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Wasserball : Zäher Sparringspartner gesucht

  • -Aktualisiert am

Athletischer Sport: Wasserball Bild: dpa

Hagen Stamm hat wieder einmal gefeiert: den 61. Titelgewinn der Wasserfreunde Spandau. Doch Stamm ist auch Bundestrainer und muß das Gemeinwohl des deutschen Wasserballs im Auge behalten.

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          Eine kleine Rechenaufgabe: 24 + 20 + 11 + 4 + 2. Macht? "Puh", sagt Hagen Stamm, "Mathematik am Sonntagmorgen, bitte nicht." Stamm - und das geht als Entschuldigung durch - hat es aber auch wirklich schwer. Er ist Präsident des Wasserballvereins Spandau 04, der erfolgreichsten Mannschaft Deutschlands. Bei zwei europäischen und elf deutschen Supercupsiegen, vier Landesmeister-Pokalen, 20 nationalen Pokalgewinnen und 24 Meistertiteln können einem die Grundrechenarten leicht zum Feind werden. Zumal an einem Sonntagmorgen, dem ein harter Samstagabend vorausging. Zu feiern hatte Stamm am Samstag die Verteidigung der deutschen Meisterschaft und den insgesamt 61. Titelgewinn der Wasserfreunde. In der Serie "Best of five" schlugen die Berliner den ASC Duisburg klar mit 3:0 Siegen.

          Der schnelle Triumph seiner Mannschaft freute Stamm lediglich bedingt. Stamm ist nämlich nicht nur Spandaus Präsident, sondern auch Bundestrainer und muß als solcher immer das Gemeinwohl des deutschen Wasserballs im Auge behalten. "Die Leistungsunterschiede zwischen den beiden Finalisten waren so kraß wie lange nicht mehr", sagt Stamm. "Von Duisburg hatte ich mir wesentlich mehr Gegenwehr erhofft. Die Mannschaft besitzt ein größeres Potential, als sie gezeigt hat." Einen zähen Sparringspartner hätten die Wasserfreunde, die einen Großteil der deutschen Nationalspieler in ihrem Klub versammeln, gut gebrauchen können. Denn schon Anfang Juni wartet eine Herausforderung auf das Team von Hagen Stamm. Dann findet in Slowenien die Europameisterschaft statt.

          Der deutschen Auswahl sind starke Gruppengegner zugelost worden, unter anderen Weltmeister Spanien und der EM-Zweite Italien. "Wasserball in der Bundesliga und Wasserball auf internationalem Niveau sind zwei verschiedene Sportarten", sagt Stamm. "In internationalen Spielen geht es körperlich hart zur Sache. Man muß viel einstecken und sich jeden Pfiff der Schiedsrichter hart erarbeiten." Den Ernstfall konnten Spandaus Nationalspieler bislang nur in der Champions League proben. Die Bundesliga dominierten die Berliner souverän; zwar schieden sie im Pokal gegen Canstatt aus, verloren aber weder in der Hauptrunde der Liga noch in den Play-offs eine Partie.

          Trotz fehlenden Konkurrenzdrucks im eigenen Land sind die Resultate in der europäischen Meisterliga beachtlich. Erstmals seit 1995 haben sich die Wasserfreunde wieder für ein Halbfinale qualifizieren können. Gegner beim "Final Four" in Genua ist am 16. März der ungarische Meister Honvéd Budapest. "Ich bin optimistisch", sagt Hagen Stamm. "An einem guten Tag können wir jede Mannschaft schlagen. An einem schlechten allerdings auch gegen jede Mannschaft verlieren. Wir müssen alle Kräfte bündeln und einen guten Tag erwischen."

          Manager Sven-Uwe Dettmann hofft ebenfalls auf einen starken Auftritt in Genua. Derzeit befindet sich Dettmann nach eigener Aussage "in aussichtsreichen Gesprächen mit Sponsoren"; ein Sieg in der Finalrunde könnte also gewichtige Argumente für ein Engagement beim deutschen Rekordmeister liefern. Dettmann braucht dringend Geld - und zwar zur Begleichung der Kosten für die Italien-Reise. Dabei denkt Dettmann nicht an die Aufwendungen für Flugtickets und Verpflegung. Der Manager fürchtet, daß seine Mannschaft in Genua von Spieleragenten zerpflückt wird. "Wenn ein griechischer oder italienischer Klubchef das Portemonnaie aufmacht, können wir zwar nicht mithalten", sagt Dettmann. "Aber ich würde meinen Spielern gern kleine finanzielle Anreize geben, Spandau treu zu bleiben." Mitte Mai wird Dettmann also rechnen müssen, wenn er neue Verträge aushandelt. Dabei darf Dettmann auf die Hilfe von Präsident Stamm zählen, der einen Fahrradgroßhandel führt und eigentlich sicher mit Zahlen jongliert - bloß am frühen Sonntagmorgen nicht. 

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