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Radsport : Höllisch harte Vuelta

  • -Aktualisiert am

Chris Froome hat eine Schwäche für die Vuelta Bild: AFP

Die Spanien-Rundfahrt hat einige Stars angelockt, die Etappen sind schwieriger als bei der Tour de France. Dennoch kommt die Vuelta nicht aus dem Wahrnehmungsloch.

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          Chris Froome hat bei der Vuelta noch eine Rechnung zu begleichen. Alberto Contador und Alejandro Valverde suchen nach einem schönen Karriereabschluss. Und Nairo Quintana ist erpicht darauf, nicht schon wieder eine Saison ohne Sieg bei einer großen Rundfahrt zu beenden. So hat die Spanien-Rundfahrt eine Reihe von Stars angelockt. Die Besetzung betreffend kann die Vuelta a España sogar mit der Tour de France mithalten, da auch noch der Giro-Zweite Esteban Chaves und das neue kolumbianische Bergtalent Miguel Angel Lopez am Start sind. Von den wichtigen Rundfahrern fehlen eigentlich nur Vincenzo Nibali, Titelverteidiger Fabio Aru und der Tour-Zweite Romain Bardet.

          Der Einfluss des Tour-de-France-Organisators Aso, dem die Vuelta mittlerweile gehört, ist deutlich zu spüren. Der Schauwert des Rennens wird dadurch noch erhöht, dass das Profil mehr Härten verspricht als die „Große Schleife“ durch Frankreich. Gleich zehn Bergankünfte stehen diesmal an, was Contador zu der Bemerkung veranlasste: „Die Strecke ist nicht für mich gemacht. Es ist sehr explosiv mit den vielen Bergankünften. Wegen der Zeitgutschriften sind andere im Vorteil.“

          „Hölle aus Sonne und Zement“

          Bereits am dritten Tag gab es einen Anstieg von sage und schreibe dreißig Prozent. Als „Hölle aus Sonne und Zement“ bezeichneten spanische Medien markig das Finale. Manche der Favoriten kamen in dieser Hölle, auf die stolz die großen Silhouetten der im ganzen Land aufgestellten Stiere blickten, ganz schön ins Schnaufen. Quintana verlor sechs Sekunden auf das Trio Froome, Chaves und Valverde, Contador gar 28 Sekunden. Auch die vierte und die sechste Etappe hatten Berge im Finale; auf dem sechsten Tagesabschnitt im nordspanischen Galicien mussten insgesamt knapp 3000 Höhenmeter bezwungen werden. In Frankreich nennt man so etwas „Königsetappe“. Bei der Vuelta handelte es sich offiziell um eine „Überführungsetappe“. Contador, beileibe nicht schwach in alpinem Gelände, sagte: „Wir Klassement-Fahrer mussten in dieser ersten Woche viel Kraft investieren. Die Rechnung wird uns in der dritten Woche gemacht.“

          Die im Schatten sieht man nicht: die Vuelta hat ein Vermarktungsproblem

          Auch der Zeitpunkt zum Ende der Saison macht die Vuelta weniger planbar als die Tour. Die von den Strapazen der Tour und der Olympischen Spiele gezeichneten Top-Radprofis treffen nun auf Männer mit frischeren Beinen und großen Ambitionen. Das führt zu regelrechten Abnutzungskämpfen in den Bergen. Nicht zufällig ist es seit den neunziger Jahren, als die Vuelta vom Frühjahr in den Herbst verlegt wurde, niemandem mehr gelungen, die Tour de France und die Spanien-Rundfahrt im gleichen Jahr zu gewinnen. Selbst Froome schaffte das nicht. Dabei hat der Brite eine Schwäche für die Vuelta. 2011 ging hier sein Stern auf, als er Gesamtzweiter wurde, noch vor seinem damaligen Kapitän Bradley Wiggins. Die Stallorder beim Team Sky hatte ihn zurückgehalten, sonst hätte er den Überraschungssieger Juan José Cobo wahrscheinlich bezwungen. Froome versuchte sich auch in den nächsten Jahren immer wieder an der Vuelta, 2015 ging er nach seinem Tour-Sieg erstmals das Double an. Er scheiterte aber immer wieder - an den Gegnern oder weil er wegen eines Sturzes aufgeben musste. Deshalb nannte er die Vuelta ein „nicht abgeschlossenes Business“.

          Ein Rennen, das nach Glanz strebt, aber immer wieder auch durch Pannen beeinträchtigt wird. Im vergangenen Jahr drohten einige Teams, das Teamzeitfahren über einen Strandparcours wegen des vielen Sandes zu boykottieren. In diesem Jahr markierten die Veranstalter im Finale der fünften Etappe einen Poller nicht. Der Niederländer Steven Kruijswijk stürzte, ihm brach das Schlüsselbein. Die Fahrergewerkschaft CPA forderte deshalb bessere Sicherheitsmaßnahmen an der Strecke und mehr Zäune im Zielbereich.

          Die Vuelta krankt aber auch an überzogenen Erwartungen. Der Bürgermeister der Etappenstadt Lugo zum Beispiel versprach seinen Bürgern, dass jeder für das Rennen investierte Euro zwölffach zurückkäme. Er bezog sich auf die in 190 Nationen verkauften TV-Rechte und den Bekanntheitsgrad, den seine Stadt dadurch erreichen würde. Eine ziemlich verwegene Kalkulation. Der Pariser Ökonom Wladimir Andreff schätzt die Einnahmen der Aso aus der Fernsehvermarktung der Tour auf etwa 50 Millionen Euro. Für die Vuelta bekam die Aso laut spanischen Medien gerade einmal 15 Millionen Euro. Zahlen, die verdeutlichen, wo die Vuelta im Vergleich zur Tour steht.

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