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Weltrekord-Surfen in Nazaré : Mit dem Notarzt in den Wintersturm

Sebastian Steudtner : Ein Ritt auf der Monsterwelle

Steudtner startete ein Projekt und schrieb eine Rundmail: „Ich werde ab diesem Winter die größten Wellen der Welt im portugiesischen Nazaré jagen, mit dem Ziel, den Weltrekord nach Deutschland zu holen.“ Der kreative Teil der Idee: Wer Steudtner mit mindestens 50 Euro unterstützte, dessen Namen ließ er auf sein Brett drucken: „Symbolisch surfen wir die größte Welle der Welt gemeinsam.“ Wenige Wochen später hatte er 37.000 Euro zusammen, kaufte sich zwei Jetskis, fuhr nach Portugal und wartete auf die Winterstürme.

Vor wenigen Tagen war es dann so weit. Orkantief „Alexandra“ tobte über dem Atlantik, für Donnerstag waren in Portugal die bisher größten Wellen des Jahres angekündigt. Axel Haber packte seinen Koffer und stieg ins Flugzeug, am Mittwochabend kam er in Nazaré an. Als Erstes fuhr er zur lokalen Feuerwehrstelle.

„Das macht man bei der Marine auch, wenn man vor einem Hafen liegt. Man stellt sich vor und schaut, was für eine Sanitätsausrüstung vorhanden ist.“ Danach traf sich der Arzt mit den Surfern zu einem Sicherheitsmeeting. Am Donnerstag war Haber per Funk sowohl mit Steudtners Jetskifahrer als auch mit Kameramann Jorge Leal verbunden, der als „Spotter“ von den Klippen aus das Wasser beobachtete. Haber selbst stand am Strand: „Den Arzt stellt man nicht an die vorderste Front.“

Ein neuer Weltrekord?

Ein paar Stunden vorher war Haber im Mondlicht mit den Surfern auf die Klippen gefahren, die Sonne ging auf, die Anspannung stieg. „Die Bedingungen waren bilderbuchmäßig“, sagt Haber. Bevor die Surfer ins Wasser gingen, wurden alle Reporter, Kameramänner und Zuschauer weggeschickt. Ein letztes Gespräch. „Das war ein sehr extremer Moment“, sagt Haber. Die brasilianischen Surfer fingen an zu beten, Steudtner und Haber schauten sich in die Augen: „Wir sehen uns später im Hafen.“

Dann raste Steudtner mit dem Jetski los. „Die Wellen waren gigantisch“, sagt er. „Die größten meines Lebens.“ Während der Nürnberger eine Welle nach der anderen ritt, bekamen andere Surfer Probleme. Ein Portugiese wurde auf die Felsen gespült, sein Bein riss auf, ein Chilene verletzte sich im Gesicht, drei Jetskis wurden an den Strand gespült. McNamara rettete auf dem Jetski in letzter Sekunde einen Wellenreiter, der von den riesigen Brechern auf die Felsen gedrückt wurde. Seine Frau stand auf den Klippen, sie hatte den Surfer in Not entdeckt und ihrem Mann per Funk Bescheid gegeben. „Sonst wäre es knapp geworden“, sagt Haber. Nicht alle Surfteams hatten Funkgeräte im Wasser. „Der Tag hat gezeigt, dass man Nazaré nur mit dem System surfen kann, das ich und McNamara aufgebaut haben“, sagt Steudtner.

Und der Weltrekord? „Ich glaube, dass ich die größten Wellen des Tages gesurft bin“, sagt Steudtner. Die Ergebnisse der offiziellen Messung werden im April bei der Verleihung des „XXL Awards“ in Los Angeles bekanntgegeben. Kameramann Leal ist sich schon jetzt sicher: „Das waren die größten Wellen, die ich in Nazaré jemals gesehen habe.“ 2011 hatte er die Rekordwelle von McNamara gefilmt. Sebastian Steudtner könnte es also geschafft haben.

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