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Weltmeisterin Obergföll : Spaß statt Druck

  • -Aktualisiert am

Endlich Gold: Christina Obergföll vollendet ihre Karriere Bild: dpa

Speerwerferin Christina Obergföll gewinnt bei der Leichtathletik-WM in Moskau nach fünf Silbermedaillen ihren ersten großen Titel und trägt so maßgeblich zur positiven Gesamtbilanz im deutschen Lager bei.

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          Sie hat den Spieß umgedreht. Und zwar genau im richtigen Moment. Speerwerferin Christina Obergföll, für die es bei großen internationalen Anlässen zwar meist zu einer Medaille, aber nie zu einem Titel gereicht hatte, hat endlich diesen gewinnbringenden Ausreißer nach oben gehabt. Beim großen WM-Finale im Luschniki-Stadion am Sonntag erreichte sie 69,05 Meter, Saisonbestleistung. Schon der dritte Versuch war Gold wert. Maria Abachumowa, die große Favoritin aus Russland, die in der Qualifikation mit einem 69-Meter-Wurf auch ihre deutsche Kollegin beeindruckte, hatte diesmal bei 65,09 Metern ihr Pulver verschossen und musste sich auch noch die Australierin Kimberley Mickle (66,60 Meter) geschlagen geben.

          Als alles vorbei war, fiel die knapp 30 Jahre alte Offenburgerin auf die Knie und rannte dann hinüber zu Trainer Boris Henry - der bald auch ihr Ehemann sein wird. Im September heiraten die beiden, neben der Goldmedaille bringt Christina auch ihren Nachnamen mit in die Ehe ein. Boris hatte mit ihr gewettet und muss sich nach dem Titelgewinn nun von seinem Nachnamen verabschieden.

          Christina und Boris: Er hatte mit ihr gewettet und muss sich nun von seinem Nachnamen verabschieden
          Christina und Boris: Er hatte mit ihr gewettet und muss sich nun von seinem Nachnamen verabschieden : Bild: dpa

          „So viele Jahre hat es nicht geklappt, und jetzt, wo ich schon nicht mehr daran geglaubt habe, hat es doch noch funktioniert“, sagte sie. „Dies ist der schönste Moment meiner sportlichen Karriere.“

          Es war der vierte Titel für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Moskau und ein glänzender Abschluss der Weltmeisterschaft. Kein Wunder, dass Sportdirektor Thomas Kurschilgen von einer „hervorragenden Visitenkarte“ sprach, welche die Nationalmannschaft abgegeben habe.

          Gute Bilanz der deutschen Mannschaft

          Auf der stand ganz oben Robert Hartings Titel-Hattrick, weil der Diskusriese nach dem Olympiasieg 2012 in London mit all seinen kräftezehrenden Begleiterscheinungen wieder einmal die Kurve gekriegt hat. Noch eindrucksvoller geriet der Auftritt von David Storl, dem gerade 23 Jahre alt gewordenen Chemnitzer Kugelstoßer. 2011 in Daegu noch Überraschungs-Weltmeister, war er auch in Moskau auf den Punkt kugelsicher. „Eine Titelverteidigung in dem Alter ist außergewöhnlich, und wie souverän er sich nach seinen zunächst ungültig gegebenen Versuch verhalten hat, das ist bemerkenswert“, sagt Cheftrainer Idriss Gonschinska. Auch der Olympiazweite von London hat seinen WM-Besitzstand gewahrt.

          Was nicht jedem in Moskau gelungen ist. Renaud Lavillenie, der französische Dominator im Stabhochsprung, wurde von einem Deutschen vom Himmel geholt: Raphael Holzdeppe, auch erst 23 Jahre alt, bescherte dem DLV damit den ersten WM-Titel in dieser Disziplin. Und noch einen muss man herausheben: Zehnkämpfer Michael Schrader, dessen mit Silber gekröntes Comeback nach zwei Jahren voller Verletzungen nicht viele für möglich gehalten hatten.

          In der Summe ergibt das ein beachtliche Bilanz in diesem nacholympischen Jahr, das der DLV zum Übergangsjahr ausgerufen hatte, um den hochbelasteten Athleten Freiräume zu gewähren. Sie sollten nach den olympischen Strapazen regenerieren können, den Kopf frei bekommen und auch anderweitig voran kommen: im Studium, im Beruf, in der Ausbildung. Wie man die Zeit optimal nutzt, dafür steht Kugelstoß-Weltmeister Storl. Er ließ die Hallensaison aus, stieg spät ins Training ein und setzte alles auf die Karte WM. Damit lag er goldrichtig.

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