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Wimbledon : Lisicki und Kerber chancenlos

  • -Aktualisiert am

Schnelles Ende: Sabine Lisicki ist wie Angelique Kerber im Viertelfinale chancenlos Bild: AFP

Angelique Kerber und Sabine Lisicki verlieren fast gleichzeitig – und verabschieden sich auch mit der gleichen Einstellung: Wimbledon war trotzdem irgendwie gut.

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          Es gibt Tage, an denen hat Barbara Rittner ein ganz schönes Problem. Angesichts der Erfolge ihrer deutschen Tennisdamen steht die Bundestrainerin immer mal wieder vor einer kniffligen Entscheidung wie in Wimbledon. Wohin soll sie sich wenden, wenn zwei ihrer „Mädels“ gleichzeitig spielen: Nach rechts zum Centre Court, wo Sabine Lisicki aufschlägt? Nach links zum Court 1, wo Angelique Kerber ihr Bestes gibt?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Mittwoch zur Mittagszeit, als ihre beiden laut Weltrangliste besten Spielerinnen auf dem Londoner Rasen um den Halbfinaleinzug kämpften, entschied sich Rittner für Kerber. Eine nachvollziehbare Entscheidung, schließlich ist die Kielerin die am besten plazierte Deutsche und auch die Spitzenkraft im Fed-Cup-Team. Was die Bundestrainerin allerdings sah, war wenig erbaulich: Angelique Kerber verlor ihr Match gegen die junge Kanadierin Eugenie Bouchard 3:6 und 4:6.

          Hätte sich Rittner für die andere Variante entschieden und stattdessen bei Sabine Lisicki zugeschaut, wäre das Missvergnügen noch um eine Viertelstunde kürzer ausgefallen: Die Finalteilnehmerin des vergangenen Jahres unterlag der Rumänin Simona Halep in gerade einmal 57 Minuten 4:6 und 0:6. Doppelt geplatzt war somit die Hoffnung vom dritten Wimbledon-Halbfinale einer Deutschen nacheinander, aus war der Traum vom ersten direkten Duell zweier Landsfrauen in der Vorschlussrunde seit 1993.

          Stattdessen machen die French-Open-Finalistin Halep und Bouchard, die es auch beim dritten Grand-Slam-Turnier dieses Jahres unter die letzten vier geschafft hat, den Finaleinzug unter sich aus. Über die zweite Endspielteilnehmerin wird ebenfalls an diesem Donnerstag im tschechischen Duell zwischen Petra Kvitova und Lucie Safarova entschieden. Die beiden Deutschen, die in den vergangenen beiden Jahren für Furore gesorgt hatten auf dem Londoner Rasen, starteten und scheiterten nicht nur fast gleichzeitig, sie verabschiedeten sich auch mit der gleichen Einstellung: Wimbledon war irgendwie gut, so oder so.

          „Ich fliege selbstbewusst nach Hause, weil ich weiß, dass ich da oben hingehöre“, sagte Angelique Kerber, die ihr zweites Halbfinale nach 2012 verpasste. Die Weltranglistenneunte kann sich ihres Platzes im Damentennis sicher sein, wie sie bei ihrem famosen Dreisatzsieg gegen Maria Scharapowa bewiesen hat. Dass ihr tags darauf die Kraft fehlte, um auch die nächste schlagfertige Konkurrentin in die Schranken zu weisen, hatte sie schon morgens nach dem Aufstehen befürchtet. „Es gab nicht viele Stellen, die nicht weh taten“, sagte die Sechsundzwanzigjährige: „Mir fehlte die Erholungszeit.“

          Deutschlands Schrecken: Eugenie Bouchard

          Sabine Lisicki kam am Mittwoch zwar vorübergehend ihr typisches Wimbledon-Lächeln abhanden, sie tröstete sich jedoch damit, erstmals seit einem Jahr voller Krankheiten, Verletzungen und anderer Ablenkungen wieder vier Matches nacheinander gewonnen zu haben. „Ich habe es geschafft, das Momentum wieder auf meine Seite zu bringen“, behauptete die Vierundzwanzigjährige. In der Weltrangliste wird sich dieser gefühlte Fortschritt nicht positiv bemerkbar machen – im Gegenteil: Weil die 19. der Weltrangliste den überwiegenden Teil jener 1400 Punkte verliert, die sie für die Finalteilnahme im vergangenen Jahr erhalten hat, wird sie am kommenden Montag aus den Top 20 fallen.

          Von Platz 19 rutscht die Berlinerin auf Position 32 – einen Rang, der gerade noch reichen würde, um bei den US Open im kommenden Monat gesetzt zu sein. Die guten Ansätze, die sie in Wimbledon zeigte, wolle sie nun mitnehmen auf die amerikanische Hartplatzserie, sagte Sabine Lisicki. Zwar liegt ihre bisherige Erfolgsquote bei Matches außerhalb Wimbledons deutlich niedriger als bei Turnieren im Rest der Welt. Gleichwohl traue sie sich zu, auf Hardcourts besser spielen zu können als bislang. Zunächst ginge es darum, „Selbstvertrauen in den Körper und mein Spiel zu bekommen.“

          Interessierte Beobachter: William & Kate

          Womöglich wäre es um Sabine Lisickis Verletzungsanfälligkeit und Formschwankung besser bestellt gewesen, wenn sie weiter auf Wim Fissette gehört hätte. Doch sie trennte sich von dem Trainer, der sie voriges Jahr ins Wimbledon-Finale geführt hatte, wegen „unterschiedlicher Auffassungen“. Der Belgier, der immer auf Fitness pochte, sich aber auch stets mit Lisickis Vater Richard auseinandersetzen musste, fand schnell einen neuen Job: Fissette trug seinen Teil dazu bei, dass Simona Halep aus dem Niemandsland des Profizirkus bis auf Platz drei der Weltrangliste vorgerückt ist. Die Deutsche bekam das schnell zu spüren.

          Nach gutem Start und einer 4:1-Führung gab es kein Halten mehr – sie verlor elf Spiele in Serie gegen die Rumänin, die fehlende Wucht mit viel Spielintelligenz wettmacht. Neidlos musste Lisicki nach ihrer Niederlage anerkennen, dass Halep „eine der besten Spielerinnen auf der Tour“ sei. Ob Fissettes Einfluss beim Aufeinandertreffen in Wimbledon entscheidend war? „Simona ist eine ganz andere Spielerin“, wiegelte die Deutsche ab, die gerade wieder Trainer sucht.

          Verkrampfte Haltung: Sabine Lisicki chancenlos im Viertelfinale

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