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Belgien gewinnt Hockey-WM : Was Deutschland vom Weltmeister lernen kann

Der Jubel war kaum zu bremsen: die belgischen Hockey-Spieler nach ihrem WM-Triumph. Bild: AFP

Ein Erfolg vom Reißbrett: Der neue Hockey-Weltmeister Belgien beendet mit dem Triumph im Endspiel einen alten Finalfluch. Deutschland, im Viertelfinale gegen den späteren WM-Sieger unterlegen, kann sich von alldem einiges abschauen.

          Gegen den späteren Weltmeister im Viertelfinale ausgeschieden – mehr als dieses kleine Trostpflaster blieb den deutschen Hockeyspielern nicht, bevor sie nach der WM in Bhubaneswar nun ins Flugzeug stiegen, das sie vom warmen Indien ins kalte Deutschland zurückbringen sollte. Belgien, das sich in der Runde der letzten acht zwar beim 2:1 nur knapp, aber trotzdem hochüberlegen gegen das deutsche Team durchgesetzt hatte, erreichte alle Ziele auf einmal: Nach dem überragenden 6:0 im Halbfinale gegen England sicherten sich die Belgier im Penaltyschießen des Finales erstmals den Titel, und dass der Endspielgegner der Nachbar aus den Niederlanden gewesen war, wird die Freude noch einmal erhöht haben. Und nebenbei erklomm der neue Weltmeister und olympische Silbermedaillengewinner von Rio 2016 auch noch den ersten Platz der Weltrangliste.

          Der belgische Erfolg ist am Reißbrett entstanden, und der lange Weg nach ganz oben begann vor rund fünfzehn Jahren. Damals setzte der Königliche Belgische Hockeyverband auf ausländische Trainer, um seine Nationalmannschaft näher an die weit entrückte Weltspitze heranzuführen. Bei der WM 2006 in Deutschland zeigte sich erstmals, dass mit Belgien künftig zu rechnen sein würde. Und diese Entwicklung nahm ganz steile Züge an, als im deutschen Nachbarland ähnlich wie in den Niederlanden auf Vollprofitum gesetzt wurde und auch ausländische Spieler die Wettkampfdichte in der belgischen Liga verstärkten.

          Den Schritt auf die oberste Stufe bislang verpasst

          Doch den letzten Schritt auf die oberste Stufe verpasste Belgien bislang stets: Im EM-Finale 2013 im heimischen Boom gab es ein 1:3 gegen Deutschland, im olympischen Finale in Rio war die argentinische Strafeckenstärke für das 2:4 verantwortlich, und bei der EM 2017 in Amstelveen reichte die 2:0-Pausenführung gegen die Niederlande nicht – am Ende stand es 2:4. Scheinbar lastete da ein Finalfluch auf den Belgiern, und der schien sich nun auch im fernen Indien fortzusetzen. Denn im Penaltyschießen führten die Niederlande schnell 2:0, weil die ersten beiden belgischen Schützen scheiterten. Dann aber wurde Torwart Vincent Vanasch zum großen Helden dieses Endspiels, das für die Belgier noch einen besonderen Spannungsbogen kurz vor dem Gewinn des ersten großen Titels parat hielt.

          Als Arthur de Sloover zum vermeintlich entscheidenden 3:2 getroffen hatte, die belgische Mannschaft schon jubelnd auf ihren Schützen zugelaufen und die ersten Tränen geflossen waren, schritt der von den Niederländern angefragte Videoschiedsrichter ein und kassierte den Treffer wieder ein, weil de Sloover die Kugel verbotenerweise auch mit dem Fuß berührt hatte. Doch wenige Augenblicke später wiederholte sich die Jubelarie, nachdem Vanasch abermals pariert und Florent van Aubel getroffen hatte – und diesmal stoppte niemand die Belgier mehr.

          Bei ihrer Analyse der Weltmeisterschaft werden sich Bundestrainer Stefan Kermas und Sportdirektor Heino Knuf Gedanken über die internationale Entwicklung machen müssen. Schließlich wird bei den Finalgegnern dieser WM ein anderes Programm gefahren – die Nationalteams haben während des gesamten Jahres wöchentliche gemeinsame Trainingstage und kommen so zu ganz anderen Trainingsumfängen. „Natürlich ist das immer ein besondere Qualität, wenn Nationalspieler gemeinsam trainieren“, hatte Kermas schon vor Beginn dieser WM gesagt, „aber es heißt nicht, dass dies automatisch zum Erfolg bei der WM führt.“ Zumindest aber erhöht sich ganz offenkundig die Wahrscheinlichkeit. Dass trotzdem nicht immer alles klappt, zeigt das Beispiel England, wo das Nationalteam ebenfalls zu Lasten des Ligenbetriebs zusammengezogen wurde: Dem 0:6 im Halbfinale gegen Belgien folgte ein 1:8 im Spiel um Platz drei gegen Australien.

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