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Boxen : Warum sich Amerika nicht für Klitschko interessiert

  • -Aktualisiert am

Im Training: Wladimir Klitschko Bild: AP

In der Nacht zum Sonntag steigt Wladimir Klitschko im New Yorker Madison Square Garden in den Ring. Doch wer will den Kampf gegen Bryant Jennings in den Vereinigten Staaten überhaupt sehen? In Übersee lockt der in Deutschland so populäre Boxer niemanden an.

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          Als Wladimir Klitschko im November 2014 zuletzt im Ring stand, dauerte es bis zur fünften Runde, ehe er seinen Gegner mit einer machtvollen Rechten auf die Matte schickte und damit den ungleichen Kampf beendete. „Das hat heute Abend Spaß gemacht“, sagte er, nachdem er seinen Weltmeistertitel in der Version der in den Vereinigten Staaten ansässigen International Boxing Federation (IBF) erfolgreich verteidigt hatte, und bekräftigte seinen Anspruch auf einen Platz im Heldenhimmel seiner Sportart. „Ich habe erneut bewiesen, dass ich der Beste bin“, lautete seine Einschätzung. „Ich habe gezeigt, dass ich ein Champion bin.“

          Die Auseinandersetzung mit dem bis dahin ungeschlagenen Bulgaren Kubrat Pulev, der froh sein konnte, die erste Runde überstanden zu haben, fand zu später Stunde in der ausverkauften Hamburger O2 Arena statt – vor mehr als 14.000 Zuschauern. Die Einschaltquote, die RTL erzielte, konnte sich ebenfalls sehen lassen. Mehr als neun Millionen Zuschauer verfolgten an jenem Samstagabend, wie der jüngere der beiden Klitschko-Brüder zum 17. Mal nacheinander einen WM-Kampf gewann.

          Vergleichsweise dünnes Interesse

          Das Echo Tage später aus den Vereinigten Staaten, wo der 39-Jährige seit einigen Jahren nördlich vom glamourösen Miami Beach in einem Penthouse am Strand wohnt, klang vergleichsweise dünn. Der Pay-TV-Sender HBO, der kurz zuvor die Übertragungsrechte für ein Paket mit drei Kämpfen angekauft hatte, kam auf knapp 700.000 Zuschauer unter seinen 28 Millionen Abonnenten. Mal gerade doppelt so viele, wie HBO Boxing auf Twitter folgen, und ein Wert, der weit unter dem liegt, was in Nordamerika rechtschaffen interessante Kämpfe - egal in welcher Gewichtsklasse - an Pay-per-View-Käufern mobilisieren können, die für das Vergnügen 60 Dollar und mehr ausgeben.

          Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich die einstige Fernsehsportart Nummer eins in den Vereinigten Staaten zu einem Minderheitenprogramm entwickelt. Und dass sie sehr viele Hebel in Bewegung setzen muss, um sich im Überangebot der vollgepfropften Kabelkanäle noch Gehör zu verschaffen. Weshalb Klitschko an diesem Samstag zur Abwechslung nicht nur gegen einen Amerikaner boxt - Bryant Jennings aus Philadelphia.

          Verteidigen wird er gleich drei Weltmeistertitel: den von der WBA, der WBO und der IBF. Und als Kampfplatz wählten die Organisatoren den New Yorker Madison Square Garden. Denn der gilt als berühmteste Sportarena der Welt und kommt mit dem Image-Ertrag berühmter Kämpfe aus einer Ära, als man mit namhaften Boxern locker die große Halle mit einem Fassungsvermögen von knapp 20.000 Zuschauern füllen konnte.

          Hier boxte Muhammad Ali gegen Joe Frazier, hier traten Sugar Ray Robinson, Jake LaMotta, Joe Louis und Rocky Marciano auf. Doch davon lässt sich heute nicht mehr zehren. Der einzige Pluspunkt ist die Lage der Halle: Sie hat einen Einzugsbereich von 18 Millionen Menschen. Von denen sollten sich einige tausend zu einem Kampf locken lassen, bei dem ein paar WM-Gürtel auf dem Spiel stehen.

          Doch als Klitschko und Jennings vor ein paar Tagen im Rahmen einer Telefonpressekonferenz Fragen internationaler Journalisten beantworteten, flocht der Promoter zu Beginn rasch noch ein wichtiges Detail ein: Es sind noch immer Eintrittskarten zu haben. Ebenfalls noch nicht komplett verkauft: das „exklusive VIP-Paket“ für happige 3500 Dollar, das einen Sitz nahe am Ring garantiert und Zugang zu einer „Meet and Greet-Party“ mit dem ehemaligen Weltmeister Evander Holyfield in einem der aufgepimpten, abgeschotteten Barbereiche in dem Entertainment-Komplex in Midtown Manhattan.

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