit besten Tennisspieler der Welt.

          Der Deutsche hatte nur im ersten Satz Schwierigkeiten, sich auf das Spiel des Linkshänders einzustellen, war danach aber der jederzeit bessere Spieler und siegte verdient 4:6, 6:2, 7:5 und 6:4. „Ich fühle mich gut und habe sicher aus der Partie in Paris etwas gelernt“, sagte Haas. Bei den French Open war er im Viertelfinale am Serben gescheitert.

          Nach ihren Siegen mussten weder Lisicki noch Haas befürchten, ähnliche Dinge wie am Tag zuvor Angelique Kerber und Dustin Brown erleben zu müssen. Die Weltranglistensiebte aus Kiel wurde nach ihrer 6:3-, 6:7- und 3:6-Niederlage gegen die Estin Kaia Kanepi auf ihrer Facebook-Seite teilweise wüst beschimpft und übel beleidigt. Kerber-Manager Markus von Kotzebue ließ die Kommentare entfernen, mittlerweile finden sich dort nur noch positive Reaktionen sowie grenzenlose Entrüstung gegen die Beleidigungen. Vermutet werden hinter den Attacken enttäuschte Sport-Wetter, schließlich war die Kielerin als Favoritin in die Partie gegen die Estin gegangen. Im Tiebreak des zweiten Satzes hatte die Deutsche auch schon 5:1 geführt und war nur noch zwei Punkte vom Einzug in die dritte Runde entfernt gewesen.

          Ebenfalls unliebsame Erfahrungen mit den sozialen Netzwerken musste Dustin Brown machen, der in drei Sätzen dem Franzosen Adrian Mannarino unterlegen war. Der Deutsch-Jamaikaner, der bei seinem Zweitrundensieg gegen Lleyton Hewitt viele neue Freunde gewonnen hatte, musste entdecken, dass ihm nicht alle wohlgesonnen waren. „Es ist unglaublich, was manche Leute schreiben, wenn man verloren hat“, sagte Brown, der einige rassistische Texte hatte lesen müssen. Er nahm es gelassen: „Der Protest darauf war gewaltig.“

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