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Weltcup-Finale der Reiter : Wilder Westen im Norden

  • -Aktualisiert am

Peder Fredricson auf Catch Me Not macht die Fans in Göteborg glücklich. Bild: Reuters

Beim Weltcup-Finale der Springreiter purzelt einiges durcheinander auf dem kniffligen Parcours. Die Deutschen kommen nicht ungeschoren davon. In der Dressur gibt es wieder das Duell zwischen Isabell Werth und Laura Graves.

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          Alles ist durcheinandergepurzelt beim Weltcup-Finale der Springreiter in Göteborg – und am Ende wurde einer Tagessieger, der die Leute im Scandinavium toben ließ: Der Schwede Peder Fredricson, einer der profiliertesten Pferdeleute Europas, gewann mit dem Schimmel Catch me not die zweite von drei Finalprüfungen am Freitagabend. Das Volk an der Nord-Kultstätte des Reitsports hatte sich nichts sehnlicher gewünscht. Der 47 Jahre alte Fredricson, Europameister von 2017, Olympia-Zweiter von 2016, war an diesem Abend nur einer von drei Reitern, die sämtlichen Klippen dieses schwierigen und unterhaltsamen Parcours widerstanden.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Trotz seines Sieges liegt er aber in der Weltcup-Wertung nur an zweiter Stelle, weil er im Zeitspringen am Donnerstag einmal gepatzt hatte. Völlig überraschend führt ein Spanier: Eduardo Alvarez Aznar aus Madrid, im vergangenen Jahr Weltcup-Sechster, mit dem Wallach Rokfeler. Den dritten Null-Fehler-Ritt im Stechen des Tages gelang in diesem Springen der Überraschungen Jaroslaw Skrzyczynski aus Polen – zumindest bis Sonntag wird man sich also diesen Namen merken müssen, er liegt in der Gesamtwertung auf Platz 8, und damit besser als das deutsche Trio.

          Viele, deren Hoffnungen am Freitag einen schweren Dämpfer erhalten haben, müssen nun hoffen, dass Parcourschef Santiago Varela am Sonntag noch einmal solch einen Wildwest-Tag haben wird, wenn die Jagd über zwei weitere Parcours fortgesetzt wird. Auch Daniel Deusser, Christian Ahlmann und Ludger Beerbaum, die in günstiger Position aus dem Zeitspringen am Donnerstag gekommen waren, aber nicht ungeschoren davon kamen. Die größten Hoffnungen liegen auf Daniel Deusser auf Rang 10, sechs Punkte, also anderthalb Springfehler hinter dem führenden Spanier. Ihm unterlief mit seiner Stute Tobago Z am Freitag ein Abwurf am Einsprung in eine zweifache Kombination aus Steilsprüngen, eine blaue Planke fiel – ein Distanzproblem.

          Deusser war immerhin als Führender der Westeuropa-Liga nach Göteborg gereist. „Ich habe eine reelle Chance, am Sonntag noch was abzukriegen“, sagte er. Auf Rang 13 folgt Ludger Beerbaum, der 55 Jahre alte Doyen der deutschen Springreiter, der mit Cool Feeling zwar das Stechen erreichte, dort aber bereits am ersten Sprung, einem Oxer, einen unglücklichen Abwurf hatte – nicht gerade das, was man von einem alten Fuchs erwartet. Mit acht Fehlerpunkten liegt er zwei Abwürfe hinter dem Führenden. Vorausgesetzt, das Feld wird noch einmal so durcheinandergewirbelt, wäre auch dieser Platz noch verbesserungsfähig. Nur Christian Ahlmann, wie Deusser einer der Favoriten, wurde vom allgemeinen Strudel nach hinten gerissen. Drei Abwürfe mit Clintrexo bedeuten Gesamtrang 15 und seine Hoffnungen waren dahin.

          Auch das Weltcup-Finale der Dressurreiter hat etwas von einem Wildwest-Showdown, auch wenn es dort am Mittag geordneter zugegangen war als beim Springen am Abend. Die erste Runde ging wieder einmal an Seriensiegerin Isabell Werth: Sie gewann den Grand Prix am Freitag mit ihrer eleganten Stute Weihegold mit 81,755 Prozentpunkten. Ihre erklärte, allerdings bisher in keinem Titelkampf erfolgreiche Herausforderin Laura Graves aus den Vereinigten Staaten musste sich mit dem zweiten Rang und 80,109 Prozentpunkten zufrieden geben.

          „Neues Spiel, neues Glück“

          Beide leisteten sich keinen Fehler, darum machten Nuancen den Unterschied aus. Laura Graves’ Verdades, ein massiv gebauter niederländischer Wallach, setzt zwar im Viereck eine imponierende Power frei. Doch die Akkuratesse und Präzision, mit der Isabell Werth die Stärken ihres Pferdes ausschöpft, kann die Amerikanerin damit nicht ausgleichen. Allerdings ist dieser Wettbewerb nur der Aufgalopp zum großen Finale am Samstag, wo erst in der Kür mit Musik alle Register gezogen werden. „Weihegold ist in Topform“, sagte die sechsfache Olympiasiegerin. Kampfeslustig fügte sie mit Blick auf den Showdown am Samstag, wo alles wieder bei Null beginnt, hinzu: „Neues Spiel, neues Glück“.

          Laura Graves denkt genauso: „Mein Hunger danach, oben auf dem Podium zu stehen, ist unglaublich groß.“ Zumal weitere Konkurrenten wie etwa der Däne Daniel Bachmann Andersen mit dem einäugigen Hengst Zack (Dritter mit 78,157 Prozentpunkten) nur darauf warten, das Duell zwischen Werth und Graves zu sprengen. Helen Langehanenberg mit Dempsey belegte mit 76,957 Prozentpunkten den fünften Platz. Der nachgerückte deutsche Starter Benjamin Werndl fand mit seinem Westfalen Daily Mirror bei seinem Debüt noch nicht zur Bestform und belegte mit 73,758 Prozentpunkten Rang 11. Seine Kür will er fulminant mit einem Highlight beginnen: Einem Trommelwirbel und einer doppelten Galopp-Pirouette.

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