https://www.faz.net/-gtl-8kucr

Jahrhundertspringer Beamon : Mister 8 Meter 90 wird 70

  • Aktualisiert am

Bis ans Ende der Sandgrube: Bob Beamon 1968 Bild: Picture-Alliance

Sein Weitsprung ans Ende der Sandgrube verblüfft 1968 die Leichtathletik-Welt. Der „Jahrhundert-Weltrekord“ hält zwar nur 23 Jahre, sichert ihm aber ewigen Ruhm. An diesem Montag wird Bob Beamon 70.

          „8.90“ - Nur drei Ziffern und einen Punkt muss der berühmteste Weitspringer der Welt aufs Papier kritzeln, um Autogrammjäger glücklich zu machen. Seinen Namen „Bob Beamon“ schreibt er gar nicht mehr drunter. Diesen Mann kennt ja jeder, der sich mit Leichtathletik beschäftigt - und seine irre Geschichte auch: Mexiko-City, 18. Oktober 1968, 15.40 Uhr Ortszeit: 19 Schritte Anlauf in sechs Sekunden, der Fuß trifft den Balken haargenau. Wie vom Katapult beschleunigt, schnellt der schlanke Modellathlet durch die Luft. Er rudert mit Armen und Beinen und landet ganz am Ende der Sandgrube: 8,90 Meter!

          Mit seinem unglaublichen Weitsprung-Weltrekord im olympischen Finale 1968 stößt Beamon die Tür zum neuen Jahrtausend weit auf. Bis heute wird er verehrt, zehntausend Mal hat er seine atemberaubende Geschichte bestimmt schon erzählt. An diesem Montag feiert der weltberühmte Leichtathlet seinen 70. Geburtstag.

          Der Olympiarekord hält

          Dass der Jubilar noch gut drauf und immer für einen Gag gut ist, bewies Beamon kürzlich in einem launigen TV-Spot. Vor den Olympischen Spielen in Rio hatte er jenem Weitspringer, der seinen „ewigen“ Olympia-Rekord knackt, ein Bier versprochen. Das muss der Oldie nun allein zischen. Denn Sieger Jeff Henderson (USA) fehlten 52 Zentimeter zum olympischen Weitsprung-Rekord. Der steht nun mindestens 52 Jahre - bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio.

          Über die Hüte der Kampfrichter hinweg: Weitenjäger Bob Beamon

          „Wenn ich daran zurückdenke, bewegt mich das immer noch sehr“, sagte Beamon unlängst in einem Radio-Interview. „Wir waren damals Pioniere“, seine Nachfolger hätten heute viel größere Möglichkeiten. „Viele suchen nur den kürzesten Weg zum Erfolg. Den gibt es aber nicht, es ist harte Arbeit“, meint er. Und: „Nichts ist wichtiger als deine Gesundheit, da hilft dir auch alles Geld der Welt nicht.“

          Der „Jahrhundert-Weltrekord“ hält 23 Jahre

          Dem Leichtathleten reicht eine Sternstunde in 2248 Meter Höhenluft um berühmt zu werden. Fast hätte man sagen können: Er kam mal „auf einen Sprung“ vorbei. Denn die 8,90 schafft er gleich im ersten Versuch, legt dann 8,04 Meter nach - und lässt die letzten vier Versuche aus. Die Erinnerungen an den größten Tag seines Lebens werden Beamon für immer begleiten. Als ob es gestern wäre, kann er die entscheidenden Sekunden ins Gedächtnis zurückrufen: „Die Bedingungen waren ideal. Geschwindigkeit, Absprung, alles stimmte. Ich denke, ich hatte ein Tempo von umgerechnet 10,0 Sekunden für die 100 Meter drauf.“

          Olympia-Gold hat Beamon damit bereits sicher, aber die verblüfften Kampfrichter messen noch mit einem Stahlband nach, denn die automatische Anlage war nur für Weiten bis 8,60 Meter eingerichtet. Den Weltrekord von Ralph Boston überbietet Beamon gleich um 55 Zentimeter. Der entthronte Weltrekordler wird (USA/8,16) in Mexiko immerhin noch Dritter hinter DDR-Springer Klaus Beer (8,19).

          Beamons „Jahrhundert-Weltrekord“ hält 23 Jahre, bis Mike Powell 1991 fünf Zentimeter weiter fliegt. In einem denkwürdigen WM-Finale holt sich der Amerikaner mit 8,95 Meter Gold, sein Landsmann Carl Lewis liefert ihm bis zum letzten Sprung einen harten Kampf. Für 8,91 Meter - mit zu viel Rückenwind - bekommt „Carl der Große“ nur Silber. Mit 8,87 Meter springt Lewis zudem auf Rang drei der „ewige Bestenliste“. Der neue Weltrekord steht nun seit 25 Jahren - und hält damit schon länger als Beamons Wundersprung, doch Powell kam in seiner Popularität niemals an den alten Meister heran.

          Nach seinem Olympiasieg tingelt Beamon noch ein wenig im Hallen-Zirkus herum, kommt aber nie auch nur annähernd an seinen Wahnsinnssprung heran. Mit Gelegenheitsjobs als Ko-Trainer oder Jugendberater hält sich der gelernte Schneider über Wasser. 1972 scheitert ein Comeback-Versuch, 1973 wird Beamon für kurze Zeit Profi. Doch Gold lässt sich im Amateur-Zeitalter noch nicht versilbern.

          Die besten Weitspringer aller Zeiten

          8,95: Mike Powell (USA) Tokio, 30.08.1991, Weltmeisterschaft
          8,90: Bob Beamon (USA) Mexiko, 18.10.1968, Olympische Spiele
          8,87: Carl Lewis (USA) Tokio, 30.08.1991, Weltmeisterschaft
          8,86: Robert Emmiyan (UdSSR), Zachkadsor (Armenien) 22.05.1987
          8,74: Larry Myricks (USA) Indianpolis, 18.07.1988
          8,74: Erick Walder (USA), El Paso, 02.04.1994
          8,74: Dwight Phillips (USA) Eugene, 07.06.2009
          8,73: Irving Saladino (Panama), Hengelo, 24.05.2008

          Weitere Themen

          Ein Gladiator gegen Doping

          Schwimm-Star Adam Peaty : Ein Gladiator gegen Doping

          Er liebt seinen Sport und ist ein Kämpfer: im Wasser und außerhalb. Dort kämpft Adam Peaty gegen die Missstände im Weltverband Fina. Und innerhalb schockt er bei der WM alle mit einem neuen Weltrekord.

          Topmeldungen

          Bergbau im Erzgebirge : Die Jagd nach dem Milliarden-Schatz

          Im Erzgebirge wird an der ersten deutschen Erzmine seit dem Krieg gebaut. Ein Investor verspricht sichere Rohstoffe und Hunderte Arbeitsplätze. Doch Politiker interessiert es nicht, Behörden mauern und Anwohner rebellieren.

          Pläne der neuen Ministerin : Was die Bundeswehr braucht

          Die Streitkräfte müssen bereit und fähig für den Einsatz sein. Die bisherigen Bemühungen müssen deshalb fortgesetzt und verstärkt werden – daran wird man die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer messen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.