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Vor dem BBL-Saisonstart : Basketball-Liga mit Plan B

Meisterfavorit mit den Bayern: der deutsche Nationalspieler Steffen Hamann (im Foto Mitte) Bild: Bergmann, Wonge

Spektakulärer Beginn der Basketballsaison: Nach der Entlassung von Trainer Dirk Bauermann bei Bayern München wird eine Verpflichtung von Svetislav Pesic spekuliert. Ob mit Pesic oder ohne - der große Favorit auf die Meisterschaft wird von Bamberg und Berlin gefordert werden.

          3 Min.

          Die Basketballsaison in Deutschland beginnt spektakulär. Noch vor den ersten Spielen in der BBL an diesem Mittwoch, dem Tag der Deutschen Einheit, hat Bayern München Spekulationen um die Verpflichtung von Svetislav Pesic befeuert - den Trainer, der mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister wurde und mit der jugoslawischen Europa- und Weltmeister, der mit Alba Berlin und dem FC Barcelona Meisterschaften und Pokale gewann. Gerade verhandelt er mit dem Deutschen Basketball-Bund, ob er seine Rückkehr als Bundestrainer mit acht Siegen in der Europameisterschafts-Qualifikation verlängert, da schafft Bayern mit dem Rauswurf von Trainer Dirk Bauermann die reizvollste Vakanz im deutschen Basketball.

          Neun Millionen Euro geschätztes Budget

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Denn nicht nur die Erwartungen sind in München am höchsten, auch der Etat ist größer als überall sonst. Auf neun Millionen Euro wird das Budget der Basketball-Bayern geschätzt. Damit dürfte das dicke B aus München anderthalb bis zwei Millionen Euro mehr Verfügungsmasse haben als die großen B, die bisher die Liga dominierten, Bamberg und Berlin.

          Mit dem Israeli Yotam Halperin haben die Bayern nicht nur einen der stärksten Spieler aus St. Petersburg in die Liga geholt, sondern vermutlich auch den teuersten. Zudem verstärkten sie ihr Team um die Amerikaner Lawrence Roberts und Tyrese Rice. Einerlei, wer sie trainiert: Zusammen mit Chevon Troutman und Jared Howman, Steffen Hamann und Demond Greene, Jan Jagla, Je’Kel Foster und Robin Benzing, die geblieben sind, erheben die Bayern allerhöchsten Anspruch auf den Titel. Dafür verzichten sie auf die Teilnahme am internationalen Wettbewerb und damit auf strapaziöse Reisen.

          Gastiert mit den Mavericks in Berlin: der deutsche NBA-Superstar Dirk Nowitzki

          Der umstandslose Rauswurf des Trainers weniger als eine Woche vor dem Saisonauftakt macht fast vergessen, dass es auch in Berlin und Bamberg durchaus spektakulär zugeht. Ende der Woche erwarten Alba und reichlich 14.500 Zuschauer die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki in der „o2-Arena“. Fünf Tage darauf dürfen die Berliner beim europäischen Spitzenteam Montepaschi Siena antreten, weil die EuroLeague sie, den Basketballklub mit den meisten Zuschauern in Europa, mit einer Wild Card in die erste europäische Liga eingeladen hat. Die Brose Baskets Bamberg, die sich zum dritten Mal nacheinander als Meister und Sieger im Pokalwettbewerb für die EuroLeague qualifiziert haben, treffen in ihrer Gruppe auf den FC Barcelona, ZSKA Moskau, Lievtuvos Wilnius, Besiktas Istanbul und Partisan Belgrad - ein „Who is Who“ des europäischen Basketballs.

          Mit dem Ehrgeiz und der Entschlossenheit der Bayern haben neue Sitten die Basketball-Bundesliga erreicht. Die beiden Nationalspieler Philip Schwedhelm und Bastian Doreth haben sich in München zwar nicht durchsetzen können, doch die Bayern haben ihre Verträge bis 2014 verlängert. In dieser Saison sollen Schwedhelm in Ulm und Doreth in Trier spielen und dann eine neue Chance erhalten. „Damit binden die Bayern Spieler, an die sie im Moment nicht glauben“, sagt Marco Baldi, der Alba-Geschäftsführer - deutsche Spieler, die bei einer geforderten Kaderquote von sechs Deutschen pro Spiel und Mannschaft einen besonderen Wert und hohen Preis haben. Solche Usancen habe man bisher nur vom Fußball gekannt, sagt Baldi, der sich um die Verpflichtung von Schwedhelm bemühte. „Aber das ist vollkommen legitim: Wer die Kraft hat, muss sie einsetzen.“

          Eine Option für die Bayern? Trainer Svetislav Pesic

          Als „völlig außer Reichweite“ beurteilt der Bamberger Geschäftsführer Wolfgang Heyder zwar die Münchner Neuverpflichtungen. Doch in Bostjan Nachbar, einem Spieler mit der Erfahrung von acht Spielzeiten in der NBA, ist ihm eine der aufsehenerregendsten Verpflichtungen der Liga gelungen. Der Slowene ist nicht der einzige Neue in Bamberg. Schließlich sind Brian Roberts und PJ Tucker aus der Meistermannschaft in die NBA, nach New Orleans und Phoenix, gewechselt und Tibor Pleiß und Marcus Slaughter in die spanische Liga nach Vitoria und zu Real Madrid - schmerzhafte Verluste zwar, aber auch eine Auszeichnung für den Klub und seine Arbeit.

          In Berlin ist der Trainer der Star

          Anton Gavel, der beste Verteidiger der Liga und von den Bayern umworben, entschied sich gegen die kleine Bühne in der großen Stadt und für Europa und Bamberg. Seinen Wert für die Liga hat er dadurch gesteigert, dass er nach acht Jahren in Deutschland die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt hat.

          In Berlin wird der Trainer der Star sein. Sascha Obradovic ist zurückgekehrt. Vor fünfzehn Jahren gewann er als Spieler mit Alba Meisterschaft und Korac-Pokal. An seiner ersten und seiner bisher letzten Station als Trainer, in Köln 2006 und in Donezk 2012, gelangen ihm Meistertitel. Er soll mit seinem Temperament die Unbedingtheit mitbringen, die auch Bayern München demonstriert, und in die neu zusammengestellte Mannschaft endlich Spieler aus dem Nachwuchs integrieren.

          “Die Budgetfrage wird instrumentalisiert“, sagt Marko Pesic. Der Sohn des Bundestrainers gewann als Alba-Spieler sechs Meisterschaften. Nun ist er Sportdirektor der Bayern. „Man will sagen: Die haben es leichter. Aber Geld allein reicht nicht, um erfolgreich zu sein“, sagte er. „Ich beschäftige mich nicht damit, wer mehr Geld hat und wer weniger.“

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