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Wimbledon 2009 : Hoffnung für Briten und ein Schock für Buchmacher

Hoffnungsträger aller britischen Zuschauer: Andy Murray ist der Lokalmatador in Wimbledon Bild: REUTERS

Die Absage von Rafael Nadal nährt die britische Sehnsucht nach einem Heimsieg von Andy Murray in Wimbledon. Gelänge dieser, könnte das für die Wettbüros teuer werden. Dabei gehen andere Schlagzeilen vor Start am Montag fast unter.

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          Natürlich hatten viele mit dieser Nachricht gerechnet, denn dass Rafael Nadal mehr als nur ein paar kleine Wehwehchen am Knie behindern, weiß die Branche schließlich schon längst. Dass er irgendwann den Preis für seine kraftraubende Spielweise würde bezahlen müssen, hatten dem Spanier deshalb schon so viele so oft prophezeit, dass es der Weltranglistenerste aus Mallorca schon nicht mehr hören konnte (siehe auch: Tennis in Wimbledon: Titelverteidiger Nadal sagt Teilnahme ab).

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Ich bin immer noch da“, sagte er dann stets trotzig, aber nun ist er erst einmal weg. Der Titelverteidiger tritt in Wimbledon gar nicht erst an, und das hatte es beim prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt erst einmal gegeben, seit Tennis professionell wurde. 2002 kam der damalige Vorjahressieger Goran Ivanisevic zwar noch einmal zurück auf den Centre Court, aber nur, um sich dem Publikum zu zeigen. Der Kroate hatte seine Karriere nach dem größten Triumph seiner Karriere beendet.

          Und Rafael Nadal? Niemand wagt eine Prognose, wann er wieder zurückkehren wird auf die endlose Hatz um die ganze Welt. Sehnenentzündungen und Flüssigkeit in beiden Knien. Die Diagnose klingt nicht so spektakulär, lässt aber eine ganze Menge Spekulationen zu. Sein Arbeitspensum sollte der Spanier künftig vermutlich drosseln, denn fleißiger als Nadal war niemand in den vergangenen Jahren. 387 Einzel hat er in den vergangenen viereinhalb Jahren absolviert, und seine 49 Einsätze in dieser Saison werden auch nur vom Serben Novak Djokovic noch übertroffen.

          Die schwierigste Entscheidung seines Lebens: Rafael Nadal verzichtet auf Wimbledon 2009
          Die schwierigste Entscheidung seines Lebens: Rafael Nadal verzichtet auf Wimbledon 2009 : Bild: Reuters

          Rafael Nadal: „Es ist nichts Chronisches mit den Knien“

          „Ich habe oft am Limit gespielt“, sagte Nadal und meinte das Ignorieren von Schmerzen, „aber diesmal habe ich das Limit erreicht. Nicht in Wimbledon zu spielen ist eine der härtesten Entscheidungen meiner Karriere.“ Die dauert allerdings noch gar nicht so lange. Nadal ist erst 23 Jahre alt, aber er hat trotzdem schon sechs Grand-Slam-Titel gewonnen.

          Nur ein Sieg bei den US Open fehlt ihm noch für den Karriere-Grand-Slam, dem Triumph bei allen vier großen Turnieren in Melbourne, Paris, London und New York. Das soll noch kommen, denn „es ist nichts Chronisches mit den Knien“, sagte Nadal, bevor er sich aus Wimbledon verabschiedete, aber die Zweifel bleiben. Wegen Kniebeschwerden hatte er im vergangenen Jahr schon das Davis-Cup-Finale und den Masters Cup verpasst, ehe er dann im Januar triumphal zurückkehrte und die Australian Open gewann.

          Nadals Absage ist für seine Fans die schlechtestmögliche Nachricht, aber sie könnte ein richtiger Schock für die Buchmacher in London werden. Denn die Chancen des Schotten Andy Murray, der bei einem normalen Lauf der Dinge im Halbfinale auf Nadal getroffen wäre, haben sich durch dessen Abreise gewiss nicht verschlechtert. Murray ist in blendender Form, er hat gerade das traditionelle Vorbereitungsturnier im Queen’s Club gewonnen, als erster Brite seit dem Erfolg von Bunny Austin im Jahr 1938. Es war auch das Jahr, in dem Austin als letzter Brite das Finale in Wimbledon erreichte, und noch zwei Jahre länger liegt der letzte Sieg eines Briten durch Fred Perry zurück.

          Andy Murray und Roger Federer könnten Geschichte schreiben

          Traditionell rechnen die Engländer vor Wimbledon immer die Siegchancen eines ihrer Landsleute hoch, was man nicht immer ernst nehmen muss. Jahrelang hielt Tim Henman so die britischen Hoffnungen an der Church Road hoch. Diesmal aber gibt es einen großen Unterschied: Bei Henman hofften die Engländer, an Murray glauben sie. Im Fall der Fälle wäre das ein Desaster für die Buchmacher.Der erwartete Verlust für die Wettanbieter auf der Insel soll sich bei einem Sieg von Murray auf umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro belaufen.

          Der Weltranglistendritte aus Schottland also könnte Geschichte schreiben in diesem Jahr, aber für einen anderen Protagonisten gilt das erst recht: Roger Federer. Der Schweizer hat zuletzt sechsmal hintereinander das Finale in Wimbledon erreicht. Fünf davon hat er gewonnen und nur im vergangenen Jahr verloren in einer 4:48 Stunden langen Partie gegen Rafael Nadal, die in der Geschichte dieses an spektakulären Begegnungen ganz gewiss nicht armen Turniers als das beste Spiel überhaupt eingegangen ist. Sehr traurig sei er über die Absage von Nadal, behauptet Federer. Das darf man ihm sogar glauben, auch wenn ihm das Fehlen des größten Rivalen die große Chance ermöglicht, eine weitere Bestmarke in den Rekordbüchern zu verankern (siehe auch: FAZ.NET-Sonderseite: Wimbledon 2009).

          Auch die erst 15 Jahre alten Engländerin Laura Robson wird spielen

          Gewänne der Topfavorit, wäre er mit dann 15 Grand-Slam-Titeln alleiniger Halter des Rekordes, den er sich bislang noch mit dem Amerikaner Pete Sampras teilen muss. Nebenbei aber wäre Federer auch wieder an die Spitze der Weltrangliste zurückgekehrt, nachdem ihn Nadal dort am 18. August des vergangenen Jahres während der Olympischen Spiele in Peking nach 237 Wochen Regentschaft verdrängt hatte.

          All das steht vor dem ersten Aufschlag an diesem Montag im Mittelpunkt und hat die Schlagzeilen über einiges andere verdrängt. Etwa über das neue Dach über dem Centre Court, das in der ersten Woche wohl kaum benötigt wird, weil der Sommer in London Einzug hält und die Regenwahrscheinlichkeit unter zehn Prozent liegt (siehe auch: Nicolas Kiefer: „Der Zirkus in den Kabinen raubt viel Energie“). Oder die Tatsache, dass mit der letztjährigen Juniorensiegerin und erst 15 Jahre alten Engländerin Laura Robson die jüngste Spielerin seit 1995 aufschlagen wird – damals hatte Martina Hingis ihr Debüt gegeben. Nur wenig wird allerdings über die vermeintliche Siegerin spekuliert. Eine der beiden Williams-Schwestern wird es schon machen, denn in acht der letzten neun Endspiele stand mindestens eine – und siebenmal wurde danach der Name Williams auf den Pokal eingraviert.

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