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Olympia 1972 in München : Revolutionär im Boxring, Koteletten auf dem Rasen

Teófilo Stevenson (nicht im Bild) hat den Deutschen Peter Hussing ausgeknockt. Bild: picture-alliance / dpa

Bei Olympia in München beginnt die Dominanz kubanischer Amateurboxer, deren Grundlage mit dem Import moderner Trainingslehre aus der DDR geschaffen wurde. Im Fußball kommt es zum innerdeutschen Duell.

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          Das Olympiateam des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in der Endrunde des Fußballturniers noch sieglos, muss das innerdeutsche Duell gegen die DDR gewinnen, um die letzte Medaillenchance zu wahren. Vor 80.000 Zuschauern im Olympiastadion gelingt zweimal der Ausgleich, erst durch einen eleganten Heber per Scherenschlag von Uli Hoeneß (mit blonder Lockenpracht), dann durch einen wuchtigen Kopfball von Ottmar Hitzfeld (mit üppigen Koteletten).

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Doch das späte 3:2 durch Eberhard Vogel beendet die Hoffnungen der Westdeutschen und bringt die Ostdeutschen ins Spiel um Platz drei – wo sie sich zwei Tage später mit den sozialistischen Brüdern aus der Sowjetunion auf einen Nichtangriffspakt in der Verlängerung einigen werden.

          Weil es noch kein Elfmeterschießen gibt, wird ein Spiel ohne Sieger zum Win-win-Szenario, auch wenn diesen Begriff damals noch niemand kennt. Beide Teams, UdSSR und DDR, erhalten Bronzemedaillen.

          Im Boxen sind solche Tricks nicht nötig, dort werden beide Halbfinalverlierer seit jeher ohne weiteren Schlagabtausch auf den geteilten dritten Platz gesetzt. So hat auch Peter Hussing, Maurer aus dem Westerwald, Bronze bereits sicher, als er sich dem 20-jährigen Teófilo Stevenson stellen muss, einem solch überragenden Schwergewichtskämpfer, dass später versucht wird, ihn zu einem Kampf gegen Muhammad Ali zu bewegen.

          Mit üppigen Koteletten gegen die DDR: Ottmar Hitzfeld (links, daneben Bernd Bransch)
          Mit üppigen Koteletten gegen die DDR: Ottmar Hitzfeld (links, daneben Bernd Bransch) : Bild: picture-alliance / dpa

          Doch Stevenson, Vorzeigeathlet Fidel Castros und glühender Anhänger der kubanischen Revolution, zeigt sich eisern in seiner Ablehnung des kapitalistischen Preisboxens: „Was ist eine Million Dollar gegen acht Millionen Kubaner, die mich lieben?“ Er bleibt Amateur und wird dreimal Olympiasieger im Schwergewicht.

          In Runde eins kann Hussing ein paar Leberhaken setzen, in Runde zwei bleibt er nur zwei Sekunden auf den Beinen bis zum ersten Niederschlag. Nach dem dritten nimmt der Ringrichter den blutüberströmten Deutschen aus dem Kampf.

          Stevenson hat damit Gold schon sicher, denn sein Finalgegner, der Rumäne Ion Alexe, zieht es vor, seine Silbermedaille kampflos abzuholen. In München beginnt die Dominanz kubanischer Amateurboxer, deren Grundlage der Trainer Kurt Rosentritt in den 60er-Jahren mit dem Import moderner Trainingslehre aus der DDR schuf. Den drei Olympiasiegen von 1972 folgen bis heute 38 weitere.

          Auch im Zehnkampf stoßen die Deutschen an ihre Grenzen, und das grenzüberschreitend. Die drei westdeutschen Teilnehmer haben schon am ersten Wettkampftag aufgegeben, zu Beginn des zweiten erwischt es auch den Führenden, Joachim Kirst aus der DDR, der über 110 Meter Hürden stürzt.

          Überlegener Olympiasieger, mit Weltrekord, wird der aus Odessa stammende Sowjet-Athlet Mykola Awilow. Im Mai 2022 entkommt er dem Krieg aus seiner ukrainischen Heimat nach Dortmund, wohin sein Sohn mit Frau und vier Kindern schon zuvor geflohen ist.

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