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Wimbledon : Lisicki gelingt die Überraschung

Unbändige Freude: Sabine Lisicki schlägt Li Na Bild: AFP

Die deutschen Frauen überzeugen in WImbledon. Sabine Lisicki schlägt überraschend Li Na. Julia Görges steht auch in Runde drei. Dagegen sind alle deutschen Herren ausgeschieden.

          Die Kontraste hätten nicht größer sein können. Drei Stunden, nachdem Florian Mayer nach dem Ausscheiden es letzten deutschen Herrenspielers kaum Worte gefunden hatten, um seine 6:1-, 3:6-, 2:6- und 2:6-Zweitrundenniederlage gegen den Belgier Xavier Malisse erklären zu können, saß die Berlinerin Sabine Lisicki strahlend vor Glück in der Pressekonferenz. Eine Chance hatte ihr viele gegen die Chinesin Na Li eingeräumt, denn die Deutsche hatte in Wimbledon 2009 schon einmal für Furore gesorgt, als sie das Viertelfinale. Doch die Art und Weise, wie sie der schon verloren geglaubte Partie gegen die frischgekürte French-Open-Siegerin noch eine Wende gab, brachte ihr viele Bewunderer ein.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zwei Matchbälle hatte die auf Rang 62 der Weltrangliste notierte Deutsche beim Stand von 3:5 im dritten Satz gegen die Weltranglistenvierte mit gewaltigen Aufschlägen abgewehrt und danach noch zwei Asse zum 5:5 nachgelegt. Die nächsten Enttäuschung kam prompt, aber das Break zum 5:6 konterte sie mit einem Rebreak zum 6:6, und ein paar Minuten später nutzte sie in der spektakulären Partie ihren dritten Matchball zum 3:6-, 6:4- und 8:6-Erfolg.

          „Das sind die Spiele, auf die ich mich freue, die ich liebe“, hatte Sabine Lisicki vorher gesagt, und genauso war sie die Partie auf dem Center Court gegen Na Li auch angegangen. Beide droschen in dem zwei Stunden und zehn Minuten dauernden Schlagabtausch mit aller zur Verfügung stehenden Kraft auf die Bälle und zeigten eine Partie auf absolutem Weltklasseniveau. „Das war ein großes Spiel mit einem unglücklichen Ausgang für mich. Bei meinen Matchbällen konnte ich überhaupt nichts machen. Sie hat unfassbar aufgeschlagen, vom ersten bis zum letzten Ball“, sagte Na Li über ihre Gegnerin, die sie in den höchsten Tönen lobte: „Wenn sie immer so spielen würde, wäre sie die Nummer eins.“

          Stilsicher in Wimbledon: Julia Görges

          Auf dem Weg nach oben

          Dass dies ihr Langzeitziel ist, hat die Berlinerin vor drei Jahren schon einmal kundgetan, als sie bei den Australian Open 2008 erstmals den Sprung ins Hauptfeld geschafft hatte. Bis auf Position 22 war es danach weitergegangen, aber eine langwierige Köchelverletzung mitsamt der nötigen Operation warf sie im vergangenen Jahr weit zurück. „Ich musste einen ganz harten Weg zurückkommen“, sagt die Einundzwanzigjährige, „von einer gesetzten Spielerin bei Grand-Slam-Turnieren zu einer, die nicht einmal mehr die Qualifikation spielen durfte.“

          Über Challenger-Veranstaltungen, den Turnieren der zweiten Kategorie, erkämpfte sie sich einen Teil des alten Status zurück, und nun trumpfte sie gleich auf der berühmtesten Bühne der Branche groß auf. „Das Publikum hat mich so unglaublich angefeuert bei den Matchbällen gegen mich. Ich wusste gar nicht, dass es auf dem Center Court so laut werden kann. Da wollte ich einfach noch nicht gehen“, sagte sie.

          Als feststand, dass sie sogar noch bleiben darf, flossen die Tränen. Nur dank einer „wildcard“ des All England Lawn Tennis and Croquet Klubs darf sie schließlich überhaupt mitspielen, weil ihre Plazierung in der Rangliste zum Zeitpunkt der Meldung nicht für eine direkte Teilnahme ausgereicht hätte. Wimbledon aber hatte sie nicht vergessen, und Wimbledon feierte Sabine Lisicki ausgiebig. Das Spiel, auf das sie sich so gefreut hatte, endete mit Ovationen der stehenden Zuschauer.

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