https://www.faz.net/-gtl-9p9dc

Schwimm-Star Adam Peaty : Ein Gladiator gegen Doping

  • -Aktualisiert am

Schlägt Wellen: Adam Peaty stellt sich nicht nur im Wasser jedem Gegner. Bild: AFP

Er liebt seinen Sport und ist ein Kämpfer: im Wasser und außerhalb. Dort kämpft Adam Peaty gegen die Missstände im Weltverband Fina. Und innerhalb schockt er bei der WM alle mit einem neuen Weltrekord.

          „Ich will Spaß haben, das Rennen genießen.“ Diesen nicht sonderlich aufregenden Satz sagt Adam Peaty in einem Video des britischen Schwimmverbands. Doch noch als man sich über diese Phrase ärgert, spezifiziert er, das Löwentattoo auf dem linken Arm zur Kamera positioniert, was er genießen wolle, nämlich „die Schmerzen auf den letzten 50 Metern“. Typisch Peaty.

          Adam George Peaty ist der Dominator auf den kurzen Bruststrecken. Auch bei dieser WM in Gwangju glaubt niemand ernsthaft an einen anderen Sieger über 50 und 100 Meter Brust, als den amtierenden Weltmeister, den Olympiasieger, den Weltrekordhalter. Über die olympischen 100 Meter, wo er am Samstag im Halbfinale seinen eigenen Weltrekord auf 55,88 Sekunden verbesserte, hat der Brite seit fünf Jahren kein Rennen mehr verloren. In jener Zeit haben er und Mel Marshall, eine der wenigen Trainerinnen auf diesem Niveau, das Brustschwimmen verändert. Sein Geheimnis? „Die alltägliche Unnachgiebigkeit, die Kontinuität in der Härte.“ Der Genuss der Schmerzen. Peaty liebt seinen Sport.

          Er liebt es, Rennen zu schwimmen. Das betont er wieder und wieder. Und er liebt den Kampf. Und das nicht nur im Becken. Wie nur wenige Sportstars nutzt Peaty seinen Status, um Missstände anzusprechen. Der 24-Jährige arbeitet sich vor allem am Weltverband Fina ab. Lascher Anti-Doping-Kampf, fehlende Anerkennung, verkrustete Vetternwirtschaft – im internationalen Schwimmsport war es schon immer so, dass die Dachorganisation auch die größten Problemfelder unter sich vereint.

          Peaty schwimmt an vorderster Front

          Wo andere Superstars sich auf ihr Sportlersein zurückziehen, vorgeblich, um die Konzentration auf den Wettkampf nicht zu gefährden, weicht der Gladiator, wie ihn seine Mutter einst nannte, keinem Gegner aus. Peaty steht an vorderster Front, wenn es gilt, einen Milliardär aus der Ukraine bei der Gründung der International Swimming League ISL, einer Art Champions League für Schwimmer, zu unterstützen, die den Athleten faire Bezahlung verspricht. Er spricht offen von Boykott der Saisonhöhepunkte, wenn die Führung der Fina den Sportlern nicht endlich den Respekt entgegenbringe, den sie verdienen.

          Wie die Macher der ISL vertritt Peaty auch beim Thema Doping eine Null-Toleranz-Ansicht: Wer einmal auffliegt, sollte lebenslang gesperrt werden. Dass die Fina bei der WM 2015 die Auszeichnung für den besten Athleten an Sun Yang verlieh, der ein Jahr zuvor des Dopings überführt wurde, war für den damals dreifachen Goldmedaillengewinner Peaty eine der „bittersten Erfahrungen“.

          Eine, die ihm dieser Tage abermals bitter aufstoßen sollte. Sun Yang, der als erster Schwimmer bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen alle Disziplinen von 200 bis 1500 Meter Freistil gewann, soll bei einer unangekündigten Kontrolle im September 2018 in China eine Blutprobe mit einem Hammer zerschlagen haben. Die Fina aber wollte den Lieblingsschwimmer von Generaldirektor Cornel Marculescu wieder einmal nur auf die langen Finger hauen.

          „Sieg für sauberen Sport“

          Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat Berufung gegen die Entscheidung eingelegt, Sun Yang nur zu verwarnen. Der dreimalige Olympiasieger steht somit vor einer lebenslangen Sperre, weil er bereits 2014 eine Art geheime dreimonatige Doping-Sperre abgesessen hat. Einzig: Die Anhörung vor dem Internationalen Sportschiedsgericht Cas ist erst im September. Weil weder Sun Yang noch die Fina noch die Wada ein beschleunigtes Verfahren beantragt haben. Sun Yang kann die Weltmeisterschaft in Korea mitnehmen. Am Samstag sicherte er sich den WM-Titel über 400 Meter Freistil.

          „Ich will nicht sehen, dass dieser Typ gegen meine Teamkollegen antritt, die extrem hart arbeiten, um hier zu sein“, sagt Peaty: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch kein anderer will.“ Und doch halten sich viele weiterhin mit solchen Aussagen zurück, erst recht bei einem Großereignis.

          2016 hatte der Australier Mack Horton erstmals eine Protestwelle inklusive öffentlich zur Schau gestellten Misstrauens ausgelöst, als er Sun Yang als Doping-Betrüger betitelte. Nur wenig später errang die Amerikanerin Lilly King ihren Sieg gegen die einst überführte Russin Julia Jefimowa als einen „Sieg für sauberen Sport“.

          Der Aufruhr hielt nicht lange an. Schon ein Jahr später blieb es bei der WM in Budapest weitgehend still um das Thema Doping. Seither sind es wieder nur wenige, die sich eine Meinung zum Fall Sun Yang oder zum Thema Doping überhaupt erlauben. „Wir konzentrieren uns auf den Fight im Wasser“, sagte auf Nachfrage etwa der deutsche Teamchef Bernd Berkhahn, dessen Schützling Florian Wellbrock über 800 Meter auf den Chinesen treffen könnte. „Wenn du dann vor so einem Sportler bist, umso schöner.“ Und wenn nicht?

          Peaty nimmt seine Kollegen in die Pflicht. „Wir brauchen mehr Athleten, um mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, damit diese Typen für immer aus dem Sport verschwinden“, sagte er dem britischen Telegraph. Bezogen auf eine nicht benannte Person, sagte er: „Nehmen wir an, diese Person X nimmt anabole Steroide, gewinnt Gold, vielleicht mit Weltrekord, und bekommt dafür eine sechsstellige Summe. Dann ist da der, der als Zweiter anschlägt. Der bekommt nichts. Das ist Betrug, und es sollte auch so verfolgt werden.“

          Weitere Themen

          Wachstum mit Gefahren

          FAZ Plus Artikel: Rugby-WM : Wachstum mit Gefahren

          Rugby treibt seine Entwicklung voran – und will mit der Weltmeisterschaft in Japan neue Märkte erobern. Auch das Spiel hat sich verändert. Die Aktiven sollen nun besser geschützt werden.

          Zverev als Matchwinner für Europa

          Laver-Cup : Zverev als Matchwinner für Europa

          Zverev bedankt sich bei Nadal und Federer für das Vertrauen, ihn als letzten Einzelspieler beim Laver-Cup für Europa gegen den Rest der Welt aufzustellen. „Das war ein unglaubliches Wochenende.“

          Topmeldungen

           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Sanierung gescheitert : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutsche Urlauber. Condor-Maschinen sollen zunächst weiter fliegen.

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.