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Weitspringerin Malaika Mihambo : Sieben Meter auch im Kopf

Sprungkraft kommt nicht nur aus den Beinen: Malaika Mihambo hat die sieben Meter auch im Kopf Bild: AFP

Meditation und Visualisierung gehören für Malaika Mihambo zum Sport wie Sprunganalyse und Physiotherapie. Bei „Berlin fliegt“ will Deutschlands beste Weitspringerin wieder abheben.

          Viele Menschen kennen Städte oder Regionen, die für sie mit persönlichen Erinnerungen verknüpft sind und deshalb positive Gefühle hervor rufen. Berlin ist so ein Ort für Malaika Mihambo. „Ich mag den Flair von Berlin“, sagt die 25 Jahre alte Weitspringerin, „ich mag es, durch die Straßen der Stadt zu gehen. Gerade im Sommer ist Berlin sehr charmant.“ Mit der Hauptstadt fühlt sich die in Heidelberg geborene Kurpfälzerin persönlich verbunden, seit sie als 16-Jährige hier auf Klassenfahrt war.

          Und Berlin ist für sie auch die Stadt, in der ihr der bislang größte sportliche Erfolg gelang. Im vergangenen Sommer wurde sie bei den Leichtathletik-Festspielen im Olympiastadion Europameisterin im Weitsprung. Kein Wunder also, dass sich Malaika Mihambo auf ihre nächsten Auftritte in Berlin freut. Anfang August werden die deutschen Meisterschaften im Olympiastadion ausgetragen, wo sie ihren Meistertitel von 2018 verteidigen möchte. Und schon an diesem Samstag steht der Show-Wettbewerb „Berlin fliegt“ auf dem Tempelhofer Feld an, bei dem die 1,70 Meter große und 56 Kilo leichte Athletin das deutsche Spring- und Sprintteam im Länderwettkampf gegen die Vereinigten Staaten, Großbritannien und China anführt.

          Die Vorbedingungen sind ideal, denn Malaika Mihambo befindet sich derzeit in der Form ihres Lebens. Anfang Juni gewann sie die Golden Gala in Rom und überwand dabei erstmals in ihrer Karriere die Traumgrenze von sieben Metern: 7,07 Meter hatte sie in den Sand gesetzt, und dass das kein Ausreißer nach oben war, bestätigte sie eine Woche später in Dessau, wo sie bei 7,05 Metern landete.

          Zuvor hatte sie schon mehrmals an der magischen Marke gekratzt, war unter anderem beim Istaf Indoor 2019 in Berlin 6,99 Meter gesprungen. Dass es nun für die sieben vor dem Komma reichte, führte sie auch darauf zurück, zuletzt von Verletzungen verschont geblieben zu sein. Schon bei Olympia 2016 war sie mit 6,95 Meter auf Rang vier gesprungen, doch danach schränkten sie Probleme am Sprungfuß ein. „Jetzt bin ich am Durchtrainieren“, sagt sie, „habe Defizite abgebaut und kann deshalb stabil höhere Leistungen erzielen.“ Höhere Anlaufgeschwindigkeit, kombiniert mit einem festeren Abdruck ergibt eine höhere Flugkurve, also eine größere Weite: Weitsprung als physikalische Formel. Doch ein gelungener Weitsprung ist auch das Abbild dessen, was sich die Athletin selbst vorstellen kann.

          Gut in der Luft: in Rom springt sie 7,07 Meter weit

          Malaika Mihambo arbeitet mit dem Element der Visualisierung. Sie stellt sich vor, wie ihr Sprung aussehen sollte und sie weiß auch, wie ihr Körper sich in der Luft im Optimalfall anfühlt. In Kombination mit dem Feedback, dass ihr Trainer Ralf Weber gibt, entwickelte sie nach und nach das für sie optimale Sprungbild. Von Weber wird sie betreut, seit sie elf ist. Im Verlauf der 14 Jahre Zusammenarbeit hat sich ein nahezu symbiotisches Verhältnis entwickelt. „Wir kennen uns sehr gut, wir kommen aus den gleichen Strukturen, wir sind zusammen gewachsen“, sagt die Sportlerin. „Er hat an sich gearbeitet als Trainer wie ich an mir als Athletin.“

          In der Summe hat es sich ergeben, dass Malaika Mihambo, deren Vater aus Sansibar stammt, noch immer beim kleinen TSV Oftersheim in der LG Kurpfalz nahe Heidelberg trainiert. „Es ist für mich schön, in der Nähe von Familie und Freunden zu sein“, sagt sie. Doch wenn es sich anders ergeben hätte, wäre sie auch durchaus zu einem Großstadtverein gewechselt. „Es hängt nicht von der Vereinsgröße ab, es muss menschlich passen.“

          Dass die Studentin der Umweltwissenschaft, die ein Politikstudium bereits abgeschlossen hat, auch in der großen weiten Welt klarkommt, hat sie nicht zuletzt nach ihrem EM-Sieg von Berlin bewiesen, als sie mehrere Wochen durch Indien reiste. „Ich hatte nie Probleme damit, alleine zu reisen“, sagt sie. „Alleine reisen erweitert den Horizont.“ Ein besonders prägender Teil des Abenteuers – ein zehntägiger Meditationskurs: „Es war sehr intensiv, zehn Stunden am Tag ohne Handy, ohne Bücher, ohne Ablenkung, ohne Gespräche.“ Die Meditation diente der Selbstdisziplin, der Geistesarbeit, der Konzentrationsfähigkeit. „Es war eine der heftigsten Dinge, die ich bisher gemacht haben.“

          Nach ihrer Rückkehr baute sie die Fähigkeiten neben regelmäßiger Physiotherapie und gesunder Ernährung in ihren Kanon der Elemente ein, die ihr beim Leistungssport helfen. Sie meditiert täglich, setzt Meditation mit Weitsprungvisualisierung als Mittel aber nur gelegentlich ein. „Ich versuche, die Elemente spielerisch zu verwenden, wenn ich sie brauche, damit sich keine Routinen festsetzen.“ Insgesamt ergibt sich für Malaika Mihambo derzeit ein Grundgefühl, das ihr ermöglicht, Sprünge um sieben Meter zu produzieren, als wäre es ein Leichtes. Ihre Siege begießt sie dann mit Wasser oder Tee. „Feiern“, sagt sie, sei nicht so ihr Ding. „Aber es fehlt mir auch nicht.“ Nicht mal in Berlin.

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