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Marathon-Organisator Schindler : „Meine Frau ist derzeit mein größter Sponsor“

  • -Aktualisiert am

Marathon-Organisator Jo Schindler im Jahr 2019 Bild: Francois Klein

Früh wurde der Frankfurter Marathon zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Mit viel gutem Willen haben die Organisatoren einen virtuellen Lauf auf die Beine gestellt. Wie das Rennen doch noch gerettet wurde.

          3 Min.

          Frankfurt Katharina Steinruck musste passen. Den virtuellen Frankfurt Marathon am vergangenen Sonntag hatte die 32 Jahre alte Olympiateilnehmerin zwar im Kalender eingetragen, den geplanten Start über zehn Kilometer verhinderte jedoch eine Lebensmittelvergiftung, die sich die Eintracht-Leichtathletin Anfang der Woche vom Urlaub auf Island mitgebracht hatte.

          Drei Kilo leichter geworden und noch sichtlich angeschlagen, betätigte die Dauer-Teilnehmerin des traditionsreichen Stadtereignisses nur die Startklappe für eine Gruppe von Marathon-Botschaftern, die sich am Morgen auf den Weg am Mainufer entlang machte. Dann zog sich die Spitzensportlerin zu einem kräftigenden Frühstück zurück. In knapp zwei Monaten, beim Silvesterlauf in Trier am 31. Dezember, will sie wieder topfit sein, um ihren Sieg von 2019 zu wiederholen.

          Für 2022 peilt die Ausdauerspezialistin einen Start bei den Heim-Europameisterschaften im August in München und nicht die Weltmeisterschaften einen Monat zuvor im amerikanischen Eugene an. Den Weg dorthin plant sie „ganz normal“, auch wenn in diesen Zeiten der Coronavirus-Pandemie weiterhin alles mit einem Gefühl der Unsicherheit verbunden ist.

          Die Welt lief vor der eigenen Haustür

          Im August hatte Corona dafür gesorgt, dass Renndirektor Jo Schindler den Frankfurter Herbst-Klassiker zum zweiten Mal hintereinander absagte und eine virtuelle Alternative anbot. 7346 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 77 Nationen, von Brasilien über Frankreich bis nach Singapur, beteiligten sich daran. 1469 absolvierten vor der eigenen Haustür einen kompletten Marathon, der Rest teilte sich auf Strecken von fünf, zehn oder 21,1 Kilometern auf. „Es ist toll zu sehen, dass wir auch in diesem Jahr die Laufgemeinschaft mit unserem Angebot weltweit bewegen konnten“, kommentierte Schindler.

          Die Gewinnerin des letzten richtigen Frankfurter Marathons: Katharina Steinruck jubelt über ihren Sieg im Jahr 2019.
          Die Gewinnerin des letzten richtigen Frankfurter Marathons: Katharina Steinruck jubelt über ihren Sieg im Jahr 2019. : Bild: Imago

          Für die nächste gewohnte Ausgabe, die am 30. Oktober 2022 über den Asphalt gehen soll, liegen bereits mehr als 750 Anmeldungen vor. Schindler schaut zuversichtlich in die Zukunft. Der medizinische Fortschritt, so der Geschäftsführer der Sportagentur „Motion Events“, sollte die Rückkehr zu Großveranstaltungen von der Dimension des Marathons, der mit seinem kompletten Programm regelmäßig mehr als 20.000 Läuferinnen und Läufer samt Anhang lockt, bald gewährleisten. Neben den schon vorhandenen Impfungen werde auch an Medikamenten geforscht, um den Covid-19-Erreger genauso gut in den Griff zu bekommen wie andere Krankheiten. Das Schlimmste, hofft Schindler, sei überwunden.

          An den Folgen der Pandemie werden die Organisatoren länger zu tragen haben. Schindler hatte 2020 einen höheren Kredit aufgenommen, der vom nächsten Jahr an abzuzahlen ist. „Das muss ich von Anfang an mit einplanen“, sagt er. „Ich weiß noch nicht, wie mein Budget dann aussieht.“ Die Sponsoren seien bislang zwar mit reduziertem Engagement treu geblieben, aber einige Verträge mit Unterstützern laufen aus. „Das Portfolio ist noch nicht komplett.“

          Läufer und Lebensretter

          Dass Schindler und sein Team über ein drohendes Aus herumgekommen sind, verdanken sie zu großen Teilen der Unterstützung der Läufer, von denen viele sich nach den Absagen mit Gutscheinen für den nächsten Start zufriedengaben, statt die Gebühren von 80 bis 100 Euro zurückzuverlangen. Etwa 1000 schlüpften in die Rollen der „Marathon-Retter“ und spendeten ihren Beitrag. Von der Politik gab es die Überbrückungshilfe III, die Agentur-Mitarbeiter befinden sich seit April in Kurzarbeit, und jeder Euro werde zweimal umgedreht. Schindler selbst nahm bei sich eine Gehaltskürzung vor. „Mein größter Sponsor ist derzeit meine Frau“, sagt er.

          Die Meldezahlen, glaubt der gut vernetzte Experte, könnten sich erst mal reduzieren, weil noch nicht jeder wieder bereit ist, sich in die Masse zu stürzen. Bei der Absage im Sommer hatten 7000 Sportler ihr Kommen angekündigt und damit weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr zuvor. Schindler selbst freut sich „über jedes Rennen, das stattfindet“. Von einer Normalität ist man weit entfernt. Die USA etwa erleichtert die Einreise für Geimpfte aus dem Ausland erst einen Tag nach dem New York Marathon am 7. November, was sich erheblich auf das Feld auswirken wird.

          Das Langstreckenrennen in Peking, das gleichzeitig zu Frankfurt geplant war, wurde wegen wieder steigender Infektionszahlen in der vergangenen Woche ebenso auf unbestimmte Zeit verschoben wie jenes in Wuhan. „Ich denke, am Jahresende werden nur zehn Prozent aller Rennen im Kalender gelaufen sein“, vermutet Schindler, der die eigene frühzeitige Absage nicht bereut. Ohne diese Voraussicht wären Verluste im niedrigen Millionenbereich entstanden, die man wohl nicht mehr hätte kompensieren können. „Die Zeit der Entscheidung“, sagt Schindler, „ist für mich die schlimmste gewesen.“

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