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Augsburger Panther : Belastbar und beseelt

  • -Aktualisiert am

28 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit entscheidet Augsburgs Drew LeBlanc (2. von rechts) das Heimspiel für die Panthers. Bild: dpa

Nach drei Spielen führen die Augsburger Panther in den DEL-Playoffs mit 2:1 gegen den Favoriten aus München. Dass das Team in dieser Saison über sich hinauswächst, folgt durchaus einem Plan.

          Die Augsburger Panther sind gut in Form. Ihre Anhänger auch. Sie hatten am Sonntag einen großen Auftritt in der Münchner Olympia-Eishalle, als sie sich einen Slogan zu eigen machten, um den sich in der bayerischen Landeshauptstadt die beiden großen Fußballvereine streiten. Die Augsburger schufen eine Eishockey-Version, die ihren Gegner, den EHC München, ins Herz traf. „Münchens wahre Liebe – AEV“, stimmten sie an. Sie waren die Frecheren in der Halle, die Lauteren und am Ende die Glücklicheren.

          In den Play-offs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) entwickelt sich gerade eine große Außenseiter-Geschichte. Die Augsburger Panther, traditionell AEV genannt, sind in der Halbfinalserie gegen den EHC München, den mit Millionenzuwendungen des Getränkekonzerns Red Bull subventionierten Meister der vergangenen drei Jahre, 2:1 in Führung gegangen. Vier Siege sind zum Weiterkommen nötig; das nächste Duell steigt an diesem Mittwoch (19.30 Uhr bei Telekom Eishockey) in Augsburg. Vor der Saison waren die Panther in den Experteneinschätzungen bestenfalls als Aspirant für die Plätze sieben bis zehn gehandelt worden, mit Platz drei, dem besten Hauptrunden-Abschneiden der Klubhistorie, überraschten sie bereits. Und wie es aussieht, war die 4:3 gewonnene Viertelfinalserie gegen die Düsseldorfer EG noch nicht der Höhepunkt des AEV-Jahres. Zwei der drei Spiele gegen den EHC München wurden in der dritten Verlängerung, nach einer Gesamtspielzeit von mehr als 100 Minuten entschieden. Einmal verlor der AEV, einmal gewann er. Dazwischen lag die Heimpartie, in der die Panther die Overtime umgingen, indem sie 26 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit den Treffer zum 4:3 erzielten. Durch ihren amerikanischen Stürmerstar Drew LeBlanc, einen studierten Mathematiker.

          Vieles am Augsburger Erfolg ist Mathematik. Trainer Mike Stewart machte seine Mannschaft einige Zentimeter größer und ein paar Kilogramm schwerer, weil er fand, im Vorjahr habe man sich körperlich nicht behaupten können (was zu Platz zwölf führte). Die Neuzugänge mussten also aus der 1,90-Meter-plus-Klasse sein. Zudem investierten die Panther in Wissenschaft. Sie engagierten ein Start-up-Unternehmen, gegründet von ehemaligen Studenten der Technischen Universität München. In Training und Spiel werden per Funk-Technologie die Daten jedes Spielers erfasst, sie sind Grundlagen für die Belastungssteuerung. Dafür erhielten die Panther einen Innovationspreis der Berufsgenossenschaft, die sich über einen deutlichen Rückgang an Augsburger Verletzungen freute. Das System hat sich der Verein einen hohen fünfstelligen Betrag kosten lassen – in etwa der Betrag, für den sie auch einen starken Spieler bekommen hätten.

          „Wir sind fit“, sagt Trainer Stewart und zitiert seinen Torhüter Olivier Roy, der am Sonntag 70 Münchner Schüsse abwehrte und nach 103 Minuten versicherte, „dass ich noch zwei Drittel hätte spielen können“. Die Augsburger sind belastbar und beseelt. Dafür steht Arvids Rekis, mit 40 Jahren ältester Spieler der DEL. Der Verteidiger wehrte am Sonntag einen Schlagschuss mit dem Kinn ab, ließ sich in der Kabine kurz nähen und kehrte aufs Eis zurück. Wichtig war ihm beim Eingriff des Arztes, dass der Play-off-Bart stehen bleibt. Das Siegtor für Augsburg erzielte Brady Lamb. Der Kanadier, im fünften Jahr bei den Panthern tätig und bereits für ein sechstes verpflichtet, steht für Identifikation wie kein anderer der Importspieler. Lamb hat sich das Wahrzeichen der Stadt, das Augsburger Rathaus, auf den Oberarm tätowieren lassen. Er hat im Eishockey seine wahre Liebe gefunden.

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