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Neuer, alter Bundestrainer : Der Hockey-Weise

  • -Aktualisiert am

Macht jetzt wieder Praxis: Deutschlands alter, neuer Hockeynationaltrainer Markus Weise Bild: dpa

Ein Nothelfer – und mehr: Der deutsche Hockeybund hat den Goldtrainer Markus Weise vom DFB zurückgeholt. Das könnte sich für beide Seiten als ein Glücksgriff erweisen.

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          Man kann leicht den Eindruck gewinnen, der Mann habe seinen Vornamen abgelegt. Denn immer, wenn im Hockey von Markus Weise die Rede war, fehlte dieses Synonym nicht: Weise, der Gold-Coach, wahlweise auch der Gold-Trainer und natürlich der Gold-Schmied. Schließlich hat er Geschichte geschrieben, führte als bislang einziger Hockeytrainer Damen und Herren zum Olympiasieg. 2004 gelang den Damen der damals sensationelle Coup in Athen, 2008 in Peking und 2012 in Peking waren die deutschen Herren das Maß aller olympischen Dinge. Längst vergangene goldige Zeiten, nun hilft Weise in der Not nach dem Rücktritt von Bundestrainer Stefan Kermas aus. Im November muss Deutschland zu zwei Play-off-Spielen in Mönchengladbach gegen Österreich antreten, um sich einen Platz für die Olympischen Spiele in Tokio zu sichern. Und der ist für den Deutschen Hockey-Bund existentiell wichtig, bedeutender als diese drei Goldmedaillen.

          Aufgewärmtes, das weiß man aus der Küche, schmeckt nicht immer – in diesem Fall war es vermutlich nicht nur die naheliegendste, sondern auch die beste Lösung. Weises Engagement beim Deutschen Fußball-Bund, zu dem er nach der Hockey-EM 2015 zwecks Mitarbeit bei der Konzeptionierung der geplanten Fußball-Akademie in Frankfurt gewechselt war, endete im Sommer. Und er war also nicht nur frei für die heikle Aufgabe, er hat damit auch Erfahrung. Denn bei allen Erfolgsgeschichten, die mit seinem Namen verbunden sind, gab es ja auch kleine Dellen. 2007, als er gerade von den Hockeydamen zu den Hockeyherren gewechselt war, verpasste die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes als Weltmeister überraschend die direkte Olympia-Qualifikation und musste den Umweg über ein Ausscheidungsturnier gehen.

          Nach der Theorie wieder die Praxis

          Ein Jahr später waren sie Olympiasieger, aber so optimistisch, auf eine Wiederholung der Geschichte zu hoffen, wird niemand sein. Vor allem Weise nicht, dessen Rückkehr sich ohnehin auf diese zwei Spiele und deren Vorbereitung beschränkt. Die Gefahr, sich im Fall des Scheiterns den eigenen Ruhm zu bekleckern, ficht ihn nicht besonders an – so wie ihn früher auch nicht die vage Aussicht auf Goldmedaillen anspornte. Doch nach knapp vier Jahren theoretischer Arbeit beim DFB reizt zumindest der kurze Praxistest. Mannschaften entwickeln – das war seine Triebfeder.

          Als möglicher Bundesstützpunktleiter in Hamburg könnte er künftig seinen Teil dazu beitragen, vielleicht rückt er in beratender Funktion auch näher an die Nationalteams. Für den Deutschen Hockey-Bund, zu Beginn des Jahres in heftige Strukturdiskussionen verwickelt, die zu einem neuen Präsidium führten, ist dies eine unverhofft günstige Entwicklung. Der Verband bekommt einen kritischen und unabhängigen Geist hinzu, dessen Wort Gewicht hat und dessen Reputation Türen öffnet. Das kann nie schaden. Und Goldschmied bleibt Weise ohnehin für immer.

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          Peter Penders

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