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Stabhochspringer Lita Baehre : Bo, der in den Himmel fliegt

Hohe Ansprüche: „Ich will der beste Stabhochspringer der Welt werden“, sagt Bo Kanda Lita Baehre. Bild: dpa

Bo Kanda Lita Baehre ist erst 21 Jahre alt und will der beste Stabhochspringer der Welt werden. Als Leichtathleten sieht er sich trotzdem nicht. Als was dann?

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          Wenn Bo Kanda Lita Baehre durch die Schaumstoffblöcke läuft, springt seine goldene Halskette bei jedem Schritt ein bisschen. Beim Einstich im Wettkampf fliegt sie hoch, wenn er sich vom Boden abdrückt, berührt dann wieder sein Schlüsselbein. Ein kurzer Kontakt mit der Haut. Hängt er am Stab, fällt die Kette gen Boden.

          Ob beim Training, im Wettkampf, beim Kochen, unter der Dusche, Lita Baehre nimmt sie nie ab. Es ist nicht so, dass alles an dieser Kette hängt. Aber sie gibt dem besten Deutschen Stabhochspringer eine gewisse Sicherheit. Seit seiner Konfirmation hat er sie um den Hals. Kurz danach, mit 15 Jahren, kam er zum TSV Bayer Leverkusen, um bei Christine Adams zu trainieren. Heute hat Lita Baehre drei Mal die Deutschen Meisterschaften gewonnen, Erfurt 2017, Nürnberg 2018, Braunschweig 2020, er wurde 2019 bei der U 23 EM in Schweden Erster und im gleichen Jahr deutscher Meister in der Halle. 5,81 Meter ist er vor wenigen Wochen in Leverkusen gesprungen. An diesem Sonntag tritt er beim Istaf in Berlin an. Er ist 21 Jahre alt und ein aufstrebender Stabhochspringer.

          Lita Baehre merkt man das nicht direkt an. Er ist im Wettkampf maximal konzentriert, beim Training in Leverkusen jugendlich verspielt. Als er in der Halle durch Metallstangen sprintet, kommt er bei den letzten Schritten etwas aus dem Rhythmus. „Was war das denn?“, fragt seine Trainerin Christine Adams. In Trainingshose und Hoodie wirkt sie locker, aber sie weiß, was sie sehen will. Sie war früher selbst eine erfolgreiche Stabhochspringerin. Für Lita Baehre ist sie nicht nur Trainerin. Während der Abitur-Phase war sie auch mal die, die ihn zum Lernen motiviert hat. Bei jedem Lauf beobachtet Adams ihren Athleten genau. „Schau mal, dass nicht deine Nase der vorderste Punkt ist, sondern deine Knie“, sagt sie. Lita Baehre trabt Richtung Anlauf zurück. Er macht kurz bei seiner Trainerin Halt. Fläzt sich auf die Stabhochsprung-Matte. Sie steht vor ihm, spricht mit ihm, wippt dabei mit dem rechten Bein.

          Die Bewegung verfeinern

          „Jetzt ein bisschen mehr Konzentration, ein bisschen mehr Anlauf“, sagt Adams. Lita Baehre, blaue leuchtende Tights, schwarzes Shirt, schwarzes Band im Haar, visiert die Metallstangen an, tack, tack, tack, ein Kontakt in jedem Freiraum, viel lockerer und geschmeidiger als davor. Seit einigen Wochen arbeiten beide am Anlauf. Im Stabhochsprung hört das Verfeinern der Bewegung nie auf, Anlauf, Schrittlänge, Einstich, das Aufrollen am Stab – und das ist erst der Anfang. Jeder Teil der komplexen Bewegung kann weiter verbessert werden.

          Lita Baehre hat lange Beine, 1,93 Meter ist er groß, wenn er sprintet, fällt sein Oberkörper leicht nach vorne. „Er nutzt seine Größe nicht, beim Einstich ist er zu tief“, sagt Adams. Darin sieht sie das größte Potential. Lita Baehre ist es gewohnt, beobachtet, gemessen zu werden, auch wenn er sich an einem Tag nicht fit fühlt, werden beim Sprint seine Zeiten genommen, wird sein Sprung analysiert und gefilmt. „Von den Zahlen darf man sich nicht beeinträchtigen lassen“, sagt er.

          Mental vorbereiten

          Es gibt viele Athleten, die das Training mehr lieben als den Wettkampf. Bei Lita Baehre ist das nicht so, er liebt den Wettkampf. Er stehe dann mental hundert Prozent hinter sich, bei vielen Athleten, die er kenne, sei das anders. Davor wirkt er in sich gekehrt, seine Gesichtszüge sind hart, die spiegelnde Sonnenbrille schirmt ihn ab. Bevor er losläuft, atmet er ein, läuft an und arbeitet sich flüssig am Stab hoch. Er sei dann in seinem Kopf. „Ich versetzte mich da richtig rein, das war schon so als ich angefangen habe. Da war ich genauso fokussiert wie jetzt“, sagt er.

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