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Eishockey in Hannover : „Nach oben gibt es keine Grenze“

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Die gute alte Zeit? 2010 bejubeln Chris Herperger (links), Andre Reiß und Adam Mitchell (rechts) einen Treffer der damals erstklassigen Hannover Scorpions. (Archivbild) Bild: dpa

Im Jahr 2010 holten die Hannover Scorpions die Eishockey-Meisterschaft. Acht Jahre später heißt es für die Kufenkünstler: Oberliga statt Spitzenklasse. Doch der Verein hat eine Vision.

          Das Rahmenprogramm ist ein wenig geschmolzen. „Mehr als ein Club“ steht auf einem Transparent, das vor dem Spielbeginn hoch gehalten wird. Es gibt laute Musik, solide Lichteffekte, ein Maskottchen auf Kufen, mehr aber auch nicht. So mancher Liebhaber des modernen Eishockeys dürfte sich die Augen reiben, wenn er vor Ort miterlebt, was aus den Hannover Scorpions geworden ist. Der Verein aus dem beschaulichen Mellendorf, das 25 Kilometer nördlich von Hannover zur Gemeinde Wedemark zählt, war einst in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) aufgestiegen und 2010 sogar deutscher Meister. Acht Jahre später lockt er als Spitzenteam der Oberliga im Schnitt 1000 Besucher an. Die Atmosphäre ist familiär, der Sport drittklassig. Und doch hat der Verein genau damit seine Mitte und sein Glück wiedergefunden.

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          Worum genau geht es eigentlich noch, wenn die Scorpions in diesen Tagen auf Torejagd sind? „Eishockey ist für uns nicht mehr das Allerwichtigste, aber auch kein Hobby“, sagt Eric Haselbacher. Als Gastronom, Hallensprecher und Geschäftsführer setzt der 50 Jahre alte Autodidakt eine Familientradition fort. Anfang der neunziger Jahre hatte sein Vater die Regie beim damaligen ESC Wedemark übernommen. Ein paar Umbenennungen, Aufstiege und Kapriolen später kam der einstige Dorfverein 1996 in der DEL an.

          Die Scorpions waren auf ihrem Weg nach oben ein bestaunter und streitbarer Standort mitten in der norddeutschen Provinz. Mit ihrem zugigen Stadion, das maximal 3300 Zuschauer fasst, blieben sie der Ligenleitung sowie der etablierten Konkurrenz aus Mannheim, Köln oder Berlin lange Zeit ein Dorn im Auge. Dass es unter Cheftrainer Hans Zach am Ende trotzdem mit dem ganz großen Triumph klappte, sorgt bis heute für Genugtuung. Wenn die gegnerischen Fans immer noch den Schlachtruf „Kühe, Schweine, Wedemark“ anstimmen, macht das eher stolz als sauer.

          Sie waren 2001 vom Dorf mutig in die Stadt umgezogen und mussten später von Hannover aus kleinlaut zurückkehren. Der nach Jahren der Pionierarbeit gewollte Wandel vom Familienbetrieb zum Wirtschaftsunternehmen sorgte für zu großen Druck. Ein Investor übernahm den Verein, bekam finanzielle Probleme und verkaufte 2014 die DEL-Lizenz von Hannover nach Schwenningen. Auf den ersten Blick klingt dieses Schicksal der Scorpions wie der typische Absturz eines Klubs, der am großen Rad im bezahlten Sport drehen wollte und sich dabei ein Eigentor eingehandelt hat.

          Das stimmt aber nur bedingt. „Im Herzen sind die Scorpions immer noch eine schöne Sache“, sagt Haselbacher. So mancher Könner aus der nordamerikanischen Profiliga war seinem Lockruf gefolgt. Statt eines Kulturschocks ergab sich meistens ein Jetzt-erst-recht-Effekt. Das Gewinnen macht ihnen weiterhin großen Spaß. „Wir haben hier eine Vision. Und nach oben gibt es keine Grenze“, sagt Björn Bombis, einer der erfahrenen Stürmer im Team. Nach zwölf Siegen in den bisherigen 17 Saisonspielen wird in Mellendorf allmählich wieder größer gedacht. Der Weg bis in die DEL2 erscheint nicht unmöglich. Der Etat für die Mannschaft von rund 750.000 Euro müsste dafür erheblich aufgestockt werden. „Wir bewahren uns hier eine gewisse Lockerheit und wollen langsam wachsen“, sagt Haselbacher. Er versucht, die Spieler anzustacheln – und sich vom Lorbeer der Vergangenheit dennoch nicht treiben zu lassen.

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