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Deutsche Eishockey-Liga : Die große Enttäuschung der Kölner Haie

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Haie ohne Biss: Immerhin Kölns Maskottchen Sharky macht bei den Rheinländern derzeit noch Laune. Bild: Picture-Alliance

Manch einer in Köln träumte schon vom ersten Eishockey-Titel seit 2002 – doch davon sind die Haie weit entfernt. Das bekommt auch Sportdirektor Mahon zu spüren. Nur einer macht bei Köln noch Laune.

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          Zu den Höhepunkten bei Heimspielen der Kölner Haie gilt seit einigen Jahren eine Spielunterbrechung Mitte des letzten Drittels. Dann kommt das Maskottchen Sharky und legt zu basslastiger Stimmungsmusik einen veritablen Breakdance aufs Eis. Das erfreut vor allem die Kinder in der riesengroßen Köln-Arena – erst recht, wenn Sharky zum Abschluss seinen Rückwärtssalto auspackt. Normalerweise klatscht dann die ganze Halle, die Stimmung ist pünktlich zur Schlussphase angeheizt.

          Auch am vergangenen Freitag kam das Maskottchen rund zehn Minuten vor dem Ende der Partie gegen die Augsburger Panther und zeigte seine Verrenkungen. Doch nach Applaus war kaum jemandem unter den mehr als 10.000 Zuschauern zumute. Stattdessen gab es Pfiffe und Buhrufe. Was nicht etwa am tanzenden Plüsch-Hai lag, sondern am Umstand, dass die Kölner kurz zuvor das 0:3 kassiert hatten. Am Ende stand die fünfte Niederlage in Folge und die achte im zehnten Spiel. Und auch wenn die Haie am Sonntag danach 3:2 in Krefeld gewannen, ist die Laune am Rhein alles andere als entspannt.

          Der KEC ist derzeit die Enttäuschung der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Weil die Erwartungen ganz andere waren. Nicht wenige Beobachter hielten die Kölner für das einzige Team, das den Topmannschaften aus Mannheim und München gefährlich werden könnte. Manch einer in Köln träumte gar vom ersten Titel seit 2002. Gründe für Optimismus gab es ja genug: eine starke Vorsaison samt Halbfinaleinzug, kluge Verpflichtungen wie die des Iserlohner Topstürmers Jon Matsumoto und vor allem: ein neuer Trainer.

          Im Frühjahr hatte Mike Stewart den Außenseiter aus Augsburg auf Platz drei der Hauptrunde und ins siebte Play-off-Halbfinale gegen München geführt. Endlich, so jubelten sie im Sommer im Umfeld der Haie, gebe es in Köln wieder einen Trainer mit einem klaren Plan. Einen, der dem stets gutbezahlten, aber oft lethargisch wirkenden Kader Beine macht. Einen, der aufregendes, energiegeladenes Eishockey spielen lässt. Von der Anfangsbegeisterung ist nicht mehr viel übrig. Erst drei Siege, Platz elf, schwächste Offensive (1,8 Tore pro Spiel), schwächstes Überzahlspiel (8,7 Prozent Erfolgsquote). Zahlreiche Stürmer sind in der Krise, auch die Schusseffizienz der Kölner ist die schwächste der Liga (6,8 Prozent). Zudem brechen sie regelmäßig im zweiten Drittel ein, ihre Tordifferenz im Mittelabschnitt von minus sieben spricht Bände, auch in der Statistik gilt: Kein DEL-Team ist schlechter.

          Torflaute und Fan-Ärger

          Woran das liegt, kann niemand mit Gewissheit sagen. Zwar gab es diverse Verletzungen, hier und da fehlt es auch mal an Tempo, aber grundsätzlich spielen die Haie nicht wie eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller. Doch sie treffen das Tor nicht: Jon Matsumoto, Frederik Tiffels und Ben Hanowksi stehen nach elf Spielen bei jeweils nur einem Tor; Jason Bast, Fabio Pfohl und Lucas Dumont haben noch gar nicht getroffen. „Man braucht kein Experte zu sein, um zu sehen, dass wir Probleme haben mit dem Toreschießen“, sagt Mark Mahon, doch gänzlich unzufrieden ist der Sportdirektor nicht: „Wir sind auf einem gutem Weg in den letzten fünf Spielen.“ Bestes Beispiel sei der Sieg in Krefeld: „Da haben wir nach dem Ausgleich direkt zwei Tore geschossen, das war wichtig für uns, weil wir eine Phase hatten, in der einige Spieler ihre Leichtigkeit ein bisschen verloren hatten. Ich glaube, dass wir genügend Qualität haben, um nach oben zu kommen.“ Aber natürlich „braucht das Zeit mit vielen neuen Spielern und einem neuen Trainer“.

          Geht es nach Teilen der Fans, ist die Zeit des Sportdirektors hingegen abgelaufen. Beim Augsburg-Spiel waren „Mahon-raus“-Rufe zu hören. Er habe es abermals nicht geschafft, das viele Geld sinnvoll zu investieren. Geschäftsführer Philipp Walter bleibt gelassen: „Wir sind von der Qualität und Stärke des Kaders überzeugt und vertrauen auf ihn“, sagte er der „Kölnischen Rundschau“. Mahon selbst habe die Rufe nicht mitbekommen, wie er sagt. Verständnis zeigt er dennoch: „Unsere Fans sind leidenschaftlich und emotional, und die Fans möchten die Haie natürlich siegen sehen.“

          Die nächsten Möglichkeiten dazu bieten sich am Wochenende. An diesem Freitag kommt der Tabellenletzte Schwenningen, am Sonntag steigt das erste Derby der Saison gegen die Düsseldorfer EG. Das dürfte ein echter Stimmungstest werden. Verlieren die Haie auch gegen den alten Rivalen, könnte es ungemütlich werden. Aber es kann auch ganz anders laufen, wie Mahon weiß: „Spiele gegen Düsseldorf sind besondere Spiele mit viel Emotionen, da kann man viel wiedergutmachen.“ Nicht nur Sharky hofft drauf.

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