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Letzte Vuelta für Radprofi : Eine Hommage an Alejandro Valverde

  • -Aktualisiert am

Einmal wurde Alejandro Valverde des Dopings überführt. Bild: dpa

Mehr als fünfmal hat Radprofi Alejandro Valverde bei Wettkämpfen die Erde auf Äquatorhöhe umrundet. Bei seiner letzten großen Rundfahrt feiern ihn die Zuschauer. Auch die Organisatoren denken an ihn.

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          Dem Alter kann auch er nicht trotzen. Spitz ragen die Schlüsselbeine unter dem Trikot hervor. Der Schritt ist langsamer geworden. Auch der Tritt ist nicht mehr so explosiv. Nein, selbst ein Alejandro Valverde kann die Zeiger der biologischen Uhr nicht aufhalten. 42 Jahre ist der Radprofi aus Murcia mittlerweile alt. Diese Vuelta a España ist seine letzte große Rundfahrt. Er absolviert sie anders als gewohnt, aber immerhin mit Stil. Und von seinem heimischen Publikum wird er gefeiert.

          „Ja, es berührt mich, wie die Leute mich begrüßen, sich von mir verabschieden. Es zeigt mir, dass ich ihnen etwas gegeben haben muss“, erzählt Valverde der F.A.Z. bei seiner Abschiedsrundfahrt. Besonders in Murcia, seiner Heimatregion, war die Zuneigung enorm. Die Vuelta-Organisatoren legten den Start der elten Etappe dorthin. Als Hommage an Valverde fügten sie auch die Sierra de La Pandera in den Parcours ein.

          Im Stil des „elder statesman“

          2003 holte er hier bereits einen Etappensieg bei der Vuelta. Im Gruppetto rollte damals Erik Zabel über die Ziellinie. Der Berliner gewann in jenem Jahr auch das Punktetrikot – vor Valverde übrigens, mit dem er sich damals ein Fernduell um Punkte lieferte. Der Telekom-Profi sammelte bei den Sprints, Valverde bei den Bergankünften. Allein dieses Detail zeigt, in welche ferne Welt die Karriere des Alejandro Valverde zurückreicht.

          Diese Vuelta a España, seine 16., bestritt er im Stil eines „elder statesman“. Er hielt Audienzen in der Mixed Zone, sagte dabei stets die gleichen wohlgesetzten Worte. Im Rennen sorgte er sich vor allem um Enric Mas. Dem 27 Jahre alten Landsmann verhalf er mit seiner Erfahrung zu einem Platz auf dem Podium. „Ich bin hier, um zu helfen, und vor allem, um ihm Ruhe zu geben“, beschrieb Valverde selbst seine Aufgabe.

          Gern hätte er seinen Abschied noch mit einem Etappensieg gekrönt. Das ließ er auch durchblicken. Es wäre sein 13. bei einer Vuelta geworden, sein 18. bei einer Grand Tour überhaupt, sein 134. Sieg insgesamt. Das sind beeindruckende Zahlen. Noch beeindruckender ist die Rennstatistik: Etwa 94.000 Kilometer legte er allein bei seinen insgesamt 32 Grand-Tour-Starts zurück.

          Zählt man alle Renntage in seinen 21 Profisaisons zusammen, werden es gewaltige 224.000 Kilometer. Mehr als fünfmal hat er damit im Wettkampfmodus die Erde auf Äquatorhöhe mit dem Rad umrundet. Wie oft er dabei Substanzen zu sich nahm oder Methoden benutzte, die das Antidopingreglement des Radsportweltverbands UCI verbietet, bleibt sein Geheimnis. Überführt wurde er nur einmal, beim Abgleich seiner DNA mit einem der Blutbeutel, die bei der Antidopingrazzia Operación Puerto im Kühlschrank des Gynäkologen Eufemiano Fuentes sichergestellt wurden.

          Etappensiege nach der Sperre

          Hinweise auf diesen Karrieretiefpunkt sieht man auf den Transparenten, die Valverde bei dieser Abschiedsvuelta feiern, nicht. Keine Spritze ist auf die Transparente aufgemalt. Nur Sprüche wie „Danke Valverde“, „Ewiger Valverde“ und „Großer Valverde“ sind zu sehen. Über Doping spricht man im spanischen Sport nur ungern.

          Auch diese Mentalität hat es Valverde leicht gemacht, nach seiner Sperre so zurückzukehren, als wäre nichts gewesen. Die Kette seiner Siege riss nicht ab. Zweimal vor seiner Sperre gewann er das Klassikermonument Lüttich–Bastogne–Lüttich, und zweimal danach ebenfalls. Etappensiege bei der Tour de France holte er vor wie nach der Sperre. Dem Vueltasieg 2009 steht der WM-Sieg 2018 gegenüber.

          Bevor er ganz vom Rad steigt, muss er für sein Team Movistar noch im Abstiegskampf um UCI-Punkte helfen. Deshalb lässt ihn sein Arbeitgeber auch nicht zur WM. Dort sind die Chancen auf die wichtigen Punkte für das Sichern der neuen WorldTour-Lizenz geringer. Noch einmal stellt sich der alte Herr in den Dienst der Mannschaft.

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