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Privates Tennisturnier : Höhr-Grenzhausen statt Roland Garros

Prominentester Starter in Höhr-Grenzhausen: Dustin Brown, der Mann mit der Rasta-Mähne Bild: dpa

Die großen Tennisturniere sind abgesagt oder verschoben: Der Ball soll nun aber statt in Paris bei einem Schauturnier im Westerwald fliegen. Dustin Brown ist der prominenteste Starter. Es ist ein kleiner Schritt in Richtung Normalität.

          3 Min.

          Normalerweise würde die Tennis-Welt im Mai gebannt nach Paris schauen. Nach Roland Garros, um genau zu sein, wo sonst das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres steigt. Wo Rafael Nadal Anlauf auf seinen 13. French-Open-Triumph nehmen würde und sich dabei der Angriffe etwa von Novak Djokovic oder Alexander Zverev erwehren müsste. Doch weil in diesen Tagen eben nichts so ist wie normalerweise, geht der Blick stattdessen Richtung Westerwald. Nach Höhr-Grenzhausen, um genau zu sein, wo am 1. Mai inmitten der Corona-Krise ein Tennis-Turnier stattfindet. Das erste in Europa seit Ausbruch der Pandemie, womöglich sogar das erste weltweit.

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          Zwar sind es bei dem Schaukampf in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt nicht Nadal, Djokovic oder Zverev, die sich messen. Zumindest aber einige gestandene deutsche Tennis-Profis wie etwa Dustin Brown oder Yannick Hanfmann sind dabei. Es wird ein „Geisterevent“ ohne Zuschauer, ohne Linienrichter oder Ballkinder und unter Einhaltung strengster Gesundheitsvorschriften für die Spieler. Doch wird es auch trotzdem ein kleiner Schritt zurück in Richtung Normalität. Die Matches werden über die Internet-Plattform Tennis Channel International live gestreamt. Der Live-Sport gibt sein Comeback – wenn auch zunächst in denkbar kleinem Rahmen.

          Erlaubnis dank schlüssigen Konzepts

          „Wir wollten in erster Linie etwas für die Spieler machen“, sagt Mitorganisator Rodney Rapson gegenüber der F.A.Z.. Schließlich litten diese unter der aktuellen Spielpause nicht nur finanziell, sondern zudem mental und physisch durch die fehlende Spielpraxis. Der Australier Rapson ist Geschäftsführer Europa beim israelischen Sporttechnologie-Unternehmen Playsight, das die Bilder für die Übertragung produziert.

          Auf seine Initiative hin traten die Veranstalter der Base Tennis Academy in Höhr-Grenzhausen frühzeitig in Kontakt mit der Spielerorganisation ATP und der Tennis Integrity Unit (TIU), der Antikorruptions- und Wettbetrugsbehörde im Tennis-Sport. Als beide ihr Okay gaben, bemühte man sich beim örtlichen Gesundheitsamt um eine Ausnahmegenehmigung, damit die Profis Tennis spielen dürfen. Auch die bekamen die Veranstalter dank eines schlüssigen Konzepts erteilt. Noch bevor das Land Rheinland-Pfalz von diesem Montag an auch im Freizeitsport das Tennisspielen wieder erlaubte.

          Schnell fand sich daraufhin ein achtköpfiges Teilnehmerfeld mit Spielern überwiegend aus der Region zusammen. Prominentester Starter ist dabei Brown, der mit konsequentem Serve-and-Volley, seiner langen Rasta-Mähne und mitunter spektakulären Siegen wie etwa 2015 in Wimbledon über Nadal zu den Publikumslieblingen auf der Profitour gehört. Hanfmann, immerhin schon zweimal im Hauptfeld bei Grand-Slam-Events, ist als Nummer 143 der Weltrangliste der derzeit bestplazierte Teilnehmer. Der inzwischen für Großbritannien startende gebürtige Koblenzer Jan Choinski verleiht dem ganzen sogar einen internationalen Touch.

          Richtungweisend für den Tennissport

          Das Preisgeld für die Spieler ist überschaubar. Stattdessen spendet das Event für soziale Einrichtungen in der Region, die von der Corona-Krise betroffen waren. Gespielt werden auf den Sandplätzen in der Tennis-Halle im Westerwald 32 Matches binnen vier Tagen. Erst im Modus Jeder-gegen-jeden, dann zum Abschluss eine Runde Plazierungsspiele im K.-o.-Modus. Weil jeder Spieler zwei Duelle pro Tag bestreitet, wird ein Satz nur bis vier Punkte gespielt, mit Tiebreaks beim Stand von 3:3. Noch dazu entfällt die „Einstand“-Regel, was die Spieldauer zusätzlich verkürzt.

          Trotz seines ungewöhnlichen Modus könnte der Schaukampf im Westerwald richtungweisend für den Tennissport der kommenden Wochen und Monate sein. Bislang ist der Spielbetrieb bis mindestens zum 13. Juli ausgesetzt, doch in der Branche rechnen viele damit, dass die Pause noch länger dauert. Kleinere Show-Events könnten in dieser Zeit Abhilfe schaffen. Star-Coach Patrick Mouratoglou, der unter anderen Serena Williams betreut, kündigte für den Mai ein entsprechendes Event in seiner Akademie in Südfrankreich an. „Ultimate Tennis Showdown“, nennt er es betont unbescheiden. Auch Rapson und seine Mitstreiter wollen weitere Turniere an weiteren Standorten ausrichten, um so den Profis zu ermöglichen, die Corona-Zeit zu überbrücken. „Viele haben Ideen, aber wir haben schon ein Konzept“, sagt er. Und so dürfte die Tennis-Welt am 1. Mai ausnahmsweise mal gespannt nach Höhr-Grenzhausen blicken.

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