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Vom Ring auf den Laufsteg : Die Verwandlung des Boxers Frank Kilp

  • -Aktualisiert am

Bei der Kernarbeit: Boxer Frank Kilp Bild: Archiv

Modeln statt Faustkampf: Die Corona-Krise macht den erst 19 Jahre alten Boxer Frank Kilp erfinderisch. Doch die zumindest momentane Abkehr vom Sport dürfte nicht jedem gefallen.

          2 Min.

          Vor ein paar Tagen hat er einen Modelvertrag unterschrieben. Mit seinen 69 Kilogramm, verteilt auf 1,84 Meter, macht Frank „the Tank“ Kilp etwas her. Er ist gespannt, was da künftig an Angeboten der Agentur auf ihn zukommt. Auf alle Fälle Neuland. Sein eigentlicher Laufsteg ist der Boxring. Da macht ihm, dem 19-Jährigen, so schnell niemand etwas vor. Die Zahl seiner Kämpfe? „Ich habe aufgehört zu zählen, aber um die hundert dürften es sein, davon etwa 85 Siege.“

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          In fünf Altersklassen wurde der Darmstädter jeweils deutscher Meister. „Er ist ein Mann für 24“, sagt Michael Müller, der Sportdirektor des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV), kurz und knapp. Für ihn ist der Teenager ein Kandidat am Horizont, für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Es ist davon auszugehen, dass sie beim DBV nicht sonderlich begeistert sind über die Modelpläne eines hoch gehandelten Talents. Seit gut drei Wochen macht Kilp sein eigenes Ding, denn der Olympiastützpunkt Rhein-Neckar Heidelberg, wo er trainiert und die Woche über lebt, hat wegen Corona bis auf weiteres dichtgemacht.

          Jetzt zieht sich der Heimaturlaub wie ein überlanges Wochenende. Wenn nicht gerade ein Wettkampf anstand, ging es in der Vergangenheit samstags wie sonntags nach Hause zur Familie. Relaxen, vielleicht auch abhängen mit den Brüdern nach stressigen Tagen im Internat mit jeweils drei Trainingseinheiten. Daneben musste gepaukt werden für „BK1, einen Abschluss zwischen mittlerer Reife und Fachhochschule“ erläutert Kilp. Den hat er geschafft. Und nun?

          „Kreativität ist gefragt“

          Sie sollen sich fit halten, haben die Trainer den Boxern mit auf den Weg gegeben. Ohne sich und andere zu gefährden als Auflage. Aber was bleibt, wenn die Halle, in der die Athleten der TG 75 Darmstadt normalerweise trainieren, geschlossen ist, genauso wie der Sportplatz mit der Laufbahn? Solange sie durften, haben sich die Kumpel vom Klub, in dem Kilp mit neun Jahren am Sandsack angefangen hat, nachmittags auf dem Bolzplatz oder im Wald getroffen. Für das übliche Programm – nur in der freien Natur. Aufwärmen, Schattenboxen, Pratzentraining. Kilb konnte und kann dem momentanen Ausnahmezustand etwas abgewinnen: „Das fördert die Eigenständigkeit, Kreativität ist gefragt.“ Gerade jetzt. So wie er am Telefon klingt, wird ihm schon was einfallen als Kür neben dem ungeliebten Lauf frühmorgens um sieben Uhr als Pflicht.

          Wo er mit seinem Können einzuordnen ist, zeigen ihm die Kämpfe im Ring. Etwa wenn es mit der Staffel des Boxteams Hessen um Bundesligapunkte geht. Am 14. März stand in Darmstadt das Duell gegen BSK Hannover-Seelze auf dem Programm. Die Hessen wären mit einem Sieg in das Halbfinale um die deutsche Mannschafts-Meisterschaft eingezogen. Aber der Kampfabend wurde ersatzlos gestrichen, die Saison in ihrer entscheidenden Phase vom Verband für beendet erklärt. Die Corona-Pandemie als höhere Gewalt.

          Im Terminkalender hatte sich Frank Kilp den 2. April als Termin für die Abreise zu einem Turnier in Paris notiert. Gestrichen. Dabei würde er so gerne auf internationaler Bühne punkten. Er hat schon an Europameisterschaften teilgenommen, aber für eine Medaille hat es noch nicht gereicht. Und so, wie es aussieht, wird den Weltergewichtler die Atempause des Sports Zeit kosten auf dem Weg nach oben. Von seinem einst im Überschwang formulierten Berufswunsch Astronaut hat er inzwischen Abstand genommen, nachdem er die extrem hohen Anforderungen realisiert hat. Für den Boxer ist modeln vorerst dagegen nur ein flüchtiger Seitensprung, das Experiment eines Teenagers, dem klar ist, sich in erster Linie „auf eine Sache, nämlich Boxen, zu konzentrieren“. Aber mit einer parallelen Karriere zu kokettieren darf ja wohl in Zeiten des Verzichts erlaubt sein.

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