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Eine WM der Bestmarken : Wie lange hält der Darts-Boom?

  • -Aktualisiert am

Große Show: Der Weltmeister mit Trophäe und Walk-on-Girls Bild: AFP

Als TV-Sport boomt Darts in Deutschland dank guter Vermarktung. Auf Kneipen und Vereine wirkt sich der Aufschwung nicht aus. Ist das ein Hinweis auf den bevorstehenden Sinkflug?

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          Der Reigen der Rekorde setzte sich sogar noch nach der WM fort. Nachdem die besten Darts-Spieler der Welt während des Turniers neue Rekordprämien untereinander aufgeteilt, die Zahl der perfekten Aufnahmen mit jeweils 180 Punkten aus drei Würfen erstmals bei einer WM über die Marke von 700 getrieben hatten und Weltmeister Michael van Gerwen zuvor unerreichte Durchschnittswerte geworfen hatte, folgte am Dienstag auch noch die Mitteilung des in Deutschland übertragenden Fernsehsenders Sport 1: Im Schnitt verfolgten nach Angaben der Medienforscher 1,48 Millionen Zuschauer am späten Montagabend van Gerwens 7:3-Erfolg. In der Spitze schalteten in Deutschland 1,95 Millionen Zuschauer beim Finale zu – beide Werte sind Rekorde für eine Übertragung vom Pfeilewerfen.

          Das Wetteifern im Herunterspielen von 501 Punkten mittels möglichst präziser Würfe aus 2,37 Metern Entfernung auf winzig kleine Felder zieht seit Jahren eine stetig steigende Zahl an Deutschen in den Bann. Die Vermarktungsmaschine des Briten Barry Hearn, der als Chef des mächtigeren von zwei internationalen Dartsverbänden für die Organisation der Turniere verantwortlich ist, ermöglicht den Boom.

          Die Monotonie des Spiels, bei dem in ewiger Wiederkehr die Pfeile in der Regel im oder knapp neben dem Dreifach-20-Feld landen, tut dem bislang keinen Abbruch. Auch die Tatsache, dass mangels Top-Spielern aus dem Rest der Welt faktisch nur Niederländer und Briten um den Titel wetteifern und derzeit eigentlich immer Michael van Gerwen gewinnt, schadet dem Aufschwung nicht.

          Kein Boom an der Scheibe

          So fehlt auch der deutsche Top-Spieler nicht, um die hiesigen Fans bei Laune zu halten, die derweil ihren Helden lediglich nachreisen statt nachzueifern: Weder in deutschen Kneipen noch in den weiter bei rund 10.000 Mitgliedern stagnierenden deutschen Darts-Vereinen ist ein Boom ausgebrochen, während WM-Reisen aus Deutschland in den Londoner Norden zwischen den Jahren immer zahlreicher werden. Tausende Darts-Touristen sorgten gar dafür, dass in der bierseligen Festzeltatmosphäre des Alexandra Palace Sprechchöre nun auch in deutscher Sprache vernehmbar waren.

          Noch birgt die Faszination des Banalen Steigerungspotenzial – es wird sich weisen, wie lange. Auch die Pfeile der besten Spieler wechseln nach dem Scheitelpunkt ihrer Flugbahn vor dem Eindringen in die Sisalfasern der Dart-Scheibe schließlich in den Sinkflug.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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