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Weitspringerin Xenia Achkinadze : „Ich freue mich total, ich habe richtig Bock“

Schneller laufen, weiter fliegen: Xenia Achkinadze hat ihre Technik umgestellt Bild: Picture-Alliance

Eigentlich wollte sie ihr Hobby Leichtathletik schon aufgeben. Dann wechselte Weitspringerin Xenia Achkinadze Trainer und Technik – und startet an diesem Freitag zum ersten Mal bei der Hallen-EM.

          Wenn es Medaillen für ansteckende Fröhlichkeit gäbe, wäre sie eine absolute Goldanwärterin. Weitspringerin Xenia Achkinadze besticht vor der Hallen-Europameisterschaft in Prag mit glänzender Laune und großen Erwartungen. „Ich freue mich total, ich habe richtig Bock“, sagt die Wahl-Wiesbadenerin vor ihrer ersten Teilnahme an einer großen Meisterschaft. Mit ihren 26 Jahren ist sie nicht mehr die Allerjüngste im Sandgrubenmetier.

          Und mit einer Saisonbestweite von 6,55 Metern, die ihr als Zweite der deutschen Hallenmeisterschaften das Ticket nach Prag bescherte, gehört die fröhliche Blonde auch nicht gerade zu den Top-Springerinnen im 23 Teilnehmerinnen starken Weitsprungfeld. Doch ihr Potential verspricht mehr. Dank ihrer enormen Schnelligkeit und einer völlig neu erlernten Anlauftechnik fühlt sie sich endlich „zu ziemlich großen Sprüngen“ berufen. Jetzt muss sie nur noch den Balken richtig treffen.

          Noch vor einem Jahr hatte die Polizeimeisterin mit ihrem Hobby Leichtathletik beinahe ganz aufgehört. Erst plagten sie Verletzungssorgen, dann musste sie bei den deutschen Meisterschaften schon vor dem ersten Sprung ihre Sachen packen, weil ihr damaliger Trainer Harry Letzelter vergessen hatte, sie ordnungsgemäß für den Wettbewerb anzumelden. Weitsprung-Bundestrainer Uli Knapp konnte sie danach nur mit Mühe davon abbringen, das Handtuch zu schmeißen - und zwar für immer. Als Sofortmaßnahme legte er der damals überhaupt nicht fröhlichen Sportlerin einen Trainer- und Vereinswechsel nahe. Knapp empfahl Peter Rouhi vom Wiesbadener LV (WLV), der ein Jahr vorher bei ihm hospitiert hatte.

          Es war zunächst eine dem Pragmatismus geschuldete Empfehlung, denn Xenia Achkinadze lebte wegen ihrer Ausbildung zur Polizeimeisterin sowieso in Wiesbaden. 1989 war sie im russischen Kurort Anapa in der Nähe der Olympiastadt Sotschi zur Welt gekommen, als Elfjährige kam sie mit ihrer Mutter nach Deutschland. Schon in Russland hatte sie mit Laufen und Springen begonnen, als Jugendliche trainierte sie zunächst bei Jahn Treysa, ehe sie über die LG Eintracht Frankfurt zum SC Gelnhausen gewechselt war, wo ihre Karriere unvollendet auszulaufen drohte.

          Bester Laune: Weitspringerin Xenia Achkinadze für ihrem internationalen Debüt in Prag

          Rouhi war zu seiner Zeit bei der Frankfurter Eintracht zwar selbst ein Acht-Meter-Springer gewesen, hatte beim WLV bislang aber nur eine Schar hoffnungsvoller Nachwuchsathleten betreut. Der 48-Jährige war sich zunächst auch nicht sicher, ob der Twen in seine U-18-Gruppe passen würde, doch diese Bedenken legten sich schnell: „Sie ist ein sehr angenehmer Mensch, kommt schon mit einem Lächeln ins Training“, schwärmt der hauptberufliche Finanzberater von seiner Spitzensportlerin, die er seit einem guten halben Jahr betreut. „Die Chemie stimmt. Das macht das Arbeiten einfach.“ Zugleich sei sie enorm ehrgeizig und lernwillig, was nun mit ihrer ersten EM-Teilnahme belohnt wird.

          „Er weiß, an welchen Schrauben er drehen muss“

          Weitsprungexperte Rouhi hatte schnell erkannt, dass Xenias Schnelligkeit ihr größerer Trumpf im Vergleich zur Sprungkraft ist, zumal die 1,74 Meter große und 60 Kilogramm schwere Athletin keine allzu langen Beine im Verhältnis zum Oberkörper hat. Als Trainer legt er viel Wert auf die exakte Ausführung der Sprinteinheiten, nicht so sehr auf möglichst großen Umfang. Zudem baut er gezielt Kraft- und Stabilisierungsübungen ein. „Er kennt meinen Körper, er weiß, an welchen Schrauben er drehen muss“, vertraut die Sportlerin ihrem Mentor. Ihre veränderte Technik fiel in der Szene schon auf und führte zu positiver Resonanz. „Du läufst ganz anders“, hörte sie von Konkurrentinnen. „Viel schöner.“

          Bilderstrecke

          Ihren Anlauf gestaltet sie mit 19 Schritten, die ersten vier sprunglaufartig. Über „fliegende zwanzig Meter“ erreicht sie ein Spitzentempo von 2,15 Sekunden. „Ein sehr guter Wert“, lobt Rouhi, der eine Steigerung ihrer Bestweite von 6,66 auf mindestens 6,80 Metern voraussagt - sofern sie die Genauigkeit verbessert. An der Zwischenmarke vier Schritte vor dem Brett beträgt ihre Streuung bisweilen 30 bis 40 Zentimeter. Dennoch will und muss sie in der EM-Qualifikation an diesem Freitag (12.15 Uhr) „mit einem gewissen Risiko“ anlaufen, um ihre Chance zu wahren, sich fürs Finale der besten acht am Samstag (16.45 Uhr) zu qualifizieren. „Schauen wir mal, ob es reicht.“

          Dass sie überhaupt mit dem Nationalteam an der Seite von Melanie Bauschke und Sosthene Moguenara am Mittwoch in das Flugzeug nach Prag steigen durfte, kam ihr schon wie die Erfüllung eines Traums vor. Noch 2014, als sie nur 6,44 in die Grube setzte, schien ihr die nationale Konkurrenz um Malaika Mihambo (6,90), Lena Malkus (6,88), Sosthene Moguenara (6,82) und Melanie Bauschke (6,72) weit enteilt. Dass ihr Freund und ihr Trainer ihr nun am Donnerstag gemeinsam mit dem Auto hinterherreisen, motiviert sie zusätzlich. Das Sightseeing-Programm soll sich aber möglichst auf die Leichtathletik-Halle beschränken. Denn Xenia Achkinadze will nicht als Touristin nach Prag reisen.

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