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Los Angeles Rams : Der Super Bowl hat schon jetzt einen Sieger

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Gemeinsame Arbeit: Selbst das einstige Enfant terrible Ndamukong Suh (Nummer 93) ist bei den Rams zu einem echten Teamplayer geworden. Bild: AFP

Egal, wie das Spektakel ausgeht: Die Los Angeles Rams haben bereits vor dem NFL-Endspiel Grund zur Freude. Drei Jahre nach dem Umzug ist ein mutiger Plan aufgegangen. Dahinter steckt vor allem die Arbeit zweier Männer.

          To gain in value, zu deutsch Wertsteigerung, gehört zu den liebsten Redewendungen nordamerikanischer Sportunternehmer. Was das angeht, ist Stan Kroenke gerade äußerst zufrieden. Dem umtriebigen Besitzer der Los Angeles Rams, zu dessen Imperium unter anderem die Denver Nuggets (Basketball), Colorado Avalanche (Eishockey) und der FC Arsenal gehören, ist es gelungen, den Wert seiner Football-Marke in den vergangenen zwei Jahren mehr als zu verdoppeln.

          Als die Rams noch in St. Louis ansässig waren, bezifferte sie das Fachmagazin Forbes auf 1,45 Milliarden Dollar. Mittlerweile liegt das Volumen im Bereich um die 3 Milliarden Dollar, was größtenteils am Umzug vom Mittleren Westen in die zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten zusammenhängt. Nach dem Erreichen des Super Bowls, in dem es am Sonntag gegen die New England Patriots geht, darf Kroenke auf einen weiteren Zuwachs hoffen. Erst Recht, sollten sich die als Außenseiter ins Spiel gehenden Rams durchsetzen.

          Ein Glastempel für fünf Milliarden Dollar

          Egal wie das Spiel ausgehen mag: Kroenke und seine Footballer haben jetzt schon gewonnen, allein durch die Entscheidung, sich wieder in Los Angeles anzusiedeln. Die Westküstenmetropole ist ein mystischer Markt, wo Gedeih und Verderben nah beieinander liegen. Wie nah, ist gerade sehr gut anhand der beiden ansässigen Football-Teams zu verfolgen. Während sich für die Chargers, die vor zwei Jahren aus San Diego nach Los Angeles kamen, kaum jemand interessiert, haben sich die Rams innerhalb kurzer Zeit zu den Lieblingen der Stadt aufgeschwungen. Dabei half ihnen, dass sie zwischen 1946 und 1994 schon einmal ortsansässig waren, während die Chargers nur 1960 für ein Jahr in LA spielten.

          Dass die Rams im dritten Jahr nach ihrer Rückkehr im Super Bowl stehen, hilft ihnen bei der Rückansiedlung. Sportlich sind sie ihrem Zeitplan voraus. Noch bevor das neue, hochmoderne Stadion voraussichtlich 2020 eröffnet wird, stehen sie im Finale. In Inglewood entsteht gerade für fünf Milliarden Dollar ein Glastempel. Der Bau einer neuen Spielstätte gehörte zu den Bedingungen, die Kroenke für den Umzug stellte. Sein Plan, die Rams in Los Angeles zu einer Marke von nationaler Strahlkraft zu machen, geht jetzt schon auf.

          Dafür bedurfte es neben des Umzugs und des neuen Stadions auch einiger geschickter Personalentscheidungen. Vor drei Jahren zahlten die Rams einen hohen Preis, um beim Draft, der jährlichen Talentauswahl, als Erste auswählen zu dürfen. Dafür gaben sie den Großteil ihres Wahlrechts für 2016 und 2017 an die Tennessee Titans ab. Die Rams entschieden sich für Jared Goff, einen jungen Quarterback aus Kalifornien, der als Lokalheld das Gesicht des Unternehmens werden sollte. Schon ein Jahr zuvor waren sie ein großes Risiko eingegangen, als sie den talentierten, aber bis dahin sehr verletzungsanfälligen Running Back Todd Gurley verpflichteten.

          Zunächst schien es, als würde sich der hohe Einsatz nicht auszahlen. Gurley spielte nach gutem Start immer schwächer, und Goff erlebte eine katastrophale Debütsaison. Ihre erste Spielzeit in Los Angeles beendeten die Rams mit vier Siegen und 12 Niederlagen. Schlimmer hätte der Beginn in der Showstadt, wo Verlierern nur Spott zuteil wird, kaum verlaufen können. In ihrer Not trafen die Verantwortlichen eine dritte Entscheidung, für die sie von der Konkurrenz belächelt wurden. Sie entließen den erfahrenen, erzkonservativen Trainer Jeff Fisher, einen anerkannten Fachmann und Liebhaber eisenharter Verteidigung, und heuerten in Person von Sean McVay den jüngsten Cheftrainer in der Geschichte der modernen NFL an. Am Tag der Vertragsunterschrift war McVay, ein Offensivtüftler, 30 Jahre alt.

          Neuer Trainer, mehr Profit

          Der Neuling veränderte die Dynamik innerhalb des Unternehmens. Anders als Fisher gelang es ihm, Goffs Potential sichtbar werden zu lassen. Und auch Gurley profitierte von der neuen offensiven Ausrichtung. Der Running Back wurde schnell zu einem der dominierenden Läufer in der National Football League. McVay ist in der Lage, das Beste aus seinen Spielern heraus zu holen. „Er bringt uns immer in die richtige Position, sodass wir alle erreichen können“, sagt Receiver Brandin Cooks.

          „Wir haben keine Angst Fehler zu machen und greifen immer wieder an“: Sean McVay, Trainer der Los Angeles Rams.

          McVays erstes Jahr endete mit dem Aus in der ersten Play-off-Runde gegen die Atlanta Falcons. Als Konsequenz verpflichteten die Rams im Frühjahr erfahrene Kräfte, die den Talenten in kritischen Phasen hilfreich zur Seite stehen sollten. Vor allem die Verteidigung um den überragenden Aaron Donald wurde verstärkt. Veteranen wie Ndamukong Suh oder Aqib Talib kamen, dazu Marcus Peters. Alles Spieler, die viel Geld kosteten, viel Qualität versprachen aber auch im schlechtesten Fall viel Ärger wegen ihrer streitbaren Charaktere. Doch wieder zahlte sich das hohe Risiko, das die Rams gingen, aus. Alle Neuen fügten sich ins Team ein und hoben das Niveau noch mal deutlich an. Selbst Suh, ein Enfant terrible der NFL, gibt sich plötzlich als Teamplayer. Über den Finaleinzug sagt er: „Dafür war eine unglaubliche Teamleistung notwendig, das hätte kein Einzelner schaffen können.“

          Die Rams wurden von Beginn an ihrer Favoritenrolle in der National Football Conference gerecht, auch wenn im Halbfinale bei den New Orleans Saints viel Glück vonnöten war, um es in den Super Bowl zu schaffen. Los Angeles profitierte von einer eklatanten Fehlentscheidung der Schiedsrichter. Die Rams waren in aller Munde, weil einer ihrer Verteidiger einen Spieler der Saints regelwidrig am Passfang gehindert hatte. Die Szene wurde noch Tage nach dem Spiel auf allen Kanälen diskutiert. In Sachen Aufmerksamkeit hätte es kaum eine bessere Wertsteigerung geben können, sehr zum Gefallen von Stan Kroenke.

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