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Siegertypen: Katharina Molitor : „Mein Angriff ist wirklich gefürchtet“

Vielseitig, aber vor allem Leichtathletin: Katharina Molitor gelingt in Peking der große Wurf Bild: dpa

Katharina Molitor ist Weltmeisterin im Speerwerfen und spielt Volleyball in der zweiten Liga bei Bayer Leverkusen. Die 32 Jahre alte Lehramtsstudentin spricht im Interview über Doppelbegabung und Dreifachbelastung.

          6 Min.

          Ist es eher gut oder eher schlecht, mehrere Talente zu haben und diese auch auszuleben?

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          Ich finde es eher gut. Ich hab früher alles gemacht, unter anderem auch Geräteturnen und Schwimmen. Gerade für das Sportstudium hat mir das unglaublich geholfen. Schon bei der Aufnahmeprüfung.

          Und als Leistungssportlerin?

          Bei mir sind zwei Dinge übrig geblieben, Speerwerfen und Volleyball. Ob das optimal ist? Mir macht es Spaß, und deswegen sage ich, dass es gut ist.

          Gab es nie einen Trainer, der gesagt hat: Du musst dich jetzt mal entscheiden, es geht nur eins richtig?

          Jein. 2004, als ich Abi gemacht hatte, bekam ich aus Hamburg ein Angebot, in der Volleyball-Bundesliga zu spielen. Das hätte ich angenommen, wenn ich auch einen Studienplatz bekommen hätte. Und dann hätte sich das mit der Leichtathletik wahrscheinlich erledigt.

          Sie sind aber im Rheinland geblieben.

          Ja, und in Leverkusen ist es dann andersrum gelaufen. Ich bin in der Leichtathletik von Jahr zu Jahr besser geworden, und dann hatte Volleyball eindeutig den geringeren Stellenwert bekommen. Mein Speerwurf-Trainer Helge Zöllkau hat wohl damit gerechnet, dass ich irgendwann mal mit Volleyball aufhöre. Es ist aber nie dazu gekommen, und irgendwann hat er es dann auch akzeptiert.

          Und hat es Ihnen genutzt oder geschadet?

          Ich glaube, dass es mir was gebracht hat. Ja, es sind zwei Belastungen, und ja, es sind zwei Belastungen, die beide auf die Schulter gehen. Und es gibt auch ein zusätzliches Verletzungsrisiko beim Volleyball. Aber die Mannschaft nimmt mich immer wieder auf. Es macht mir einfach Spaß, bei einem Team zu sein. Und ich glaube, dass die positive Energie dabei überwiegt.

          Schlagfertig: Katharina Molitor als Teamspielerin und Schmetterspezialistin
          Schlagfertig: Katharina Molitor als Teamspielerin und Schmetterspezialistin : Bild: Wypchlo

          Ist das eine der Ausgleich des anderen?

          Grundsätzlich ja. Wenn es im Wintertraining in der Leichtathletik mal schwierig ist, werde ich vom Erfolg im Volleyball gepusht.

          Das Gespräch führen wir auf dem Flur zur Umkleidekabine der Schulsporthalle Ophoven in Leverkusen. Es ist eine von drei Hallen, in denen Bayer Leverkusens Volleyballfrauen abwechselnd trainieren. An diesem Abend nutzen sie ein Segment der Drei-Felder-Halle. In den anderen beiden Feldern turnen Kleinkinder und Rhönradturner. „Bis jetzt haben immer alle Spielerinnen die richtige Halle gefunden“, meint Katharina Molitor. Sie hat an diesem Tag schon zwei Trainingseinheiten Kraft und Leichtathletik hinter sich. Und an der Uni war sie auch schon.

          Tut Ihnen der Mannschaftssport gut, weil Sie nicht so allein sind wie beim Speerwerfen?

          In der Gruppe zu trainieren, das macht schon mehr Spaß. Aber wenn ich Wettkampf und Spiel betrachte, ist es so, dass ich in der Leichtathletik viel besser weiß, woran ich bin. Wenn ich schlecht geworfen habe, habe ich schlecht geworfen. Wenn ich aber gut gespielt habe, heißt das noch lange nicht, dass wir auch gewinnen. Das Ganze hat also zwei Seiten. Und auch in der Leichtathletik habe ich gute Freunde, mit denen ich gerne trainiere.

          Mit Kategorisierungen wie Teamspielerin oder Einzelkämpferin kommt man bei Ihnen offenbar nicht weiter?

          Bei mir passt beides. Ich kann mich beim Speerwerfen voll auf mich selbst konzentrieren. Im Wettkampf brauche ich auch sonst nichts, da habe ich mich und den Speer. Da weiß ich auch, dass ich nicht ausgewechselt werden kann. Beim Volleyball ist es ein Team. Und ich glaube, dass ich mich sehr gut einfügen kann, ein guter Teamspieler bin, und ich behaupte auch, dass die Mannschaft mich gerne dabei hat.

          Genießen Sie auch Sonderrechte wegen Ihrer Doppelrolle?

          Beim Volleyball-Training versuche ich so oft wie möglich, dabei zu sein. Aber wenn ich merke, dass die Kraft nachlässt, dann komme ich nicht. Und das wird auch akzeptiert.

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