https://www.faz.net/-gtl-zixm

Welt-Reiterspiele : Jung sorgt für eine deutsche Erstaufführung

  • -Aktualisiert am

Der erste deutsche Weltmeister in der Vielseitigkeit: Michael Jung gewann in Lexington Bild: dpa

Der Vielseitigkeitsreiter aus Horb bleibt fehlerfrei im Springparcours und gewinnt in Lexington als erster Deutscher den WM-Titel. Der Rest der Mannschaft hat weniger Fortüne. Das Minimalziel aber wird immerhin erreicht.

          2 Min.

          Mit einem breiten Lächeln ist Michael Jung durch seine drei Wettkampftage geritten - und als er fertig und die Mission erfüllt war, reckte er die rechte Faust. Der 28 Jahre alte Schwabe ist der erste Weltmeister im Vielseitigkeitsreiten, den Deutschland je hatte. Mit einem fehlerfreien Springparcours schloss er auf seinem zehnjährigen Baden-Württemberger Sam seine tadellose Serie bei den Welt-Reiterspielen im Kentucky Horse Park ab.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Mit dem besten Dressur-Ergebnis hatte er begonnen, am Samstag einen geschmeidigen Geländeritt hingelegt und am Sonntag alle Stangen liegen lassen - machte zusammen nur 33,00 Strafpunkte. Die Silbermedaille gewann der Engländer William Fox-Pitt auf Cool Mountain (42,00) vor Andrew Nicholson aus Neuseeland mit Nereo (43,50). Der Rest der deutschen Mannschaft, die als Titelverteidiger nach Lexington gekommen war, hatte weniger Fortüne und musste sich an dem kalten Herbsttag an Jungs Erfolg mit wärmen. Platz fünf (200,70 Punkte) bedeutet das erklärte Minimalziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London.

          Schon der Geländekurs hatte Jung Spaß bereitet, am liebsten hätte er ihn zweimal durchquert. „Gleich noch mal satteln und los“, sagte der junge Mann aus Horb. Auch Ingrid Klimke aus Münster hatte mit Abraxxas den Cross Country mit Bravour bewältigt. Zwei Fehler im Springen warfen sie aber von Rang 4 auf 13 zurück. Seelisch ramponiert kamen die beiden übrigen deutschen Teammitglieder aus dem Gelände zurück. Ein Sturz und zwei Verweigerungen kosteten einen besseren Platz. Weltmeister wurde Großbritannien mit 139,40 Punkten vor Kanada (151,50) und Neuseeland (154,80).

          Tadellose Serie in Kentucky: Michael Jung

          „Das ist daneben gegangen“

          Gemischte Gefühle also bei der deutschen Mannschaftsführung. Wer als Olympiasieger und Weltmeister antritt, hat hohe Ziele. Doch die Geländestrecke des britischen Parcoursgestalters Mike Etherington-Smith fühlte jedem auf den Zahn. Mit ihren langgezogenen Hügeln kostete sie die Pferde viel Kraft und Kondition, die Reiter mussten sich ihren Weg gut einteilen. Und die Hindernisse waren gewaltig und schwer, eine komplizierte Seenlandschaft stellte das Vertrauen der Pferde auf eine harte Probe.

          Mannschaftsreiter Dirk Schrade (Sprockhövel) bewältigte zwar mit seinem Angloaraber Gadget de la Cere all die Klippen mit Bravour. Doch zwei Sprünge vor Schluss verschätzte er sich in einer Distanz. Pferd und Reiter stürzten, blieben zum Glück nahezu unverletzt, schieden aber aus. Andreas Dibowski (Egestorf), mit 44 Jahren der erfahrenste Profi im Team, bekam seine Grenzen an einem Hindernis aufgezeigt, das Coffin - also Sarg - genannt wird. Sein Pferd Leon blieb zweimal am tiefsten Punkt der Senke stehen und starrte entsetzt in den dunklen Graben. Auch eine Nullrunde im Springen half da nicht mehr viel, Dibowski belegte Platz 46.

          „Das ist daneben gegangen“, sagte Bundestrainer Hans Melzer zum Mannschaftsergebnis. Doch nach dem Ausfall von Doppel-Olympiasieger Hinrich Romeike, dessen Schimmel Marius langwierig verletzt ist, hat er einen neuen Trumpf im Spiel. Michael Jung ist ein Reiter, der alles kann. Zu Hause in Baden-Württemberg startet er auch in Spezialwettbewerben in Dressur und Springen. In diesem Jahr gewann er die Prüfungen in Wiesbaden, Marbach und Strzegom und wurde Weltcupsieger. 2009 wurde er Dritter bei der Europameisterschaft in Fontainebleau.

          „Darum sind wir so schnell“

          Mehr als eine halbe Stunde hatte Jung auf seinen Start in die 6400 Meter lange Cross-Country-Strecke warten müssen, weil vor ihm vier Paare gestürzt waren. Am ersten Wasserhindernis verlor er kurz seinen Rhythmus, doch danach lief es rund. „Mein Pferd denkt mit“, sagte Jung. „Darum sind wir so schnell.“ Die beiden deutschen Einzelreiter haderten derweil mit ihrem Geschick. Die 28 Jahre alte Simone Deitermann (Saerbeck) erreichte voller Schwung mit ihrem Westfalen Free Easy das letzte Hindernis, einen riesigen Obstkorb.

          Doch ihr Pferd sprang nicht ab - die Reiterin landete als Fallobst in der Kiste. Frank Ostholt aus Warendorf verlor im Wasser kurz die Kontrolle, so dass sein Pferd Mister Medicott an einem Sprung vorbeilief. Und doch hätten die Deutschen nach seiner Null-Fehler-Runde im Springparcours Ostholts Leistung gut gebrauchen können. Wäre er an Schrades Stelle für die Mannschaft nominiert worden, hätten sie die Silbermedaille gewonnen.

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          Boogaloo-Bewegung in Amerika : Sie wollen den Krieg

          Eine amerikanische Internet-Bewegung, die auf einen Umsturz sinnt, wittert in der Pandemie und den Protesten ihre Chance. Die „Boogaloo Boys“, die sich in vielen Städten unter die Demonstranten mischen, sind bewaffnet und gefährlich.
          Im Krisenmodus: die EZB

          Europäische Zentralbank : Überstrapazierte Geldpolitik

          Es ist falsch, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm ohne jede Not um 600 Milliarden Euro aufstockt. Denn die Anzeichen für eine allmähliche Belebung der Wirtschaft verdichten sich.
          Michael Hüther stammt nicht aus dem akademischen Betrieb, sondern aus der volkswirtschaftlichen Abteilung einer Bank.

          Michael Hüther : Mister Mehrwertsteuer

          Michael Hüther ist einer der geistigen Väter des Konjunkturpakets. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft neigt ansonsten immer wieder zu „ordnungspolitischem Schweinkram“. Wofür steht der Ökonom?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.