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Weitspringer Irving Saladino : Die Überraschung gibt's erst in Peking

Auf dem Sprung in die Geschichtsbücher? Irving Saladino könnte es in Berlin gelingen Bild: AP

Irving Saladino ist der weltbeste Weitspringer. Am Sonntag könnte der Panamese beim Istaf in Berlin den Weltrekord und die Neun-Meter-Marke knacken. Seine neue Sprungtechnik will er dennoch erst bei den Olympischen Spielen zeigen.

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          Ist es möglich, neun Meter weit zu springen? „Weiß ich nicht“, sagt der beste Weitspringer der Welt. „Ich werd's am Sonntag versuchen.“ Irving Saladino ist offensichtlich bester Laune. Mit seinem Satz von 8,73 Metern, den er am vergangenen Wochenende in Hengelo in Holland machte, ist der Weitspringer in eine neue Dimension vorgestoßen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der legendäre Weltrekord des Bob Beamon (8,90 Meter) von 1968 hielt 23 Jahre, der von Mike Powell über 8,95 Meter besteht seit 14 Jahren. Ist die Zeit mit dem Auftakt der Golden League beim Istaf in Berlin gekommen für eine neue Bestleistung? „In Wirklichkeit ist das ziemlich schwierig“, sagt Saladino. „Man weiß ja nicht, wie gut man ist.“

          Nur einmal nicht gewonnen - und so viel Geld verloren

          Irving Saladino aus Panama ist seit zwei Jahren der beste Weitspringer der Welt. Seit er bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Moskau Ignisiuous Gaisah aus Ghana mit 8,29 Meter um nur einen Zentimeter unterlag, hat er nur einen einzigen Wettkampf verloren. Das allerdings war eine teure Niederlage. Weil er zwar in Brüssel, Oslo, Rom, Zürich und Berlin gewann, in Paris aber nicht, erhielt er statt seines Anteils am Jackpot von einer Million Dollar lediglich gut 80.000 Dollar für diesen Teil seiner Leichtathletik-Saison 2006.

          „Ich werde versuchen, die Neun-Meter-Marke in Berlin zu knacken”

          Seitdem ist er unbesiegt. Bei den Weltmeisterschaften von Osaka 2007 konnte er noch zulegen, als der Italiener Andrew Howe ihm mit 8,47 Meter im letzten Sprung wieder eine überraschende Niederlage beizubringen schien, indem er ihn - auch diesmal - um einen einzigen Zentimeter übertraf. Doch Saladino wartete ruhig eine Siegerehrung ab, rief sich seine Überlegenheit in der Welt des Weitsprungs ins Gedächtnis und hob ab: zu einem Satz von 8,57 Meter.

          Der Panamese Irving Saladino ist ein echter Weltbürger

          Obwohl er seitdem gewiss viel zu feiern hatte, scheint der 25 Jahre alte Athlet dünner in die neue Saison zu gehen. „Ich wiege immer noch 73 Kilo“, sagte er am Freitag, nachdem er aus seinem Sommerquartier Holland kommend in Berlin eingetroffen war. „Und ich habe noch genauso viel Kraft wie früher.“ 2004 nahm der internationale Leichtathletikverband (IAAF) den deutlich erfolgreichsten Weitspringer Südamerikas mit 21 Jahren in sein Nachwuchsförderprogramm auf und schickte ihn mit einem Stipendium zu dem erfahrenen Trainer Nelio Moura nach São Paulo.

          Der junge Mann ist ein Weltbürger. Seine Großmutter, eine Jamaikanerin, brachte seinen Vornamen aus Amerika mit. Dort hat auch er ein Jahr lang gelebt, nun teilt er das Jahr, wenn er nicht auf Wettkampfreise ist, zwischen São Paolo und Nijmwegen in Holland auf, dem Standort seines Managers.

          Keine Angst vor der Aufdeckung des Geheimnisses

          Der Vorteil, nicht in Panama zu leben, besteht nicht nur in der Anonymität, die den ersten Leichtathletik-Weltmeister seines Heimatlandes vor dem Überschwang seiner Landsleute schützt. Saladino wird von einem Meister seines Fachs ausgebildet, den auch der Deutsche Leichtathletik-Verband schon zur Weiterbildung seiner Trainer eingeladen hat.

          Er habe keine Angst, dass Moura dabei Geheimnisse ausgeplaudert haben könnte, sagt Saladino lachend in Berlin - und verrät, dass es tatsächlich Geheimnisse gibt. Im letzten Winter ihres gemeinsamen Förderprogramms haben der Trainer und sein bester Athlet die Technik geändert - „grundlegend“, wie Saladino sagt.

          „Zum Weltrekord fehlt nur noch der richtige Tag“

          „Sie soll eine Überraschung für die Olympischen Spiele in Peking sein.“ Wie er denn eine neue Technik verheimlichen wolle, wenn er am Sonntagnachmittag im Olympiastadion vor mehr als 60 000 Zuschauern und laufenden Fernsehkameras springt, muss sich Saladino fragen lassen. „Ich zeige sie in der Golden League nicht“, beharrt er. „Ich bin in Hengelo mit der alten Technik gesprungen, und das werde ich auch in Berlin tun.“

          Offenbar strebt Irving Saladino auf zwei Gleisen Gold an: mit der alten Technik im Wettkampf der Golden League, mit einer völlig anderen Technik vorerst allein im Training. Was er dann anders mache, ob er vielleicht sogar sein Sprungbein wechsle? Saladino lacht: „Dazu sage ich gar nichts.“ Und die Leistungsgrenze? „Zum Weltrekord fehlt nur der richtige Tag, die richtige Stimmung. Ich werde bei jedem Wettkampf versuchen, ihn zu übertreffen“, sagt Saladino. „Wenn ich nur ständig an meiner Technik arbeite, kommt er von ganz allein.“ An welcher Technik?

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