https://www.faz.net/-gtl-ahjon

Sexismus im Sport : Meine Haut, meine Entscheidung?

Spricht über den „latenten Sexismus“ in ihrem Sport: Tennisspielerin Andrea Petkovic Bild: AP

Beachhandballerinnen müssen enge Shorts tragen, Beachhandballer nicht: Warum es ein Problem ist, wenn Sportlerinnen nicht selbst wählen können, was sie anziehen.

          1 Min.

          Kleidung kann sprechen. Hosen, T-Shirts, Tops sagen etwas. Sagen etwas darüber aus, wer wir sind. Wähle ich dieses oder jenes Kleidungsstück? Manchmal aber gibt es Vorschriften, die die Wahl beeinträchtigen, zum Beispiel im Sport. Und wie so häufig gelten hier andere Regeln für Männer und Frauen. Sie werden erst sichtbar, wenn Frauen protestieren und zeigen: Hier ist ein Detail anders.

          Bei der EM im Juli trugen norwegische Beachhandballerinnen Radlerhosen statt knappe Bikinihosen. Dafür mussten sie eine Strafe von 1500 Euro zahlen, wegen „unangemessener Bekleidung“. Nun hat der Handball-Weltverband IHF auf die Proteste reagiert und die Kleiderordnung geändert. Vom 1. Januar an dürfen Frauen „kurze, eng anliegende Hosen“ im Wettkampf tragen. Ein vermeintlicher Fortschritt, der umso deutlicher zeigt: Männer und Frauen sind im Sport nicht gleich. Während die Männer in weiten Hosen spielen, soll die Sportkleidung bei den Frauen schön eng sein!

          Leistungen übersehen

          Warum? Weil der Blick auf Frauen im Sport immer noch ein männlicher ist. Ein Blick, der ihre schönen Körper anschaut und ihre Leistungen übersieht. Die Körper von Leistungssportlerinnen sind ihr Kapital – sie bekommen Instagram-Likes, Werbekunden, Geld. Nicht nur ihre Leistung zählt.

          Wer als Sportlerin nicht gut genug aussieht, hat deutlich schlechtere Chancen auf Werbeverträge. Sportler hingegen können durch ihre Leistung wirken. Sie profitieren in der Welt, die jahrhundertelang durch Männer geprägt wurde und in der immer noch Männer die Macht haben.

          Wer diskutiert schon über die Tennisshorts von Alexander Zverev oder Roger Federer? Bei den Outfits von Serena Williams, Angelique Kerber und Andrea Petkovic sieht es anders aus. Petkovic beklagte in einem Interview mit Sportschau.de am Montag den latenten Sexismus in ihrem Sport. Nach Spielen erhielten Frauen aufreizende Nachrichten und Kommentare in den sozialen Medi­en. Die Themen: ihre Outfits und die Frisur.

          Die einzige Möglichkeit für Frauen im Sport: sich wehren. Und immer wieder zu zeigen, welche Details anders sind als bei ihren männlichen Kollegen. Petkovic ist in der Sache inspiriert von der Tennisspielerin Billie Jean King, einer Frau, die in den sechziger Jahren und Anfang der siebziger immer wieder auf die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern im Tennis hinwies und eine gleiche Bezahlung forderte.

          „Ohne sie würde es keinen professionellen Frauensport geben, wie er heute existiert“, sagte Petkovic. Wer sich wehrt, kann Neues schaffen. Wer sich wehrt, hat vielleicht irgendwann die Wahl, ob Haut zu sehen sein soll oder nicht.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

          Weitere Themen

          Das Beste kommt erst noch

          Hamburger Pokal-Coup : Das Beste kommt erst noch

          Tempo, Mut und ein wenig Glück: Der HSV spielt in Köln mit hohem Einsatz. Nach ihrem Sieg freuen sich die Hamburger aufs Derby gegen den FC St. Pauli: „Das Spiel ist noch wichtiger.“

          Topmeldungen