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Weibel contra Sinkewitz : „Wenn du was machst, fliegst du raus“

Hat Patrik Sinkewitz die Wahrheit gesagt? Bild: AP

Der ehemalige Rad-Bundestrainer Peter Weibel will dem Junior Patrik Sinkewitz mit Rausschmiss gedroht haben, sollte er Dopingmittel nehmen. Bislang hörte sich die Geschichte ganz anders an. Der Verband beginnt mit Ermittlungen.

          Was ist genau geschehen im Jahr 2000 in Plouay? Wusste der damalige Bundestrainer Peter Weibel von den Dopingpraktiken des Rennfahrers Patrik Sinkewitz? Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) möchte dies jetzt angeblich eruieren – er hat deshalb einen Bericht des deutschen Trainerstabes über die Weltmeisterschaften 2000 in Frankreich angefordert.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Er erwartet ihn in dieser Woche. Danach will der Verband mit all jenen reden, die sich seinerzeit mit dem deutschen U-23-Team, dem auch Sinkewitz angehörte, beschäftigt hatten. Der Hesse hatte unlängst zugegeben, schon damals Epo-Doping betrieben zu haben – laut Sinkewitz mit Wissen von Weibel und des BDR, dessen Präsident zu dieser Zeit Manfred Böhmer war.

          Auffällig hoher Hämatokritwert

          Weibel, der inzwischen wegen Dopinganschuldigungen suspendiert worden ist, hat nun dem von Rudolf Scharping geführten BDR über seinen Anwalt einen Brief zukommen lassen, in dem er die Vorwürfe von Sinkewitz – Plouay betreffend – bestreitet. Die Darstellung von Sinkewitz, heißt es in dem Schreiben, sei schlichtweg falsch. Weibel soll dem Fahrer, wie es heißt, sogar mehrmals damit gedroht haben, ihn „aus der Mannschaft zu schmeißen“, falls es Hinweise auf den Einsatz verbotener Mittel gäbe. Sinkewitz war im Jahr 2000, offensichtlich wegen eines auffällig hohen Hämatokritwertes, vorzeitig vom deutschen Verband nach Hause geschickt worden.

          Zu Auseinandersetzungen zwischen dem Nordbadener Weibel, der vor wenigen Wochen seinen dritten Herzinfarkt erlitten hatte, und Sinkewitz, der unlängst wegen Dopings eine einjährige Sperre erhalten hatte und dazu eine Geldbuße von 40.000 Euro, soll es allerdings schon vor Plouay gekommen sein. Auch in diesem Fall ging es um ein atypisches Blutbild bei Sinkewitz und somit um mögliche Verfehlungen des Sportlers. Auch damals will Weibel zu Sinkewitz gesagt haben: „Wenn du was machst, fliegst du raus.“

          Verband rechtfertigt Vorgehen

          Vermutlich wird sich der BDR noch eine Weile mit den Diskussionen um Sinkewitz, der im kommenden Jahr wieder in das Peloton zurückkehren will, und den in die Schusslinie geratenen Weibel befassen müssen – so wie auch der Fall des Radprofis Stefan Schumacher immer noch Kreise zieht. Bei Schumacher, der beim Team Gerolsteiner unter Vertrag steht, waren kurz vor den Weltmeisterschaften in Stuttgart auffällige Blutwerte festgestellt worden – der Nürtinger, der das ungewöhnliche Blutbild mit einer Durchfallerkrankung begründet hatte, durfte trotzdem bei dem Championat starten. Vor kurzem hatte Schumacher, der WM-Dritter geworden war, die Untersuchungsergebnisse, die es in seinem Fall vor und während der WM gegeben hatte, veröffentlicht.

          Auch hier versucht der Bund Deutscher Radfahrer, sein Vorgehen zu rechtfertigen. Der Verband machte nun darauf aufmerksam, dass die WM-Teilnahme Schumachers dem Reglement des Internationalen Radsportverbandes (UCI) entsprochen habe. Zwar waren für Schumacher zweimal ein Hämatokritwert von 50,5 (Mittelwert 50,5) und Hämoglobinwerte von 16,9 und 17,3 (Mittelwert 17,1) festgehalten worden. Doch um Schumacher zu bremsen, hieß es, hätten alle Werte über der Grenze liegen müssen. Durch den Hämoglobinwert von 16,9 (Grenze 17,0), so BDR-Präsident Rudolf Scharping, hätte sich bereits alles erledigt gehabt.

          „Höchstmaß an Sorgfalt“

          Der BDR will überdies in dieser Angelegenheit durch verschiedene Nachprüfungen „ein Höchstmaß an Sorgfalt“ gezeigt haben. Vier Labors seien eingeschaltet worden, und der Befund sei eindeutig gewesen: kein Bedarf für eine zweiwöchige Schutzsperre, kein Verdacht auf Doping – zumal die Analyse einer Urinprobe ein negatives Resultat gebracht habe.

          Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) übrigens hatte in Bezug auf eine mögliche Schutzsperre für Schumacher Erkundigungen bei der UCI eingezogen, weil sie in diesem Punkt offenbar keine klare Regelung erkannt hatte – ob also für eine mögliche Bestrafung überhöhte Mittelwerte zählen oder durch einen einzigen Wert unterhalb der Grenze eine Sanktion verhindert wird. Telefonisch wurde der Nada von der UCI mitgeteilt, dass dabei der Einzelfall betrachtet werden müsse.

          Kürzlich betonte Hans-Michael Holczer, der Chef des Teams Gerolsteiner, er sei hundertprozentig davon überzeugt, dass Schumacher nicht manipuliert habe. Der Fall bleibt gleichwohl grenzwertig.

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