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Abraham bleibt Weltmeister : Klasse und Kalkül

  • -Aktualisiert am

Viel riskiert, viel gewonnen: Arthur Abraham mit seinem WM-Gürtel. Bild: AP

Freiwilliger Härtetest: Arthur Abraham verteidigt seinen WM-Titel gegen den Briten Martin Murray. Dabei muss er durch zwölf knallharte Runden. Doch es geht gut. Nun will Abraham mehr.

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          Mal ganz fest durchpusten! Kalle und Wilfried Sauerland, den Chefs des Berliner Boxstalls, ging es nicht anders als Trainer Ulli Wegner, der sich mit seinen 73 Jahren und kaum verheiltem Achillessehnenriss in den Rundenpausen immer wieder in die Ringecke zu Arthur Abraham gequält hatte.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Puh! Noch mal gutgegangen!

          Abraham hatte gegen den Engländer Martin Murray nach zwölf knallharten Runden seinen WM-Titel im Supermittelgewicht nach der Version der WBO verteidigt. Zwei der drei Punktrichter hatten ihn vorn gesehen. „Cheat!“, skandierten die englischen Fans, die den Kampf von Anfang bis Ende besungen hatten. Betrug, Betrug!

          Doch das war es nicht. Das Urteil war in Ordnung, auch wenn der Kampf eng war, sehr eng. Abraham hatte nach sechs Runden zurückgelegen, doch dann zog er mit all seiner unaufgeregten Klasse, seinem klugen Kalkül das Tempo an und bog den Kampf um, hinzu kam eine Verwarnung für Murray in der elften Runde, und am Ende sprach auch die Schlagzahl für den Deutschen: 141:125 notierten die Statistiker.

          Die Enttäuschung im englischen Lager war groß, und sie war verständlich. Die Fans leiden seit Jahren mit Murray, dem Fighter aus der Merseyside, einem Freund des Fußballidols Wayne Rooney, mit dem er die Attitüde des Straßenkämpfers teilt. „Road Warrior“ nennen sie Murray, der sich im Ring ebenso auskennt wie im Gefängnis. Und wer den Kampf gegen Abraham sah, kann verstehen, warum. Es gibt gewiss größere Vergnügen, als Murray zwölf Runden gegenüberzustehen, seinen Fäusten und seinem Blick zu widerstehen. Und nun hat es der Engländer also wieder nicht geschafft, mit dem Titel nach Hause zu gehen. „Das nächste gebrochene Herz“, schrieb die „Daily Mail“ am Tag danach.

          Abraham ging ein enormes Risiko ein

          Murray ist seit Jahren die tragische Figur des Berufsboxens. Er könnte, wenn weiterhin alles so konsequent schiefläuft, als bester Kämpfer seiner Generation in die Geschichte des Boxens eingehen, der nie Weltmeister wurde. Der Kampf gegen Abraham war sein vierter Anlauf, viermal ist er gescheitert. Drei Niederlagen in WM-Kämpfen, jetzt gegen Abraham, zuvor gegen den Argentinier Sergio Gabriel Martinez 2013 und den Kasachen Gennady Golovkin im vergangenen Februar, dazu 2011 ein Remis gegen Felix Sturm, das ist eine für Murray niederschmetternde Bilanz, die umso mehr schmerzt, als er zweimal, gegen Sturm und Martinez, der klar bessere Mann war, aber das Pech hatte, „auswärts“, im Land des Gegners antreten zu müssen.

          Murray, 33 Jahre alt, kommt aus dem Mittelgewicht, der Auftritt gegen Abraham war sein erster großer Kampf eine Klasse höher. Grund ist Gennadi Golovkin, der im Mittelgewicht als unschlagbar gilt und aktuell der beste Boxer quer durch alle Gewichtsklassen ist. Murray hatte es gegen Golovkin versucht, hielt elf Runden durch, danach aber war ihm klar: Gegen den Kasachen ist kein Kraut gewachsen, da hilft das größte Kämpferherz nichts, die beste Kondition, der stärkste Wille, gegen diesen Mann hat niemand eine Chance. Also ist Murray ins Supermittelgewicht hochgerückt, in eine Klasse, die Abraham dominiert, ohne sie völlig zu beherrschen.

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