https://www.faz.net/-gtl-ct9

Wasserspringen : Chinas Diva hat ihre Pflicht erfüllt

  • -Aktualisiert am

Objekt der Paparazzi: Wasserspringerin Guo Jingjing Bild: AFP

Trotz gekrümmter Knie bestach sie mit Eleganz. Trotz Kurzsichtigkeit flog sie traumwandlerisch durch die Luft. Nach vierzehn Goldmedaillen erklärt Chinas bekannteste Athletin den Rücktritt. Die glamouröse Wasserspringerin Guo Jingjing will heiraten.

          Guo Jingjings Eleganz versetzte selbst ausgewiesene Kenner in Entzücken. Eine bessere Botschafterin für das Wasserspringen gebe es nicht, schwärmte Bundestrainer Lutz Buschkow im Olympiajahr 2008 in Peking. Nun wird eine neue Botschafterin gesucht. Nach vierzehn Goldmedaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften in Folge erklärte Chinas mit Abstand bekannteste Athletin den Rücktritt. Aus den Schlagzeilen wird sie dennoch nicht verschwinden, zumindest nicht in ihrer Heimat.

          Schon nach ihren ersten beiden Olympiasiegen von Athen stieg die heute 29 Jahre alte Sportlerin immer wieder vom Becken auf den Laufsteg, trat als Modell, in Fernsehshows und Videoclips auf. Seitdem kursieren im Internet Fotomontagen. Manche zeigen Guo entblößt an tropischen Stränden, andere hochschwanger, Spekulationen über mögliche prominente Väter inklusive. Dabei ist Guo seit sieben Jahren vergeben.

          Angeblich schon im kommenden Sommer wird Kenneth Fok, Sohn des milliardenschweren Unternehmers Timothy Fok aus Hongkong, seine Auserwählte ehelichen. Das mobilisiert die Regenbogenpresse in Fernost. Als Guo im Dezember 2009 bei den Ostasienspielen in der einstigen Kronkolonie vor den Augen ihres Verlobten ihren letzten internationalen Titel gewann, drängten sich am Beckenrand mehr Paparazzi als Sportreporter.

          Sehnsucht nach Privatleben: Chinas Diva will heiraten

          Die Aufstieg vom Aschenputtel in die High Society

          Dass Chinas Spitzenspringerinnen sich einen Prominenten aus Hongkong angeln, hat schon fast Tradition. Fun Mingxia, Guos Vorgängerin als weltbeste Athletin ihres Fachs und wie sie vierfache Olympiasiegerin, ist mit dem einstigen Finanzminister der Stadt, Anthony Leung, verheiratet. Die Geschichte vom Aschenputtel, dem die vollendete Verwandlung und der Aufstieg in die High Society gelingt, ist auch zu gut.

          Aufgewachsen in der ärmlichen Inlandsprovinz Hebei wurde Guo als Sechsjährige für das Wasserspringen entdeckt, trotz körperlicher Defizite. Angeblich litt sie unter gekrümmten Knien, ein Makel für eine Athletin, die auch durch Anmut die Preisrichter überzeugen soll. Zwei Jahre lang habe sich ihr 70 Kilogramm schwerer Vater allabendlich auf die Knie seiner vor Schmerzen wimmernden Tochter gesetzt, heißt es in Internetberichten.

          Sie könne alles eigentlich nur schemenhaft erkennen

          Ihr zweites Handicap konnte Guo Jingjing stets leichter kompensieren. Traumwandlerisch sicher bewegte sie sich vom Sprungturm bis zum Eintauchen, notgedrungen. Sie könne alles eigentlich nur schemenhaft erkennen, gestand sie kurz vor den Spielen von Peking in einem Fernsehinterview. Beim olympischen Fackellauf zeigte sie sich erstmals mit Brille, als Modell trägt sie Kontaktlinsen. Guo Jingjing wirbt für alles, vom Hamburger über Kühlschränke bis zum Autoreifen. Auf mindestens eine Million amerikanische Dollar schätzte Forbes ihr Jahreseinkommen kurz vor Olympia 2008.

          Schon unmittelbar danach hatte sie eigentlich ihre Karriere beenden wollen, doch die Funktionäre ließen sie nicht los. So gelang ihr bei der WM in Rom 2009 zum fünften Mal der Doppelsieg im Einzel- und Synchronspringen, vielleicht ein Rekord für die Ewigkeit. Auch bei den prestigeträchtigen Nationalspielen und den Ostasientitelkämpfen im selben Jahr sprang sie zu Gold. Bei den Asienspielen im Herbst 2010 allerdings fehlte Guo, obwohl auch diese in China ausgetragen wurden. Seitdem mehrten sich die Rücktrittsgerüchte.

          Die Nachfolgerinnen gelten als ähnlich talentiert, aber pflegeleichter

          Sie habe ihrem Wunsch entsprochen, das Nationalteam zu verlassen, verkündete Cheftrainerin Zhou Jihong generös, vielleicht auch mit einem leichten Aufatmen. Mit Guo Jingjing verliert sie ein halbes Jahr vor der Heim-WM in Schanghai nicht nur die überragende Springerin des letzten Jahrzehnts, sondern auch eine launenhafte Diva.

          Mehr als einmal stand Guo vor dem Rauswurf, weil sie mehr Zeit vor der Kamera als in der Schwimmhalle verbrachte. Mehr als einmal schäumten Chinas Staatsmedien, wenn Guo mal wieder ihre Rolle als Vorzeigeathletin vergaß, schnippisch Journalisten auslachte und um Autogramme bittende Kinder ignorierte. Guos Nachfolgerinnen, geformt aus dem weltgrößten Pool an Spitzenspringerinnen, stehen schon parat. Viele gelten als ähnlich talentiert, aber ungleich pflegeleichter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD-Regionalkonferenz Hamburg : Moin, Moin

          Die Kandidatentour der SPD ist in Hamburg angekommen – der Heimat des Favoriten Olaf Scholz. Aber ist es deshalb auch ein leichtes Heimspiel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.