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Warten auf RTL : Die Skifamilie rückt in der Krise zusammen

  • -Aktualisiert am

Aktion dunkle Mattscheibe Bild: dpa

Statt zu einem fröhlichen Beisammensein wurde der jährliche Einkleide-Termin der Wintersportler zu einem Krisentreffen. Ohne Fernsehvertrag muss die Nachwuchsförderung massiv eingestellt werden und die deutschen Weltcupevents stehen auf der Kippe.

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          Wie rührend: Auf der Bühne standen jene Skisportler, die gerade mit dem „Goldenen Ski“ ausgezeichnet worden waren, als erfolgreichste der vergangenen Saison. Sie hatten in Ingolstadt ihre Ausrüstung für das neue Skijahr von den Sponsoren des Deutschen Skiverbandes (DSV) erhalten.

          Felix Neureuther, die Hoffnung der Alpinen, und Magdalena Neuner, Star der Biathletinnen, sprachen für alle: „Uns fehlt es an nichts“, und deshalb wolle man - „jeder auf seine Art“ - einen Beitrag leisten, „und vielleicht auch mal auf Prämien verzichten“. Wer immer dazu die Idee hatte - die Führung des Deutschen Skiverbandes war von der Solidaritätsaktion nicht überrascht, und so demonstrierte man in einer Krise für alle hörbar: Wir sind eine Familie.

          Mit einer guten Portion Blauäugigkeit

          Diese Skifamilie wird derzeit ganz schön gebeutelt, und statt zu einem fröhlichen Beisammensein wurde der jährliche Termin der Einkleidung zu einem Krisentreffen. Der nächste Winter kommt bestimmt - doch nach dem derzeitigen Stand kann befürchtet werden, dass er für deutsche Fernsehzuschauer ein Winter ohne deutsche Weltcup-Veranstaltungen wird (siehe Bildstörung beim Deutschen Skiverband). Im Streit um seinen Fernsehvertrag ist der DSV weit von einer Lösung entfernt.

          Biathletin Neuner: Geld für Talente

          Immerhin ist nun Bewegung gekommen in die Aktion „dunkle Mattscheibe“, der DSV hat konkret etwas vorzuweisen. Am Freitag morgen, neun Uhr, hat der Skiverband dem bisherigen Partner, dem Privatsender RTL, den Vertrag vorgelegt, um den sich alles dreht - den Vertrag mit der Agentur Infront, die nach einer öffentlichen Ausschreibung im Frühjahr das beste Angebot für die Fernsehrechte abgab. RTL hatte nach Ansicht des DSV durch ein viel schlechteres Angebot signalisiert, kein Interesse mehr an einer Kooperation zu haben. Dass den Kölnern das Recht zustand, den besten Preis noch überbieten zu können (Fachbegriff: Matching Offer Right), schien dem DSV Nebensache. „Außerdem kannte RTL die Eckpfeiler in der Ausschreibung, und der Preis war über die Medien mehr oder weniger konkret bekannt“, sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann in Ingolstadt.

          DSV kann sich keinen Rechtsstreit leisten

          Mit einer guten Portion Blauäugigkeit ist der DSV offensichtlich vorgegangen. Aber „wir haben keinen Fehler gemacht, weil die Juristen des DSV der Auffassung sind, dass der Vertragspassus mit RTL keine Gültigkeit hat - oder zumindest nur eingeschränkte Gültigkeit“, so Hörmann. Gerade dieser Nachsatz aber dürfte der entscheidende Punkt sein. In einem Rechtsstreit wäre er zu klären - doch den kann sich der DSV nicht leisten, und zwar nicht allein aus finanziellen Gründen.

          Ihm läuft einfach die Zeit davon. Das erkannte wohl auch im Laufe des Spätsommers Generalsekretär Thomas Pfüller, der den Finger in die Wunde legte und einen Sparkurs ausrief. Er sei ein Mensch, der - auch wegen seines Amtes - langfristig plane, „aber jetzt müssen wir kurzfristige Entscheidungen treffen, von Woche zu Woche“.

          Hörmann windet sich

          Zunächst heißt das Warten auf RTL. Natürlich gebe es Gespräche, versicherten Hörmann und Pfüller. Der Fernsehvertrag sei „Chefsache“, sagte der Generalsekretär. Hörmann windet sich, der DSV hat schlechte Karten - und so bleibt nur der Appell an die Tugenden des Sports. Schließlich geht es um die Zukunft des deutschen Skisports und seines Nachwuchses.

          Der Unternehmer aus dem Allgäu betont auf der einen Seite sein Verständnis für das Unternehmen RTL - „deutlich sichtbar steht das wirtschaftliche Interesse über allem“ -, spricht aber andererseits von moralischem und partnerschaftlichem Umgang miteinander. „In den vergangenen Tagen zumindest war die Bereitschaft zu konkreten Gesprächen zu spüren“, sagte Hörmann.

          Geld ohne konkrete Gegenleistung?

          Die partnerschaftliche Zusammenarbeit, die er sich vorstellt, hat er nach eigener Aussage bei Infront gefunden. Die Agentur hat mit dem DSV ein Existenzsicherungsprogramm ausgearbeitet - was wohl nichts anderes bedeutet, als dass Geld zunächst ohne konkrete Gegenleistung gezahlt wird. Der große Betrag aus dem Fernsehvertrag, „der jetzt geflossen wäre“, so Pfüllers Lamento, fließt eben derzeit nicht. „Auch das Existenzsicherungsprogramm funktioniert nur unter der Maßgabe, dass RTL nicht mit noch härteren Maßnahmen wie einer einstweiligen Verfügung verhindert, dass die deutschen Weltcups übertragen werden - sonst wäre der Flurschaden ein großer“, so Hörmann.

          Berührt wären nicht nur geplante Veranstaltungen, wie die nordischen Skiweltmeisterschaften 2013 und die Biathlon-WM 2012, um die sich der DSV bewirbt. Auch für eine Winter-Olympiabewerbung 2018 liefert der DSV „alles andere als eine Steilvorlage“ (Hörmann). Diese Sorgen sind jedoch untergeordnet. Ein Scheitern der Verhandlungen wäre „in der wirtschaftlichen Konsequenz ein Thema, das nicht zu meistern ist.“ Hörmann und Pfüller bleibt jetzt nur die Rolle der Bittsteller.

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