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Englands Rugby-Trainer Jones : Magier, Clown, Wüterich

  • -Aktualisiert am

Englands Rugby-Nationaltrainer Eddie Jones vor dem Spiel seiner Mannschaft gegen Argentinien bei der Rugby-WM in Japan Bild: AFP

Der englische Rugby-Nationaltrainer Eddie Jones hat eine besondere Vita und einen speziellen Ruf. Die Erwartungen an den Australier sind groß – und im Viertelfinale warten nun ausgerechnet seine Landsleute.

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          Wenn in Japan dieser Tage von Eddie-San die Rede ist, dann wird immer wieder eine Geschichte herausgeholt, die illustrieren soll, wie der aktuelle Coach der englischen Rugby-Nationalmannschaft eigentlich tickt. Im Juni des vergangenen Jahres hatte der 59-jährige Australier eine Trainingseinheit mit japanischen Highschool-Schülern geleitet. Nachdem er den Spielern 15 Minuten lang zugesehen hatte, rief er die Truppe zusammen und sagte: „Ihr seht alle so aus, als ob ihr glücklicher wärt, mit eurem Handy Videogames zu spielen. Doch Rugby spielen heißt, miteinander zu kommunizieren. Es war eure Entscheidung, heute hier zu trainieren. Und ihr müsst euch nun jetzt entscheiden, was ihr tun wollt.“ Danach soll es auf dem Trainingsplatz bis zum Schluss eine für japanische Verhältnisse außergewöhnlich lautstarke und energetische Kommunikation gegeben haben.

          Am Wochenende nun wartet auf Jones eine Aufgabe ganz anderen Kalibers. In Oita geht es gegen die Wallabies aus Australien: Viertelfinale der Rugby-Weltmeisterschaft (um 9.00 Uhr live auf Prosieben Maxx und im Livestream auf ran.de). Die Vorzeichen stehen gut, immerhin konnte der Australier mit seinem englischen Team alle sechs vorhergehenden Testspiele gegen die Landsleute gewinnen. Eine Niederlage gilt sowohl für den ehrgeizigen Jones als auch für den englischen Rugby-Verband als inakzeptabel. Denn auf der Insel wird in diesem Jahr nichts weniger als der Titel erwartet.

          „Unter ihm zu spielen war extrem“

          Genau dafür war Jones geholt worden – seine Ankunft am 1. Dezember 2015 war von einigem Getöse begleitet. Die Medien fragten sich, ob sie es mit einem Magier oder einem Maniac zu tun bekämen. Zahlreiche Geschichten beschrieben Jones’ aggressiven Trainingsstil – und Spieler, die sich von Canberra bis Tokio unter Tischen versteckt und geweint hätten, nachdem der lediglich 1,60 Meter große Coach sie lautstark zusammengestaucht hatte.

          Ben Darwin, der unter Jones als Trainer mit Australien 2003 das WM-Finale erreicht hatte, erinnerte sich beispielsweise, wie sein Chef immer wieder provokant gecoacht habe. „Es war eigentlich die ganze Zeit grenzwertig, aber er hat aus uns allen bessere Spieler gemacht und am Ende immer großartige Ergebnisse geliefert.“ Und Toshiaki Hirose, unter Jones Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, sagte erst kürzlich: „Unter ihm zu spielen war extrem. Ich glaube nicht, dass ich das noch einmal machen würde. Aber er hat unserem Team eine Gewinner-Mentalität eingebaut. Nur deshalb konnten wir Südafrika bei der WM vor vier Jahren schlagen.“

          Als Chefcoach WM-Zweiter mit Australien 2003, als Assistenzcoach Weltmeister mit Südafrika im Jahr 2007 und als Trainer von Japan Mastermind des „Wunders von Brighton“ gegen Südafrika 2015 – eine Menge Meriten, mit denen Jones seinen Job in England antrat. Und er lieferte sofort. England gewann 2016 nicht nur den Six-Nations-Grand-Slam, sondern bis 2017 achtzehn Länderspiele in Folge. Doch darum ging es Jones nicht. Ziel ist der Weltmeistertitel. Und dafür musste jedes Detail stimmen. Inklusive einer Serie von Niederlagen, die das Team mental auf die Härten des Turniers vorbereiten sollte. Im vergangenen Jahr verlor England fünf Spiele im Folge, und die ungeduldigen englischen Medien erklärten ihren „Messias“ schnell zum Clown.

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