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Weltmeisterschaft Boxen : Klitschko verteidigt Titel durch technischen K.o.

  • -Aktualisiert am

Chris Arreola zeigte vor allem „Nehmerqualitäten”, Klischko dominierte Bild: picture-alliance/ dpa

Sein Herausforderer Cristobal Arreola hatte keine Chance gegen ihn: Witali Klitschko verteidigte seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht erfolgreich. Nach der zehnten Runde stoppte der Ringrichter den einseitigen Boxkampf nach zahlreichen schweren Treffern des Titelverteidigers.

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          Mike Tyson saß händchenhaltend mit einer Schönen in einer eigens aufgestellten Zwei-Stühle-Reihe ganz vorn am Ring. Was der ehemalige Skandal-Champion dort oben sah, gefiel ihm anscheinend nicht sonderlich. Für seinen Geschmack hätte Klitschko den chancenlosen Gegner k.o. schlagen müssen. Wahrscheinlich hätte Witali Klitschko die Erwartung des umjubelten Ehrengastes erfüllt, wäre ein wehr- und chancenloser Cris Arreola von seinem Freund und Trainer Henry Ramirez nicht vor der elften Runde zur Aufgabe gezwungen worden. Der Chefsekundant sagte geknickt zu seiner lobenswerten Entscheidung: „Es ist mein Job, Cris zu schützen, auch gegen seinen Willen.“

          Der mexikanische Macho heulte zwar in seiner Ecke und schluchzte vor der Kamera: „Ich hätte nie und nimmer aufgegeben.“ Doch das „No mas“ verdient Respekt. Der bis dahin unbesiegte Latino, ein typischer Haudrauf und bereits als mexikanischer Tyson hochgejubelt, war zehn Runden lang deklassiert worden, nicht von roher Gewalt, sondern von boxerischer Intelligenz. Ganz systematisch. Runde um Runde, von denen lediglich die achte von zwei Punktrichter für den Herausforderer gewertet wurde.

          Der beste Witali Klitschko

          Für strategisches Boxen, für eine noch so wirkungsvolle Defensivtaktik, können sich weder das amerikanische Publikum noch die Medien des Landes begeistern. „Mein Stil mag nicht imponierend sein, ist aber sehr effektiv“, antwortete der souveräne Sieger auf die mäkelnden Fragen. „Ich will nicht beweisen, wie hart mein Kopf ist, sondern ich will meinen Kopf auch später noch benutzen.“ So wurde diese Weltmeisterschaft nach Version des World Boxing Council (WBC) auch ein Kampf der Boxkulturen. Mit dem Ergebnis, dass die Amerikaner in der einst von Legenden wie Jack Dempsey, Joe Louis, Rocky Marciano oder Muhammad Ali beherrschten Königsklasse weiterhin Prügel beziehen. Der 28 Jahre alte, bislang unbesiegte Kalifornier mexikanischer Herkunft galt als die große Hoffnung. Eine wie Tyson, nicht wie Ali. Die Klitschkos dominieren also weiterhin das Schwergewicht mit drei Titeln. Ein amerikanischer Titelanwärter ist nicht in Sicht.

          Witali Klitschko dominierte den Kampf eindeutig
          Witali Klitschko dominierte den Kampf eindeutig : Bild: AFP

          Es war Pech für den Hoffnungsträger, dass er es mit dem „besten Witali Klitschko“, so das Urteil des langjährigen Trainers Fritz Sdunek, aufnehmen musste. Geradezu leichtfüßig bewegte sich der Koloss von 2,02 Meter und 114,3 Kilo im Rückwärtsgang durch den Ring, veränderte ständig seine Position, verzichtete auf jegliche Deckung, streckte sogar provozierend das Kinn vor. Arreola traf es nur nicht. „Die Schläge in die Luft kosten viel Energie“, sagte Klitschko. Er ließ die Fäuste vor den Oberschenkeln baumeln und katapultierte seinen Jab, „diese fiese Linke“, so Sdunek, und den rechten Cross Arreola nach Belieben an den Kopf. Doch auch noch so viele Wirkungstreffer konnten den unentwegt angreifenden Draufgänger nicht aufhalten. Die Computer-Statistik lieferte die Zahlen. 802 Schläge, eine Menge im Schwergewicht, und 301 Treffer (Arreola 331/86) belegen die eindrucksvolle Überlegenheit des Weltmeisters.

          Aufwärtshaken zum Körper in der späteren Runden taten ihr Übriges zur Demontage des mit 113,8 Kilo etwas fülligen Arreolas. Mut und Tapferkeit, „ein starkes Kinn und ein großes Herz“, so das Lob seines Peinigers, zeichneten den 6:1-Außenseiter immerhin aus. „Es war das große Herz eines Verlierers“, jammerte Arreola. „Das ist erniedrigend.“ Rund 15000 Zuschauer, darunter Berühmtheiten wie Arnold Schwarzenegger, Kobe Bryant, Sylvester Stallone und Leonardo di Caprio, empfanden mehr Mitleid mit dem untröstlichen Verlierer als Bewunderung für den so souveränen Sieger.

          38. Sieg im 40. Kampf

          Witali Klitschko errang in seinem 40.Kampf seinen 38. Sieg, den 37. vorzeitig, bei zwei verletzungsbedingten Niederlagen. Vor vier Jahren hatte er seinen Rücktritt erklärt, weil sein Körper streikte. Jetzt boxt der Ukrainer so gut wie noch nie. „Die drei Jahre Pause zwischen Rücktritt und Rückkehr vor einem Jahr hätten ihm gut getan. Schon am 12.Dezember ist in Deutschland der nächste Kampf geplant.

          Die Wandlung vom statisch stehenden Riesen zum beweglichen Konterboxer ist bemerkenswert. Und das mit 38 Jahren. „Witali hat geboxt, wie man es von einem 38-Jährigen nun wirklich nicht erwartet, sowohl was seine Beweglichkeit als auch seine Kondition betrifft“, staunte HBO-Analyst Larry Merchant und schmeichelte. „Er sieht aus wie 24 aus, nicht einmal wie 34. Witali war jederzeit Herr der Situation gegen einen sehr harten Burschen.“ Die Gesichter auf der Pressekonferenz boten das Spiegelbild des einseitigen Kampfes: Nur ein kleiner dunkler Fleck im rechten Augenwinkel bei Klitschko, Beulen, Blut und Blessuren bei Arreola.

          Die „Plan A“ genannte Taktik war ein wahres Weltmeisterstück. „Es ist sehr schwierig, gegen mich zu boxen, weil ich mich mit den unterschiedlichsten Stilarten auf jeden Gegner einstellen kann. Das ist eine Sache der Erfahrung“, erklärte Klitschko. Zum klugen Kopf und zu den harten Fäusten demonstrierter der Gigant nun auch noch schnelle Füßen. Fuß bei Fuß stehen und schlagen - das wollen die Amerikaner sehen. Sdunek begreift derlei Geschmacksverirrung nicht. „Witali hält das Kinn doch hin, aber die treffen nicht. Wenn das nicht spektakuläre ist?“ Als hätte es Muhammad Ali nie gegeben.

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