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Depressionen im Leistungssport : „Ein Schock, den man nie vergisst“

Behielt für sich, was ihn quälte: Yannic Corinth Bild: Patrick Pilz

Leistungssportler sollen stark sein. Ist das der Grund, warum Yannic Corinth niemanden ins Vertrauen zog, bevor er sich umbrachte? Zehn Jahre nach Robert Enkes Suizid ist das schwierige Thema immer noch genauso akut.

          7 Min.

          Philipp Birkner hat wieder von seinem besten Freund erzählt, diesmal vor einem Saal voller Orthopäden. Von Yannic Corinth, dem Keyplayer in seinem Leben, wie er ihn nennt. „Ein extrem verlässlicher und loyaler Freund.“ Sie lernten sich im Leistungssport kennen und waren zeitweilig harte Konkurrenten um Plätze in der deutschen Ruder-Nationalmannschaft. Beide stiegen fast gleichzeitig aus dem Leistungssport aus und überwanden die Schwierigkeiten, die das mit sich bringt, beim gemeinsamen Radfahren. Yannic hängte sogar eine semiprofessionelle Rad-Laufbahn an. Sein größter Erfolg war der Sieg beim Arlberg-Giro, einem Rennen für ambitionierte Amateure, im Jahr 2015, mit Streckenrekord.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Kongeniale Sportsfreunde waren sie, die zusammen auf den Schauinsland fuhren, ins Tal hinunterblickten und einander versicherten, wie „geil“ das alles sei. Doch das ist vorbei. Am 6. Juni 2016 hat Yannic Corinth sich im Alter von 26 Jahren erhängt. Er fuhr von Freiburg, wo er und Philipp zusammen in einer Zweier-Wohngemeinschaft lebten, nach Friedrichstadt in Schleswig-Holstein zu seiner Familie, verbrachte dort das Wochenende mit seiner Mutter, deren 50. Geburtstag nachgefeiert wurde, seinem Stiefvater und seinen drei Geschwistern und machte sich an einem heißen Montag um 17 Uhr auf den Weg, um sich ein paar hundert Meter vom Haus entfernt das Leben zu nehmen. Seine Schwester sah ihn weggehen. Er trug ein T-Shirt, eine kurze Hose und Laufschuhe und verbarg irgendwo einen Strick.

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