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Vor den Basketball-Play-offs : Lukrative Überraschungspackung

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Bunte Liga: Die Basketball-Bundesliga bietet Spektakel und Spannung Bild: picture-alliance/ dpa

Volle Hallen, hohe Spannung: die Basketball-Bundesliga ist besser als ihr Ruf. In den Play-off-Spielen erwarten die Klubs Favoritenstürze und Zuschauerrekorde. Unter Umständen profitiert die Liga sogar von der weltweiten Finanzkrise.

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          MEG Göttingen und die Brose Baskets Bamberg machten am Freitagabend den Anfang. Zwei Tage später starten auch die anderen sechs Teilnehmer in die Play-offs, die Endrunde um die deutsche Basketballmeisterschaft. Die beste Ausgangsposition hat der Titelverteidiger Alba Berlin, der am Ende der Punktrunde knapp vor Göttingen und den EWE Baskets Oldenburg die Tabelle anführte. Im Fußball wie im Handball wären die Hauptstädter damit deutscher Meister. Im Basketball ist der Lohn eher bescheiden: Alba darf jede nach dem Modus best-of-five gespielte Play-off-Serie mit einem Heimspiel beginnen. Der Wert dieses „Heimvorteils“ ist umstritten. In den Augen von Berlins Trainer Luka Pavicevic beginnt in den Play-offs „ein total neuer Wettbewerb, in dem der Heimvorteil vielleicht gar nicht einmal die große Bedeutung hat, die ihm zugeschrieben wird“. Tatsächlich lastet gerade im ersten Spiel oft ein beträchtlicher Erfolgsdruck auf der Heimmannschaft. Speziell die Berliner können ein Lied davon singen: In den letzten fünf Jahren gewannen sie regelmäßig die Punktrunde – in einen Meistertitel ummünzen konnten sie diesen Vorteil aber nur in der vergangenen Saison.

          Die Play-off-Runden bringen neue Zuschauerrekorde

          Zu den Profiteuren des Heimvorteils zählen aber auf jeden Fall die Berliner Fans. Schon am Freitag hatte Alba mehr als 10.000 Karten für das erste Viertelfinalspiel gegen Paderborn verkauft. Zehn Tage zuvor waren zum Punktspiel gegen denselben Gegner gerade mal 6500 Zuschauer in die Berliner Arena gekommen. Auch an den anderen sieben Play-off-Standorten werden in den nächsten Wochen zum Saisonhöhepunkt neue Zuschauerrekorde erwartet – und das in einer Liga, die mit im Durchschnitt 3666 Besuchern pro Spiel im europäischen Vergleich ohnehin neben der spanischen (6981) und der italienischen Liga (3828, Zahlen aus der Hinrunde) die dritthöchsten Zuschauerzahlen aufweist und damit zum Erstaunen vieler Beobachter manche finanzkräftigere Liga hinter sich lässt.

          Kampf um jeden Ball: Auch Alba Berlin sorgt für Spannung in der Basketball-Bundesliga
          Kampf um jeden Ball: Auch Alba Berlin sorgt für Spannung in der Basketball-Bundesliga : Bild: dpa

          Als vor zwei Wochen Europas Spitzenteams beim Final Four der Europaliga in Berlin spielten, fand denn auch am Rande des Turniers ein Symposion statt, auf dem Ansgar Niggemann, der Ticketsales-Manager von Alba Berlin, seinen interessierten Kollegen die Tricks erläutern durfte, mit denen die Berliner in der Euroleague-Punktrunde mehr Karten verkauft hatten als jeder andere Europaligaklub. Doch über alle Verkaufstricks hinaus muss noch etwas anderes dran sein an der Basketball-Bundesliga (BBL), das die Zuschauer so anzieht. Zum Beispiel die Spannung: In den vergangenen fünf Jahren gab es in jeder Saison einen neuen Meister (2004 Frankfurt, 2005 Bamberg, 2006 Köln, 2007 Bamberg, 2008 Berlin).

          Spannung pur: Es zeichnet sich ein offenes Rennen um den Titel ab

          Im vergangenen Jahr scheiterten gleich im Viertelfinale der Zweite, der Dritte und der Vierte der Punktrunde, und auch in dieser Saison zeichnet sich ein offenes Rennen um den Titel ab: Einzig Alba Berlin hat seinen Viertelfinalgegner Paderborn in der Punktrunde zweimal besiegt. Bei allen anderen Paarungen (Göttingen gegen Bamberg, Oldenburg gegen Frankfurt, Bonn gegen Ulm) endete der Vergleich in der Hauptrunde jeweils unentschieden 1:1.

          Einigkeit herrscht bei aller Freude über diese Unberechenbarkeit jedoch auch darüber, dass der Liga eine größere Kontinuität innerhalb der Mannschaftskader guttun würde. Und dass diese Beständigkeit auch die Leistungsstärke im internationalen Vergleich steigern könnte. Das aber ist leichter gesagt als getan in einer globalisierten Basketballwelt, in der den Spähern der europäischen Topklubs keine Entdeckung eines Bundesligavereins verborgen bleibt. Schaut man auf die zur Zeit überall in Europa laufenden Play-off-Spiele, trifft man dort auf jene früheren Bundesliga-Stars wie Chuck Eidson, Demond Mallet oder Hollis Price, die heute die in der BBL vermissten Identifikationsfiguren sein könnten – die angesichts atemraubender Angebote aus dem Ausland aber ihre Koffer packten.

          Wird sich die konservative Geschäftspolitik der Bundesligaklubs auszahlen?

          Ausgerechnet die aktuelle Finanzkrise könnte diese Entwicklung jetzt zugunsten der BBL korrigieren. Denn die süd- und osteuropäischen Klubs, die in den vergangenen Jahren die Spielergehälter im Basketball weltweit in die Höhe getrieben haben, leben vorwiegend von der Unterstützung reicher Oligarchen, die nun spürbar den Geldhahn zudrehen. „Mäzenatentum wird zunehmend wirtschaftlich stabilen Strukturen weichen, und damit werden wir uns wieder stärker gesunden“, sagt Alba Berlins Präsident Axel Schweitzer. Nicht nur er hegt die Hoffnung, dass sich die eher konservative Geschäftspolitik, nur Geld auszugeben, das man auch wirklich über Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen verdient, am Ende für die Basketball-Bundesliga auszahlt.

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