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NBA-Playoffs : Warum Dennis Schröder ein Quälgeist ist

Von Braunschweig in die NBA: Dennis Schröder hat es geschafft Bild: AFP

Nach Dirk Nowitzki trumpft mit Dennis Schröder ein zweiter Deutscher derzeit in der NBA groß auf. Seine Geschichte könnte eine aus Hollywood sein. Nun erhält Schröder ein besonderes Zeichen der Anerkennung.

          4 Min.

          Seine Geschichte könnte eine aus Hollywood sein: Ein 16 Jahre alter Junge verspricht seinem todkranken Vater, eines Tages in der besten Basketball-Liga der Welt zu spielen, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen, niemals den Glauben an sich und das gemeinsame Ziel zu verlieren. Zweieinhalb Wochen nach diesem Gespräch erleidet der Vater einen Herzinfarkt, er stirbt im Alter von 46 Jahren. „Rest in peace“ – diesen Schriftzug hat sich Dennis Schröder auf seinen linken Arm tätowieren lassen. Ruhe in Frieden – es ist eine Erinnerung an seinen Vater Axel. Schröder hat Wort gehalten.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          21 Jahre ist der Mann aus Braunschweig inzwischen alt. In seiner zweiten NBA-Saison für die Atlanta Hawks gilt der Aufbauspieler als eine der Entdeckungen überhaupt. „Dennis hat hier hart an sich gearbeitet und ist immer besser geworden“, sagt sein Trainer Mike Budenholzer. „Er hat uns oft aus schwierigen Situationen herausgeholfen.“ Dem Fünfundvierzigjährigen ist etwas Erstaunliches gelungen. Aus einer Reihe talentierter Jungs formte er eine geschmeidig laufende Basketball-Maschine.

          Homogenes Team statt Einzelkönner

          Keine andere Mannschaft in der NBA ist so homogen aufgestellt, nirgendwo sonst können in der entscheidenden Phase einer Begegnung alle Spieler den Unterschied machen, kommt es nicht nur auf den einen herausragenden Einzelkönner an. So wurden die Atlanta Hawks zum Überraschungsteam der Vorrunde: 60 Siege bei nur 22 Niederlagen bedeuteten Platz eins in der Eastern Conference noch vor den favorisierten Cleveland Cavaliers mit ihrem Superstar LeBron James. In der ersten Play-off-Runde treffen Schröder und die Hawks nun auf die Brooklyn Nets. Das erste Spiel gewann Atlanta verdient 99:92, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (1.00 Uhr MESZ) steht nun die zweite Partie an.

          Schröder ist ein Puzzlestück im System von Trainer Budenholzer: der erste Einwechselspieler. Seine Aufgabe: Dampf machen. 126 Spiele hat er in seiner NBA-Karriere absolviert und seine Statistiken mehr und mehr nach oben geschraubt. 9,8 Punkte erzielte Schröder nun in dieser Hauptrunde durchschnittlich pro Partie, lieferte 4,2 Assists und sicherte sich 2,1 Rebounds. Der Lohn: Schröder wurde beim All-Star-Wochenende in die Weltauswahl der besten Nachwuchsspieler gewählt. Ihm selbst ist das nicht genug: In spätestens fünf Jahren will Schröder ein richtiger All-Star sein.

          Die Voraussetzungen hat er, das bescheinigen ihm alle Experten. Kaum ein Spieler in der NBA hat einen derartigen Speed wie Dennis Schröder. Vor allem mit seinen ersten schnellen Schritten zieht er oft an seinen Gegenspielern vorbei oder kann nur durch ein Foul gestoppt werden. Doch das allein reicht nicht. Schröder hat auf seiner Position eine der schwierigsten Aufgaben im Basketball überhaupt. Er muss den Ball sicher nach vorne bringen, Angriffe einleiten, Mitspieler in Position bringen, selbst Gefahr ausstrahlen - und er darf dabei so wenige Fehler wie möglich machen.

          Trainer Budenholzer hat immer wieder mit Schröder daran gearbeitet, Einzelgespräche geführt, Videoanalysen gemacht, an den Würfen des Deutschen gefeilt. Mit Erfolg. Schröders Spiel ist unberechenbarer geworden, seit einigen Monaten trifft er auch von jenseits der Drei-Punkte-Linie immer besser und regelmäßiger. Damit zwingt er die gegnerischen Verteidiger, herauszurücken, ihn zu attackieren, um dann vielleicht im Eins-zu-eins-Duell wieder vorbei zum Korb zu ziehen. „Dennis hat eine unglaubliche Entwicklung hinter sich, er beeindruckt uns immer wieder aufs Neue“, sagt sein Teamkollege Kyle Korver, ein All-Star.

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