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Welt-Reiterspiele : Totilas startet mit Bestnote in die Titeljagd

  • -Aktualisiert am

Nicht zu schlagen: Edward Gal und sein Hengst Totilas Bild: REUTERS

Totilas ist ein wundersames Tier. Bei den Welt-Reiterspielen will Edward Gal weiterstricken an der „Lebenden Legende“. Er arbeitet an der perfekten Dressur-Kür. Zum ersehnten Mannschaftsgold der Niederländer trägt Totilas eine Bestnote bei.

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          Braun gebrannt ist Edward Gal dieser Tage, die dunkelblonden Haare trägt er ein bisschen anders als zuletzt beim CHIO in Aachen, und langsam wird sein Leben ein bisschen zäh: „Es ist schwer, immer noch besser zu werden“, sagte der Niederländer in Lexington am Vorabend seiner von der ganzen Dressur-Welt erhofften Gala. Aber genau das wird von ihm erwartet - am besten noch mehr Gänsehaut und neue Rekorde.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Bei den Welt-Reiterspielen will und soll er weiterstricken an der „Lebenden Legende“, wie sein Rapphengst Totilas neuerdings genannt wird. Schon vor seinem ersten Auftritt wurde dem Reiter im Kentucky Horse Park die bilderreiche Biographie seines Pferdes überreicht, eine Hymne auf ein wundersames Tier. Totilas - der zehnjährige Schwerathlet und Ausdruckstänzer, dessen Auftrag erst dann erfolgreich erledigt ist, wenn er alle WM-Titel abgeräumt hat.

          Edward Gal: „Erst einmal muss ich reiten“

          Am Dienstag trug Totilas zum niederländischen Mannschaftssieg die Bestnote bei. Mit 84,043 Prozent der möglichen Punkte übertrafen Gal und sein Hengst alle anderen. Die Deutschen holten Bronze hinter Großbritannien. An diesem Mittwoch im klassischen Grand Prix Special und am Freitag in der Kür geht die Totilas' Titeljagd weiter. Für das Spektakel zur Musik haben Dressur-Enthusiasten auch für die nächsten Tage ein Päckchen Taschentücher bereitgelegt - sie hoffen wieder ein paar Tränen der Rührung weinen zu können. So wie 2009 in Windsor, als die beiden Europameister wurden. „Erst einmal muss ich reiten“, sagte der Vierzigjährige vorsichtig. „Ich weiß, dass er es kann, aber es muss natürlich auch passieren.“

          Wer reitet, hebt eben nicht so schnell ab. Denn er kann jeden Moment aus dem Tritt geraten. So wie Gals Mannschaftskollegin und Rivalin Adelinde Cornelissen. Beim Grand Prix am Dienstag kam sie als dritte niederländische Starterin mit ihrem Wallach Parzival nicht weit - nach gut einer Minute wurde ihr bis dahin hervorragender Ritt abgeläutet. Der Chefrichter Stephen Clarke aus Großbritannien hatte beim Rückwärtsrichten gesehen, dass das Pferd aus dem Maul blutete - möglicherweise hatte es sich bei der Übung auf die Zunge gebissen. Sie parierte ihr Pferd durch und die WM war für die Medaillenfavoritin vorbei.

          Die Konkurrenz für Totilas ist nicht von Pappe

          Schon am Samstag bekam Gal vor Augen geführt, wie anfällig so ein großer Traum ist. Sein Lebensgefährte Hans-Peter Minderhout - auch ein Mitglied der niederländischen Mannschaft - wollte seine Stute Nadine nach einem Trainingsstündchen eigentlich nur in den Stall reiten, als sie plötzlich ausglitt. Beide Hinterbeine rutschten weg, vorne ging sie in die Knie, Reiter und Pferd fielen hin. Dass die Stute sich nur Schürfwunden zuzog und Minderhout seinem Team am Montag mit 72,298 Punkten ein gutes Auftakt-Ergebnis mit auf den Weg geben konnte, war reines Glück.

          Dazu kommt: Die Konkurrenz ist nicht von Pappe. Starke Auftritte werden vom Amerikaner Steffen Peters mit Ravel erwartet, der seit seinem Weltcupsieg 2009 nicht mehr bei großen Wettkämpfen auftauchte. „Wir haben ihn lange nicht gesehen“, sagte Gal, „aber wir müssen mit ihm rechnen.“ Und auch die einstige deutsche Seriensiegerin Isabell Werth mit ihrem Wallach „Warum nicht“, die zuletzt ein bisschen bescheidener werden musste, hat noch nie jemandem das Feld kampflos überlassen.

          Reiter soll beim perfekten Ritt unsichtbar werden

          Irgendwann - vielleicht schon in Lexington - will Gal einmal die perfekte Kür mit Totilas zeigen. Mehr als neunzig Prozent der möglichen Punkte hat er bereits bekommen, doch er hätte gerne die hundert. „Manchmal schleichen sich Fehler in den Einerwechseln ein“, sagte er. „Oder die Pirouetten werden ein bisschen groß. Aber ich weiß, er kann sie so gut, dass er die Höchstnote zehn bekommen könnte.“ Zum perfekten Ritt gehört nach Gals Ansicht aber noch ein bisschen mehr. Der Reiter soll dabei völlig unsichtbar werden.

          „Ich kann nicht sagen, dass er mit jedem anderen Reiter auch Europameister geworden wäre“, erklärt er. „Ich weiß, dass es so wirkt, weil bei ihm alles so leicht aussieht. Es ist aber nicht so, als würde ich einen Knopf drücken und er macht dann alles von selbst.“ Ohne ihn wisse Totilas nicht, wohin er gehen und welche Lektionen er ausführen solle - und doch solle es im Idealfall so aussehen, als ob er überhaupt nichts mache. „Vielleicht ist es mein ultimatives Ziel, dass die Leute nur noch das Pferd sehen, und mich nicht mehr.“ Bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London will er aus dem Bild verschwunden sein.

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