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Kein Wimbledon und Olympia : Damit Nadal glücklich bleibt

]In Wimbledon nicht dabei: Rafael Nadal legt eine Pause ein. Bild: AFP

„Es ist keine leichte Entscheidung, aber es ist die richtige Entscheidung“: Warum Tennis-Star Rafael Nadal weder in Wimbledon noch bei Olympia antritt.

          2 Min.

          Wimbledon, das bedeutet: Traumstätte jedes Tennisspielers, Sehnsuchtsort aller Spitzenprofis, Herzstück jeder Saison. Egal, ob man sich auf dem Rasen pudelwohl fühlt oder die Grashalme eher für Kühe geeignet hält wie früher der in Wimbledon dauerfrustrierte Ivan Lendl: Dem Ruf des traditionsreichsten Turniers entzieht sich keiner so schnell. Erst recht nicht Rafael Nadal.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon als Knirps auf Mallorca wurde ihm von Onkel Toni eingebimst, dass Wimbledon das größte aller Tennisturniere sei. Seine Autobiographie hat Rafael Nadal damit begonnen, die Stille auf dem Centre Court von Wimbledon zu beschreiben. Später geht es dann um die überwältigende Freude, als er 2008 zum ersten Mal an der Londoner Church Road triumphierte. Dem legendären Fünfsatzsieg gegen Roger Federer folgte 2010 ein zweiter Triumph.

          Nicht so topfit wie gewöhnlich

          Ein drittes Mal wird es für Rafael Nadal nicht geben, zumindest nicht in diesem Jahr. Über die sozialen Netzwerke ließ der Spanier am Donnerstag mitteilen, dass er sowohl auf die Teilnahme an dem wichtigsten Rasenturnier verzichtet, das am Montag in einer Woche beginnt, wie auch danach auf die Olympischen Spiele in Tokio.

          Die zurückliegende Sandplatzsaison habe ihn arg beansprucht, schreibt Nadal, der in der vergangenen Woche bei der Halbfinalniederlage von Roland Garros gegen Novak Djokovic schon nicht so topfit wirkte wie gewöhnlich. „Es ist keine leichte Entscheidung, aber nachdem ich auf meinen Körper gehört und mit meinem Team darüber gesprochen habe, verstehe ich, dass es die richtige Entscheidung ist.“

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          In seiner langen Profikarriere hat der 35-Jährige schon dreimal auf eine Wimbledon-Teilnahme verzichten müssen, vor allem wegen seiner empfindlichen Sehnen. Nun tritt er zum ersten Mal aus freien Stücken nicht an. Damit folgt er dem knapp fünf Jahre älteren Federer, der schon 2016 damit begonnen hat, ein bedeutendes Turnier auszusortieren, wenn es nicht in seine Titelplanung passt.

          Dreimal nacheinander reiste der Schweizer nicht nach Roland Garros, um sich zu schonen und lieber bestmöglich auf Wimbledon vorzubereiten. 2017 hatte er damit Erfolg und holte seinen achten Titel. Nun modelt also auch Nadal um, aus dem selben Grund wie einst Federer: „Um meine Karriere zu verlängern und fortzusetzen, was mich glücklich macht.“

          Paris-Veranstalter mitverantwortlich

          Schon zu Jahresbeginn hatte der Weltranglistendritte nach den Australian Open eine Pause eingelegt, weil der malade Rücken ihn dazu zwang. Mitte April kehrte er zurück, gewann die Sandplatzturniere in Barcelona und Rom, verpasste schließlich seinen 14. Pariser Triumph.

          Dass die Veranstalter von Roland Garros mitverantwortlich sind für seinen Rückzug, daraus macht Nadal keinen Hehl. Die Pariser hatten ihr Turnier eine Woche nach hinten verlegt und sich damit den Ärger von Spielern sowie Direktoren anderer Turniere zugezogen. Die Pause zwischen Roland Garros und Wimbledon beträgt dadurch in diesem Jahr gerade einmal zwei Wochen. Weshalb es auch nicht verwunderte, dass bei den deutschen Rasenturnieren in Stuttgart und vor allem Berlin reihenweise Topspieler absagten.

          Ebenso wie Rafael Nadal erspart sich auch die Japanerin Naomi Osaka, in London in einer Wimbledon-Blase zu leben. Die Weltranglistenzweite ließ ihren Agenten knapp verkünden, dass sie sich eine Auszeit nehme, „um Zeit mit ihren Freunden und ihrer Familie zu verbringen“. Bei Olympia will Osaka, die in Paris bekannt hatte, gelegentlich unter Depressionen zu leiden, dagegen antreten. Der Österreicher Dominic Thiem macht es andersherum, er spielt in Wimbledon und schenkt sich den Trip nach Tokio, um danach fit seinen Titel bei den US Open zu verteidigen.

          Aus für Kohlschreiber in Halle

          Der frühere Davis-Cup-Spieler Philipp Kohlschreiber ist als letzter deutscher Tennisprofi beim ATP-Turnier im westfälischen Halle ausgeschieden. Der 37 Jahre alte Augsburger musste sich im Viertelfinale an diesem Freitag dem an Nummer vier gesetzten Russen Andrej Rubljow 6:7 (4:7), 2:6 geschlagen geben. Nach 81 Minuten war das Aus des Routiniers besiegelt. Für den einstigen Top-20-Spieler war es der erste Viertelfinal-Einzug seit zwei Jahren gewesen, seit er in München 2019 unter die besten Acht gekommen war. Schon bei den French Open hatte Kohlschreiber mit dem Einzug in die dritte Runde überrascht.

          In Halle waren außer Rubljow alle anderen gesetzten Spieler früh ausgeschieden. Auch der Schweizer Topstar Roger Federer und die deutsche Nummer eins Alexander Zverev hatten schon im Achtelfinale verloren und damit in der Vorbereitung auf Wimbledon einen Rückschlag erlitten. Rubljow trifft im Halbfinale am Samstag auf den Georgier Nikolos Bassilaschwili, der den Südafrikaner Lloyd Harris 6:4, 7:6 (7:5) bezwang. Im zweiten Halbfinale stehen sich der Kanadier Felix Auger-Aliassime und der Franzose Ugo Humbert gegenüber. (dpa)

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