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Wimbledon : Lisicki über Umweg ins Halbfinale

Mit aller Macht: Lisicki steht im Halbfinale von Wimbledon Bild: REUTERS

Als erste Deutsche seit Steffi Graf steht Sabine Lisicki im Halbfinale von Wimbledon. Beim 6:4, 6:7, 6:1 gegen die Französin Bartoli vergibt sie im zweiten Satz drei Matchbälle - und gewinnt doch deutlich. Nun wartet Scharapowa.

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          Das schien eine verwegene Prognose zu sein, die Barbara Rittner da vor dem Turnierbeginn abgegeben hatte. „Es würde mich nicht wundern, wenn eine aus dem Fed-Cup-Trio hier das Halbfinale erreichen würde“, hatte die Fed-Cup-Teamchefin prophezeit. Während Andrea Petkovic und Julia Görges in der dritten Runde scheiterten, bestätigte Sabine Lisicki die Worte der Bundestrainerin auf eindrucksvolle Art und Weise.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die 21 Jahre alte Berlinerin besiegte am Dienstag die Französin Marion Bartoli 6:4, 6:7 und 6:1 und überwand dabei sogar den Frust, im zweiten Satz drei Matchbälle vergeben zu haben. „Ich habe mir danach gesagt, kämpf weiter, du bist heute die bessere Spielerin“, sagte sie und erreichte als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 das Halbfinale in Wimbledon - Gegnerin wird die russische Turnierfavoritin Maria Scharapowa sein, die der Slowakin Dominika Cibulkova beim 6:1, 6:1 keine Chance ließ. Im zweiten Halbfinale steht die Tschechin Petra Kvitova nach einem Sieg gegen die Bulgarin Tswetana Pironkowa. Um den letzten Platz in der Runde der letzten vier spielen nach einer Regenunterbrechung am Mittwoch Weißrussin Viktoria Asarenka und die Österreicherin Tamara Paszek.

          Wer sich wegen des Sonnenscheins in den vergangenen beiden Jahren gefragt hatte, warum sich der All England Lawen Tennis and Croquet Club eigentlich ein ausfahrbares Dach für rund 100 Millionen Euro geleistet hatte, der bekam am Dienstag die Antwort geliefert. Pünktlich zum Beginn des Damen-Viertelfinales begann es nämlich nicht nur etwas zu regnen - Wassermassen klatschten auf das Dach, und auf dem Center Court hörte es sich an, als würde irgendwo eine überdimensionale Dusche laufen. Ein Gewitter zog über Wimbledon hinweg, und als sich Sabine Lisicki in ihrem ersten Aufschlagspiel gerade einen Ball geben lassen wollte, dröhnte ein Donner derart laut über den Platz, dass nicht nur die Berlinerin erschrak.

          Bester Sitz: Auch die Pause auf dem Linienrichterstuhl bringt Marion Bartoli nicht entscheidend weiter
          Bester Sitz: Auch die Pause auf dem Linienrichterstuhl bringt Marion Bartoli nicht entscheidend weiter : Bild: REUTERS

          Es war der ungewöhnliche Auftakt zu einem Spiel, in dem es hin und her ging und die Vorteile ständig wechselten. In ihrem zweiten Viertelfinale in Wimbledon gab Sabine Lisicki zunächst deutlich den Rhythmus vor - sie agierte, und die Französin reagierte nur. Marion Bartoli verlor so gleich ihr erstes Aufschlagspiel, holte sich danach zwar sofort das Rebreak, konnte dann aber abermals ihren Aufschlag nicht halten. Dieses Break transportierte die Berlinerin fortan durch den gesamten Satz, vergab beim Stand von 3:5 den ersten Satzball, holte sich dann aber den ersten Durchgang mit eigenem Aufschlag.

          Die Taktik der Deutschen, ihr kraftvolles Grundlinienspiel durchzumischen und immer wieder Stopps einzustreuen, schien auch im zweiten Satz aufzugehen. Trotzdem holte sich die Französin zwar das erste Break im zweiten Durchgang zur 3:1-Führung, aber lange konnte sie sich nicht daran erfreuen. Der Berlinerin gelang sofort das Rebreak, und das schien sie weiter zu beflügeln, zumal sie sich auf ihren Aufschlag noch verlassen konnte. Anders als im Achtelfinale gegen Serena Williams positionierte sich Marion Bartoli deshalb deutlich hinter die Grundlinie - verständlich angesichts von Aufschlägen, die mit rund 200 Kilometer pro Stunde auf sie zu rasten.

          Kleines Drama im zweiten Satz

          Alles also schien bereitet für den Einzug in das Halbfinale, als Sabine Lisicki ihrer Gegnerin den Aufschlag zum 5:4 abnehmen konnte und selbst zum Gewinn der gesamten Partie aufschlagen konnte. Ein leichter Volleyfehler am Netz, der einem verschossenen Elfmeter ohne gegnerischen Torwart gleichkam, leitete das folgende kleine Drama ein. Die Deutsche schlug zwei Asse, vergab leichte Punkte, erspielte sich drei Matchbälle, konnte aber keinen nutzen, und deutlich wurde in diesem Moment, was Marion Bartoli nach ihrem Sieg über Serena Williams gesagt hatte: „Ich hasse nichts mehr als verlieren.“

          Sie wehrte sich mit aller Kraft gegen die Niederlage, und konnte sie in diesem Moment nicht nur mit Glück und Geschick verhindern, sondern auch dank der Hilfe von Sabine Lisicki. Der erste Aufschlag, ihre gefährlichste Waffe, fand minutenlang nicht mehr sein Ziel, und im Tiebreak des zweiten Satzes unterlag die Deutsche 4:7, weil sie mit eigenem Aufschlag keinen einzigen Punkt machte. Nun hatte alles für die Französin gesprochen - aber was sagt das im Tennis schon aus?

          Sabine Lisicki brachte mit etwas Mühe ihr erstes Aufschlagspiel im dritten Satz durch, und plötzlich schienen ihrer Gegnerin die Beine schwer zu werden. Mehr als drei Stunden hatte Marion Bartoli am Samstag in der dritten Runde hin und her rennen müssen, dann war dieser Kampf gegen Serena Williams gefolgt. Die vielen Sprints ans Netz nach den Stopbällen von Sabine Lisicki schienen ihr die letzte Kraft genommen zu haben. Die Deutsche zog auf 3:1 weg, und zwischenzeitlich setzte sich Marion Bartoli sogar auf den Stuhl eines Linienrichters, um sich auszuruhen. Auch das bewahrte sie nicht davor, auch ihr nächstes Aufschlagspiel zum 1:5 zu verlieren. Sabine Lisicki bekam eine zweite Chance, mit eigenem Aufschlag die Partie zu beenden. Knapp eine Stunde nach ihrem dritten Matchball ließ sie sich den vierten nicht mehr nehmen.

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