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Weltmeister Savchenko/Szolkowy : Die perfekte Kür

  • -Aktualisiert am

Goldene Momente: Die Weltmeister nach ihrem großen Auftritt Bild: AFP

Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben bei der Eiskunstlauf-WM in Moskau zum drittenmal den Titel gewonnen. Nie lief das Chemnitzer Paar besser - und das gegen stärkste Konkurrenz.

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          Sie haben es zum dritten Mal geschafft, aber waren nie zuvor so gut, so selbstsicher, so faszinierend wie diesmal. Aljona Savchenko und Robin Szolkowy eroberten am Donnerstagabend in Moskau nach 2008 und 2009 zum dritten Mal den Weltmeistertitel im Paarlauf und verbesserten sich mit ihrer fehlerfreien Kür von Platz zwei nach dem Kurzprogramm an die Spitze eines hochklassigen Wettbewerbs in der Moskauer Megasport-Arena. Zweite wurden die erstmals bei einer WM startenden russischen Meister Wolososchar/Trankow, die ihr großes Potential für künftige Titelkämpfe mehr als nur hauchzart andeuteten. Geschlagene Dritte waren schließlich die enttäuschenden chinesischen Titelverteidiger Pang/Tong. Maylin Hausch und Daniel Wende (Oberstdorf/Essen), das zweite deutsche Paar, kam am Ende auf Platz zwölf.

          Die nun viermaligen Europameister und dreimaligen Weltmeister mussten als erstes Paar der letzten Startgruppe aufs Eis. Das kann dann ein psychologischer Vorteil sein, wenn die Kür rund läuft und deren Schwierigkeiten nur dazu dienen, bewältigt zu werden. Savchenko/Szolkowy waren also gefordert, besonders zur Musik aus dem komischen „Pink-Panther“-Film, das Publikum und die Preisrichter mit Leichtigkeit und Höchstschwierigkeiten für sich einzunehmen. Das taten sie – und wie! Mit Herz und Präzision eroberten sie das russische Publikum in der Megasport-Arena. Dreifachwurfflip, Dreifachwurftoeloop, Dreifachwurfsalchow in letzter Sekunde, dazu zwei Dreifachtoeloops und der Doppelaxel: Savchenko/Szolkowy gelang alles in Moskau.

          Vergessen die Mühsal, sich nach der wegen der japanischen Natur- und Reaktorkatastrophe abgesagten WM in Tokio neu zu motivieren und für Moskau in Form zu bringen. Das Chemnitzer Paar genoss seinen besten Saisonauftritt mit Bravour. Schon während der Kür wirkten die 27 Jahre alte Savchenko und ihr vier Jahre älterer Partner vollkommen entspannt und gelöst. „Wir sind beide Wettkampftypen“ hatte Szolkowy vorher gesagt, „wenn der Wettkampf da ist, werden die letzten Energien wachgerufen. Dann geht‘s aber richtig los.“ Genauso kam es, und entsprechend glücklich fielen sich die Läufer und ihr Trainer Ingo Steuer danach in die Arme. Was sie zum Gelingen des Abends beitragen konnten, hatten sie perfekt getan. Am Ende stand die Tageshöchstwertung von 144,87 Punkten für die Kür und eine Gesamtpunktzahl von 217,85.

          Kopfüber zum dritten Weltmeistertitel: Savchenko/Szolkowy auf Moskauer Eis
          Kopfüber zum dritten Weltmeistertitel: Savchenko/Szolkowy auf Moskauer Eis : Bild: REUTERS

          Für die chinesischen Titelverteidiger Pang/Tong geriet Franz Liszts „Liebestraum“ eher zum Tagesalbtraum. Das nach der Kurzkür führende Paar kam nie so in Schwung, um seine Fähigkeiten vor allem bei den Sprüngen ausspielen zu können. Am Ende standen „nur“ 204,12 Punkte und damit Rang drei. Besser machte es das Gespann der Zukunft. Die russischen Meister Tatjana Wolososchar (noch vor einem Jahr die beste ukrainische Paarläuferin) und ihr Partner Maxim Trankow. Die beiden dürften in nächster Zeit die größten Rivalen von Savchenko/Szolkowy werden. Weil sie aber ein paar kleine Fehler machten, reichte es diesmal nur zu Platz zwei (210,71 Punkte).

          Liebers nahezu fehlerfrei

          Vor der Paarlaufentscheidung hatte am Nachmittag der Kanadier Patrick Chan bestätigt, dass er derzeit weltbeste Eiskunstläufer ist. Der Zwanzigjährige gewann erstmals den Titel bei den Herren für ein Programm, das höchste sportliche wie künstlerische Anforderungen erfüllte. Nach zwei zweiten WM-Plätzen und einer olympischen Enttäuschung im eigenen Land, als er bei den Winterspielen 2010 in Vancouver nur Fünfter geworden war, beherrschte Chan die Konkurrenz vom Kurzprogramm an überdeutlich. Am Ende siegte er mit der Weltrekordpunktzahl von 280,98 vor dem Japaner Takahiko Kozuka (258,41) und dem Russen Artur Gaschinski (241,86). Der japanische Titelverteidiger Daisuke Takahashi blieb ohne Medaille, weil sich bei ihm eine Kufe gelöst hatte.

          Fünfzehnter wurde der deutsche Meister Peter Liebers. Der Berliner überzeugte im Kurzprogramm und in der Kür mit nahezu fehlerfreien Auftritten und seinem sichtbar gewachsenen Selbstbewusstsein. Dazu bewies Liebers, dass sich seine Kanada-Reisen nach Toronto gelohnt haben, wo die weltbeste Choreographin Lori Nicol Liebers‘ Programmen den nötigen Feinschliff gab. Bei der WM 2012 in Nizza will Liebers dann auch den Vierfachtoeloop zeigen, den die weltbesten Eiskunstläufer längst in ihr Sprungrepertoire aufgenommen haben. Schließlich möchte auch er einmal zumindest in die Nähe der besten Plätze kommen, die für Aljona Savchenko und Robin Szolkowy seit Jahren selbstverständlich sind.

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