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Hoffnung für Frauenhandball : Von Bietigheim lernen

  • -Aktualisiert am

Triumph in Dänemark: Die Bietigheimerinnen holen den Pokal. Bild: picture alliance / Marco Wolf

Der deutsche Frauenhandball lässt aufhorchen und schöpft Hoffnung – sportlich und strukturell. Die Bundesliga wird weiter professionalisiert.

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          Jubelnde deutsche Handballfrauen nach einem großen Finale – das hatte es zuletzt in den neunziger Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts gegeben. Seitdem waren die Ballwerferinnen in Verein und Nationalmannschaft im Aufmerksamkeitsschatten verschwunden: Kaum Erfolge, keine Fernsehzeiten – Frauenhandball verkam zum regionalen, ja lokalen Phänomen.

          Was auch an hausgemachten Schwierigkeiten lag, etwa im Auskommen von Liga (HBF) und Verband (DHB). Immer wieder ging es darum, dass es den deutschen Klubs an Professionalität mangele – und in der Folge auch der DHB-Auswahl. „Es ist ungünstig, wenn sich die Spielerinnen neben dem Handball um ihre berufliche Karriere kümmern müssen“, hatte der neue Bundestrainer Markus Gaugisch bei seinem Amtsantritt gerade erst gesagt.

          Beachtlicher Triumph

          Seit dem Wochenende schöpft die Sparte Frauenhandball wieder Hoffnung – es gab jubelnde Spielerinnen aus Bietigheim zu sehen. Die SG BBM schlug im Finale der European League in Viborg die Gastgeberinnen 31:20.

          Zwar ist die European League nur die zweitwichtigste europäische Spielrunde, doch war der Bietigheimer Triumph auch deshalb so beachtlich, weil zuletzt die Frauen aus Leipzig im Vorgängerwettbewerb gewonnen hatten – das war in der Saison 1991/1992. Grußbotschaften nach Bietigheim gab es daraufhin viele.

          Auch DHB-Präsident Andreas Michelmann war begeistert, glaubt an einen Impuls für den deutschen Frauenhandball. Er hat den Frauenhandball auf der Verbands-Agenda nach oben geschoben und musste doch viele Enttäuschungen erleben. Zuletzt ging es mit Henk Groener als Bundestrainer nicht weiter; letztlich endete auch diese vielversprechende Liaison ernüchternd.

          Dass nun Markus Gaugisch die deutschen Frauen zu den Olympischen Spielen 2024 und ins Halbfinale der Heim-WM ein Jahr später führen soll, ist nach drei ausländischen Trainern folgerichtig; es steht auch für den Schulterschluss zwischen Liga und Verband: Als Trainer der Bietigheimerinnen leitetet Gaugisch gerade ein perfekt zusammengestelltes Team an.

          Fünf deutsche Auswahl-Spielerinnen, drei starke Niederländerinnen, ein wenig Ostblock plus Skandinavien – die SG hat 50-Mal in Serie gewonnen, auch alle zwölf Partien in der European League. Aus dem Double kann das Triple werden, denn der deutsche Pokalwettbewerb steht Ende Mai noch aus.

          Es war ein Wochenende, an dem der Frauenhandball sportlich und strukturell aufhorchen ließ. Ab der Saison 2024/25 wird die Bundesliga weiter professionalisiert; zwölf statt 14 Klubs, Playoffs und ein Mindestbudget von 500.000 Euro sollen dazu beitragen. „Großartige Entwicklungsmöglichkeiten“, sieht Präsident Michelmann durch das bis 2027 gültige Papier.

          Bei der Liga klang das skeptischer; eine „Vereinbarung, die mit möglichst viel Leben gefüllt“ werden müsse, urteilte HBF-Chef Andreas Thiel. Michelmann wünscht sich, dass andere dem Beispiel Bietigheim folgen und dadurch die Nationalmannschaft stärker wird. In Bietigheim wird mit dem Sponsorengeld eines Hemdenherstellers hochprofessionell gearbeitet. Bei aller Freude über das Resultat vom Wochenende und die erhoffte Wirkung: Von der finanziellen Ausstattung der SG BBM können alle anderen nur träumen.

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