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Red Sox gewinnen MLB-Finale : Wie Boston zum Baseball-Meister wurde

  • -Aktualisiert am

Trainer Alex Cora (links) und Nathan Eovaldi mit dem Pokal der World Series der amerikanischen Baseball-Liga MLB Bild: AFP

Trainer Alex Cora führt die Boston Red Sox in seinem ersten Jahr gleich zum Titel – und denkt an die Nöte seiner Heimat. In einem besonderen Moment verspricht er eine besondere Geste.

          Alex Cora stand in seinem Dugout und schaute gespannt auf den Wurfhügel hinüber. Dort brauchte sein Pitcher, Chris Sale, gegen Manny Machado noch ein Out. Als Sale schließlich warf und Machado den Ball nicht traf, riss Cora seinen Mund weit auf und die Arme jubelnd nach oben. Der Trainer der Boston Red Sox hatte es tatsächlich geschafft. Er hatte aus einem Team, das in den beiden Vorjahren jeweils sehr gut in der Vorrunde der Major League Baseball spielte, dann aber stets an der ersten Playoff-Hürde gescheitert war, einen Meister geformt. Und das in seinem ersten Jahr als Chef. „Was für eine Saison“, jubelte Cora.

          Und was für ein Coach. Boston gewann die World Series gegen die Los Angeles Dodgers mit 4:1-Siegen. Und zwar mit einer Mannschaft, die, wie Eigner John Henry betonte, „bis auf einige sinnvolle Verstärkungen dieselbe war wie in den Vorjahren.“ Was diplomatisch klang, heißt umgangssprachlich: Jose Alexander Cora, der 43 Jahre alte Trainer-Novize, hat in nur wenigen Monaten das geschafft, was Vorgänger John Farrell einfach nicht möglich war. Die Spieler so zu fördern und zu fordern, dass sie in den Playoffs im Oktober physisch und psychisch äußerst belastbar – und dennoch erfolgreich sind.

          „Wir haben an ihn und uns geglaubt“

          Cora schwärmte von „sehr talentierten Typen“, die „vom ersten Tag der Saisonvorbereitung an unser Ziel geglaubt und sehr professionell sowie konsequent gearbeitet“ hätten. „Alex hat uns von Beginn an gesagt, dass wir es schaffen können. Und wir haben an ihn und an uns geglaubt“, betonte Outfielder Mookie Betts. „Er kam und sagte, dass er uns vertraut, dass wir alles hätten und nur die richtige Mentalität bräuchten“, erinnerte sich Pitcher Craig Kimbrel an die erste Ansprache des Trainers.

          Cora ist ein Coach, der seinen Spielern viel Freiraum lässt. Er erwartet allerdings auch, dass sie Verantwortung für ihre Fehler übernehmen und die Scouting-Informationen zum Gegner eingehend studieren. Baseball ist ein Spiel, das von der Analyse Tausender Daten bestimmt wird. Wie verhält sich beispielsweise der Pitcher, wenn ihm ein Linkshänder am Schlag gegenübersteht und wie sind seine Chancen bei einem Rechtshänder? Bevorzugt der Werfer hart geworfene Bälle oder gibt er ihnen einen raffinierten Drall mit, so dass sie sich zur Seite drehen oder gar vor dem Schläger unerreichbar nach unten sacken?

          Die Freude war groß bei den Spielern: Boston ist amerikanischer Baseball-Meister.

          Cora hört natürlich auf seine Analytiker im Team, vertraut aber eben auch seinen eigenen Instinkten. Denn mitunter sind Augen und Bauchgefühl in entscheidenden Spielsituationen doch aussagekräftiger als eine Datenbank. Und so hatte er sich in der World Series einen deutlichen Vorteil gegenüber Dodgers-Trainer Dave Roberts verschafft. Der ließ in den beiden Partien in Boston seine vier Profis mit den meisten Homeruns zunächst auf der Bank, weil sie alle Linkshänder waren – und Boston mit Chris Sale und David Price zwei Linkshänder als Starting Pitcher aufbot. Bei einem solchen Duell werfen die Pitcher den Ball liebend gerne vom Schläger weg. Ist der Gegenüber hingegen Rechtshänder, kommt der Baseball ihnen entgegen und ist somit leichter zu treffen.

          Während Roberts zu unflexibel war, mischte Cora seine Schlagaufstellung und auch seine Werfer kräftig durch. Es hatte den Anschein, dass er gedanklich seinem Dodgers-Pendant immer ein, zwei Züge voraus war. Eine derartige Reife ist durchaus erstaunlich. Denn bis auf eine zweijährige Tätigkeit in seiner puerto-ricanischen Heimatstadt Caguas hatte er noch nie das alleinige Sagen gehabt.

          Seine erste MLB-Trainer-Station war im Vorjahr Houston. Bei den Astros arbeitete Cora als Assistenz-Coach – und wurde Meister. Als die Red Sox im Herbst 2017 einen neuen Trainer suchten, interviewten sie auch Cora. John Henry war umgehend von dessen Selbstbewusstsein beeindruckt. Vor der Einigung hatte Cora jedoch ein besonderes Anliegen: Hurrikan Maria hatte im September 2017 Puerto Rico stark beschädigt. Und so bat er die Red Sox-Bosse um eine Flugzeugladung Lebensmittel und anderer lebenswichtiger Utensilien. Zusammen mit Team-Präsident Sam Kennedy überbrachte er alles nach Caguas. In der Stunde seines größten Triumphes dachte Cora nun abermals an seine immer noch stark zerstörte Heimat. „Ich möchte die Meister-Trophäe gerne nach Puerto Rico bringen. Das wäre großartig.“ John Henry stand leicht versetzt hinter ihm, klatschte und nickte umgehend.

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