https://www.faz.net/-gtl-qdub

Wellenreiten : Symbolfigur für ganz Amerika

Vorbild und Medienstar: Bethany Hamilton Bild: AP

Ein Hai hat ihr den linken Arm abgerissen, doch Bethany Hamilton kehrt auf das Surfbrett zurück. Die Geschichte ihres unglaublichen Comebacks hat die 15jährige in Amerika zum Medienstar gemacht.

          2 Min.

          Es ist diese eine Geschichte, die immer wieder erzählt wird, die dennoch jeder hören will. Es ist ihre Geschichte, die sie in Amerika zu einem Medienstar gemacht hat.

          Cai Tore Philippsen

          Verantwortlicher Redakteur für die Redaktion FAZ.NET

          Die Geschichte von Bethany Hamilton begann am Morgen des 31. Oktober 2003, Halloween. An diesem Tag zerstörte ein fast fünf Meter langer Tigerhai den Lebenstraum der damals dreizehn Jahre alten Wellenreiterin, und ein Leben begann, von dem wohl jeder Teenager träumt. Zwanzig Flugminuten von Honolulu vor der Küste des Tropenparadieses Kauai riß der Hai dem blonden Mädchen den linken Arm knapp unterhalb der Schulter ab, in ihrem Surfbrett klaffte eine Bißlücke. Der Hai muß die auf ihrem Brett liegende Bethany wohl mit einer Meeresschildkröte verwechselt haben, es war der vierte Angriff eines Hais auf Hawaii im Jahr 2003. Dank der schnellen Hilfe des Vaters ihrer Freundin, der den Stumpf abbindet, überlebt Bethany. Sie verliert viel Blut und ihr Lebensziel, Profisurferin zu werden. Hier endet Teil eins ihrer Geschichte. Den Angriff überlebt zu haben ist eigentlich schon ein Happy-End.

          Bethany Hamilton ist ein Produkt geworden

          Doch eineinhalb Jahre später steht Bethany Hamilton, nunmehr bekannt als die einarmige Surferin, mehrmals die Woche auf der Bühne. Teil zwei der Geschichte, die unglaubliche Rückkehr zum Wettkampfsport und der ungebrochene Lebensmut trotz ihres schweren Handicaps haben die mittlerweile Fünfzehnjährige zur amerikanischen Symbolfigur werden lassen. Sie redet in Talkshows rund um den Globus, gibt Interviews, spricht im Auftrag des Pentagons im Irak-Krieg vor verwundeten Soldaten, soll Schülern aus unterprivilegierten Familien Mut machen, engagiert sich für Wohltätigkeitsorganisationen und will Kindern aus der Tsunami-Region die Angst vor dem Meer nehmen. Ihr Buch "Soul Surfer" hat es in die Bestsellerliste der "Los Angeles Times" geschafft, ihr in kleinen Surfbrettchen abgefülltes Parfum "Stoked" und "Wired" wird in ganz Amerika verkauft. Sie wirbt für eine Surfmarke, einen Autohersteller und Produkte eines Mischkonzerns. Die Bücher Nummer zwei und drei sind in Planung, Hollywood dreht mit großem Budget einen Film über ihr Leben - Bethany Hamilton ist ein Produkt geworden.

          In ihrem Element
          In ihrem Element : Bild: AP

          "Ich versuche aus ihren fünfzehn Minuten Ruhm die Marke Bethany Hamilton zu machen", sagt ihr Manager Roy Hofstetter. "Unglücklicherweise wurde sie durch einen Unfall berühmt, aber sie hat es akzeptiert und will das Beste daraus machen." Der Freund der Hamiltons bot seine Hilfe an, als die Familie im Trubel um ihre Tochter die Übersicht zu verlieren drohte. Nun hat er Bethanys neues Leben in vier Abschnitte unterteilt. Da wäre zuerst natürlich das Surfen. Und tatsächlich ist sie wieder Weltklasse, kann sich behaupten gegen die beidarmige Konkurrenz. An Nummer zwei setzt Hofstetter das Thema Wohlfahrt, erst danach kommt die Werbung für Produkte, "an die sie glaubt". Punkt vier hat den Titel "Hollywood" - hier geht es um Bücher und Filme. Buch eins hat natürlich nicht Bethany geschrieben, sondern eine Autorin, die sich durch Werke über Madonna und Britney Spears auszeichnete. "Wir machen das nicht wegen des Geldes. Aber die Möglichkeiten sind da, und die Leute wollen die Geschichte hören", sagt Bethanys Vater Tom.

          „Ein Symbol für alles Gute“

          Bethany Hamilton selbst tritt mit einer entwaffnenden Naivität auf, steht das immense PR-Programm scheinbar unbeeindruckt durch. Ihr T-Shirt mit Sponsorenlogo ist pink, ihre Haare blond, die Haut braungebrannt. "Ich habe es geschafft, du kannst es auch", ist ihre Botschaft, "Mission" würde Hofstetter sagen. "Ich kann das alles nutzen, um so viel Gutes zu tun", sagt sie und strahlt mit ihrer Zahnspange. Mit "das alles" meint sie den Verlust ihres Armes. Wer ihre Homepage im Internet besucht, liest zuallererst einen Bibelvers. "Niemand in Amerika ist ein Symbol für alles Gute wie Bethany", meint ihr Manager. Wer kann das Glück der Eltern nicht verstehen, deren Kinder plötzlich Bethany toll finden und nicht mehr Britney? Und wer schon nicht surfen kann wie Bethany, der kann wenigsten riechen wie sie.

          Weitere Themen

          Wolfsburg rutscht aus dem DFB-Pokal

          0:2 in Leipzig : Wolfsburg rutscht aus dem DFB-Pokal

          Das hitzige Duell der Spitzenteams im Viertelfinale des DFB-Pokals geht an Leipzig. Wolfsburg scheidet auch deswegen aus, weil der Torjäger im schlechtesten Moment komplett den Halt verliert.

          Topmeldungen

          Musste zurückziehen: Neera Tanden im Februar in Washington

          Amerikanische Regierung : Bidens erste Niederlage

          Neera Tanden sollte das Haushaltsbüro von Joe Bidens Regierung leiten. Ihr Scheitern im Senat zeigt das Gewicht der Zentristen in der demokratischen Partei.
          Das Finanzimperium von Lex Greensill steht vor dem Aus.

          Finanzaufsicht sperrt Bank : Aufstieg und Fall des Lex Greensill

          Hinter der in Schieflage geratenen Greensill Bank steht die steile Karriere eines australischen Bauernsohns. Die findet jetzt ein abruptes Ende: Sein Finanzimperium kollabiert, Gläubigerschutz wurde beantragt. Auch deutsche Sparer sind betroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.