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Wimbledon : Deutschland hat wieder einen Wimbledon-Sieger

Sieg in Wimbledon: Philipp Petzschner (r.) und Juergen Melzer gewinnen den Doppelwettbewerb Bild: dpa

Deutsch-österreichisches Doppelglück: Philipp Petzschner siegt an der Seite des Österreichers Jürgen Melzer gegen Robert Lindstedt und Horia Tecau. Petzschner ist der erste deutsche Sieger in Wimbledon nach den Zeiten von Graf, Stich und Becker.

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          Vermutlich muss es so kommen, wenn sich zwei, die sich lange suchten, endlich gefunden haben. Der Bayreuther Philipp Petzschner und der Niederösterreicher Jürgen Melzer galten lange als Spieler, die ihr Talent verschluderten. Als Junior hatte Melzer nämlich einst das Doppelturnier der Australian Open und sogar den Einzeltitel in Wimbledon (beides 1999) gewonnen, Petzschner triumphierte 2002 im Juniorendoppel der French Open und galt als Achter der Jugend-Weltrangliste als einer, der viel für die Zukunft versprach - und dann so gut wie nichts hielt.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Auch Melzer tat sich lange schwer, zumindest auf dem Platz - daneben sagte man dem Österreicher viel größeren Erfolg bei den tennisspielenden Profikolleginnen nach. Davon kann seit Samstag nicht mehr die Rede sein. Petzschner sank auf die Knie, nachdem er einen Passierball unerreichbar an Robert Lindstedt und Horia Tecau vorbei plaziert hatte, und nur einen Sekundenbruchteil später fiel Melzer aus guten Gründen über ihn her. Es war der letzte Ballwechsel beim 6:1-, 7:5- und 7:5-Erfolg der deutsch/österreichischen Brüder im Geiste im Doppelfinale.

          „Ein Grand-Slam-Titel ist ein Grand-Slam-Titel“

          Dass sich der Linkshänder Melzer und der Rechtshänder Petzschner nicht nur auf dem Platz gut ergänzen, war schnell offensichtlich geworden, seit sie Anfang des Jahres beschlossen hatten, es als Doppel zusammen zu versuchen, wenn es der Termin der Einzelspieler zulasse. Denn beide wollen in erster Linie ihre Solokarriere vorantreiben, in der sie in diesem Jahr ihre erfolgreichste Saison spielen. Der 29 Jahre Melzer erreichte bei den French Open erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers und kletterte in der Rangliste unter die besten zwanzig Spieler der Welt, und der 26-jährige Petzschner hat schon mehr Punkte gewonnen als im gesamten vergangenen Jahr.

          Von Platz 41 aus in Wimbledon gestartet, wird er die bislang beste Einzelplazierung (Rang 35 im September 2009) seiner Karriere bald übertreffen. „Aber das hier“, sagten beide, sei der absolute Höhepunkt ihrer Laufbahn. „Ein Grand-Slam-Titel ist ein Grand-Slam-Titel, das kann man drehen und wenden wie man will“, lieferte Melzer die Vorlage, die Petzschner veredelte: „Es gibt nichts Schöneres, als ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, und dann auch noch dieses.“

          Petzschner: „Das macht mich irrsinnig stolz“

          Der letzte Deutsche, der im Wimbledon-Doppelturnier triumphiert hatte, war 1992 Michael Stich in der aufsehenerregenden Kombination mit John McEnroe - es war gleichzeitig der einzige deutsche Doppelerfolg auf Grand-Slam-Ebene seit Beginn der Profizeit im Jahre 1968. „Das macht mich irrsinnig stolz“, sagte Petzschner, und den Moment galt es auch festzuhalten. Er ließ sich zwei Endspielbälle reichen, küsste einen und reichte ihn zur Freude der über diese Geste begeisterten Zuschauer an den Partner.

          In einem war der Österreicher seinem deutschen Freund am Samstag weit voraus - er bekam während des Finales Zeichen von der Verlobten, dass Deutschland gegen Argentinien gewonnen hatte. Petzschner wollte davon während des Spiels nichts wissen, dafür bekam er die gute Nachricht quasi von höchster Stelle. „Great day for you Germans after your victory against Argentina“, sagte ihm der Herzog von Kent, als er Petzschner den Siegerpokal überreichte. Indeed, your Highness.

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